die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Günter am Juni 23, 2017, 10:47:50

Titel: Weg und Ziel
Beitrag von: Günter am Juni 23, 2017, 10:47:50
Mein Ziel liegt irgendwo sehr fern.
Ideale sind schwer zu erreichen!
Ich richte mich nach einem Stern.
Er wird als Maßstab niemals weichen!
 
Mein Weg führt selten grade aus,
oft ist ein Felsen zu umgehen.
Er bringt er mich aus dem Takt heraus,
will ich nicht zu dem Stern aufsehen.
 
Der Weg hält mich hier auf der Erde,
er reicht nicht bis zu meinem Ziel.
Doch wie ich ihn beschreiten werde,
gibt er mir nichts vielleicht auch viel.
Titel: Re: Weg und Ziel
Beitrag von: Erich Kykal am Juni 23, 2017, 16:08:03
Hi Günter!

Schauen wir uns den Taktrahmen deiner ersten Zeile an:

Mein Ziel liegt irgendwo sehr fern.

Wir haben also einen unbetonten Auftakt und vier Heber, dazwischen je eine Senkung. Dieses "Rhythmus" sollte man eigentlich nun innerhalb des Gedichtes durchhalten, und falls ein Wechsel erfolgt, sollte er es in klarem und vor allem regelmäßigen Rhythmus tun.

In S1 lautet das Kadenzenschema mwmw, ebenso in S2. S3allerdings hat wmwm.

Betrachten wir mal die Verteilung von Betonungen im Rest des Gedichtes:


Mein Ziel liegt irgendwo sehr fern.
Schwer sind Ideale zu erreichen! Da hätten wir schon mal betonten Auftakt, und die Zeile hat auch einen Heber zu viel.
Ich richte mich nach einem Stern.
Er wird als Maßstab niemals weichen! Etwas hölzern formuliert.
 
Mein Weg führt selten gerade aus, Hier haben wir Silbenüberschuss in "ge/ra/de". Mach "grade" draus.
oft ist ein Felsen zu umgehen.
Bringt er mich aus dem Takt heraus, Umständlich formuliert,
so kann ich zu dem Stern aufsehen. diese beiden Zeilen! Das wirkt sprachlich ungelenk.
 
Der Weg hält mich hier auf der Erde,
er reicht nie bis zu meinem Ziel. Das "nie" will betont sein, hier unnatürlich in der Senkung.
Doch wie ich in beschreiten werde, Ich denke, das "in" sollte hier "ihn" heißen.
gibt er mir nichts oder sehr viel. Hier ist das "oder" unnatürlich auf Silbe 2 betont.


Gerundete und gleichmäßig getaktete Version mit angeglichenen Kadenzen:

Mein Ziel liegt irgendwo sehr fern,
wohin kaum Ideale reichen!
Ich richte mich nach einem Stern,
der hell mir strahlt und ohnegleichen!
 
Mein Weg führt selten gradeaus,
oft ist ein Felsen zu umgehen,
und gehen mal die Lichter aus -
mein Stern ist immer gut zu sehen.

Doch niemals findet mir ein Ziel
der harte Weg auf dieser Erde.
Er gibt zu wenig und zu viel,
egal, wie lang ich wandern werde.


Verzeih, wenn ich zu weit gegangen sein sollte, ich wollte nur ein Beispiel geben, wie es sich (für mich) wirklich gut und lyrisch rund anhören würde. Nimm, was dir brauchbar erscheint - ansonsten versteh es bitte als Tipps für zukünftige Bemühungen für jemanden, der für wert befunden wurde, solche zu erhalten.  :)

Sehr gern gelesen (und vielleicht etwas überinspiriert bearbeitet!  :-[ :-\)!

LG, eKy
Titel: Re: Weg und Ziel
Beitrag von: Phoenix-GEZ-frei am Juni 23, 2017, 17:37:18
Hallo Günter,
Weg und Ziel

Ich habe mal so bei dir herumgestöbert. Dies und das gelesen, und was ich las, hat mir gefallen.
Bitte gehe deinen Weg. Denn ich habe das Gefühl, da schläft etwas in dir, dass wachsen möchte.
Erich hat es anders formuliert und dem möchte ich mich anschließen. Potential.

Bei mir ist Hopfen und Malz verloren, ich bleibe hier. Weil ich die Wiese liebe und aus Trotz. ::)

Ganz lieben Gruß
Phoenix

Titel: Re: Weg und Ziel
Beitrag von: Günter am Juni 26, 2017, 21:45:09
Lieber Erich,
Deine Hinweise sind mir hilfreich - danke. Alle Schwachstellen konnte ich nicht beseitigen, denn der Sinn würde sonst verlieren.
LG Günter

Lieber Phoenix,
danke für Deine Einschätzung. Ob meine Lebenszeit noch zum Wachsen ausreicht? Versuchen mag ich es schon seit einigen Jahren, doch irgendwo hat jeder seine Grenzen. Meine habe ich vielleicht schon erreicht? Meist fehlt es mir jedoch an der Sorgfalt und auch manchmal am Abstand.

Soweit ich Deine Texte gelesen habe, finde ich sie originell und spritzig. Wir schreiben für ganz andere Schubladen und mir geht es oft so, dass ich Texter der anderen Art beneide. Bei mir fehlt die Leichtigkeit. Ich kann eben trotz aller Anstrengung einfach nicht locker sein.
Danke und LG Günter