die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am Mai 20, 2017, 10:46:03

Titel: Der Versager
Beitrag von: Erich Kykal am Mai 20, 2017, 10:46:03
Durchseucht von Wehmut glänzen meine Tage
wie Wunderperlen: Wertlos, aber prächtig -
und was mir dort verlustig geht, beklage
ich unbewegt und bleibe mir verdächtig.

Zuweilen fühle ich, wie übermächtig
der Drang sich regt nach einer großen Frage -
dann schweige ich und gebe mich bedächtig
der Stille hin, darin ich mir entsage.
Titel: Re: Der Versager
Beitrag von: cyparis am Mai 21, 2017, 11:41:18
Lieber Erich,

sehr schwermütig und schwerblütig, dieses wundervolle, wehmütige Gedicht, aus dem ein regelrecht ergebenes und demütiges Erleben und Erleiden spricht.
Den Titel finde ich falsch - warum nicht der Suchende?
Einmal mehr stellst Du unter Beweis, daß Du mich weit überragst - und ich neide es Dir nicht.

Ganz lieben Gruß
von
Cypi
Titel: Re: Der Versager
Beitrag von: Erich Kykal am Mai 21, 2017, 13:29:05
Hi Cypi!

Mag sein, dass der Titel heftig gewählt ist, und andere ihn wohl nicht so nennen würden, allein - das grimmigste Urteil ist oft jenes, das ein Protagonist selbst über sich verhängt ...

Derlei Selbstdiminuierung erleben wir fast alle irgendwann, und manche leider ihr ganzes Leben lang. Dabei ist es nur eine Frage des Standpunktes, ob etwas als Versagen gesehen wird - oder als Lebensweisheit, Demut oder Vernunft.
Wären wir etwas flexibler darin, unterschiedliche Betrachtungsweisen des eigenen Verhaltens oder des eigenen Denkens zu nutzen, wir könnten uns viel Leid ersparen ... - aber das gilt ja nicht als männlich, heldenhaft, gläubig oder patriotisch: Da muss unter allen Umständen auf der einen und einzigen "Wahrheit" beharrt werden, sonst gehört man nicht dazu ...  ::)

Vielen Dank für dein selbstdiminuierendes Lob!  ;)

LG, eKy