die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Februar 08, 2018, 18:33:29

Titel: Lebensabend
Beitrag von: Erich Kykal am Februar 08, 2018, 18:33:29
Fahrig streichen welke Hände
über die vergilbten Bände
meines Schicksalstagebuchs.
Opfer war ich meiner Taten,
deren Folgen mich verraten
als den Träger ihres Fluchs.

Tiefer fassen meine Augen,
die am Unerfüllten saugen,
nach Bedeutung, doch ihr Schauen
wird der Seele, die verachtet
in Entlegenheiten schmachtet,
Mühe nur und nacktes Grauen.

Nächtig werden meine Sinne,
und in ihrem Samt beginne
ich den Abstieg aus dem Licht.
Trüber fallen alle Schatten,
wo das Dunkel aus den matten
Farben meines Lebens bricht.
Titel: Re: Lebensabend
Beitrag von: wolfmozart am Februar 10, 2018, 10:12:31
Hallo Erich,

Sehr wortmalerisch.
Das Thema Bedeutung/Sinn im Leben hab ich schon mal bei dir gelesen.
Das wird auch für mich mit dem Älterwerden immer mehr zum Thema.

Meine Antwort: Ich habe viel gesehn und probiert im Leben, aber das einzige das wirklich Sinn macht, ist - und bleibt - die Liebe
Wenn wir da viel Gutes zurücklassen hat für mich das Leben einen Wert gehabt...auch wenn unser Dasein vieleicht ins Nichts geht.

Lieben Wochendgruß

wolfmozart
Titel: Re: Lebensabend
Beitrag von: gummibaum am Februar 10, 2018, 11:45:56
Lieber Erich,

kein erfüllter Abschied, sondern ein erzwungener Abgang von der Lebensbühne nach unsinnigem Spiel. Das Gedicht ist voll starker Bilder.

Bewundernd gelesen.

LG gummibaum
Titel: Re: Lebensabend
Beitrag von: Curd Belesos am Februar 10, 2018, 13:09:53
moin moin Erich,

wortgewaltig schenkst du dem Leser Bilder, die er hofft, im Leben niemals sehen zu müssen, denn wenn die letzte Seite im Tagebuch des Lebens beschrieben wird, möchte man das Wort Erfüllung, für das gelebte Leben, schreiben können.

Wie gummibaum bereits schrieb, bewundernd gelesen.

LG
CB
Titel: Re: Lebensabend
Beitrag von: Erich Kykal am Februar 10, 2018, 20:21:39
Hi WM, Gum, Curd!

Erfüllung ist Illusion, Liebe ist Selbstmanipulation, Opfer ist Selbstaufgabe - sehen wir es objektiv. Eine sinnfreie Existenz wird nur durch schöne Lügen sinnvoller - aber gut so, denn stellten wir uns ganz und gar der nackten Wahrscheinlichkeit, wir könnten keine Freude empfinden ob des Geschenkes, das dieses Leben ist.
Ich habe das ganze umgedreht: Gerade weil ich die Sinnlosigkeit meiner Existenz eingesehen habe, bin ich befreit von den Fesseln des Ehrgeizes, der Triebe und der schönen Lügen.
Ich kann mein Leben selbst mit Sinn füllen, wie es mir beliebt - oder es bleiben lassen und weiter durch die Tage treiben.

Je größer dein Universum durch Wissen wird, desto unbedeutender erkennst du dich darin - was könnte bescheidener machen als zu lernen ...

Vielen Dank für eure freundlichen Zeilen!  :)

LG, eKy