die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Seeräuber-Jenny am Dezember 07, 2009, 19:04:11

Titel: Überflüssig
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am Dezember 07, 2009, 19:04:11
Verdammt, ich hab es langsam satt -
Oh ja, mein Auge ist beleidigt -
Nur Schund zu lesen auf dem Blatt.
Die Dichtung sei hiermit verteidigt.

Es gab mal Dichter hier im Land,
Reimten gar fein mit Engelszungen,
Nahmen die Feder in die Hand
Und haben jedes Herz bezwungen.

Traten für Recht und Freiheit ein,
Zart war ihr Vers über die Liebe,
Lustig das Lied von Weib und Wein,
Oft wünschte ich, dass es so bliebe.

Sie drehten sich heut ganz gewiss
In ihrem eignen Grabe um.
Gereimt wird über jeden Schiss,
Kindisch, beleidigend und dumm.

Es fehlt auch nicht an Kommentaren.
In unserm Volk der Kritiker
Tritt man in Hintern gern in Scharen,
Denn diese Kurzweil fällt nicht schwer.

Es wärmt die Erde sich nun auf,
Räudig und hungrig stirbt ein Kind.
Kein Mucks - das ist des Lebens Lauf.
Überfluss macht halt taub und blind.

Nun bitte ich die Dichterschar,
Sich mal ein wenig zu besinnen,
Texte zu schreiben rein und klar,
Euterpe stets im Herzen drinnen.
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: cyparis am Dezember 07, 2009, 22:05:26
Oh ja -

ohne uns sehr rasch zu besinnen!
Silbertaler, Kupfermünze für die Armen,
Gotterbarmen!


Es bleibt den armen Dichtern,
Uns zum Beispiel, nicht sehr viel,
Trotzdem noch der Worte Spiel,
Es sei trunken oder nüchtern.

Reich zum Wort, zum Sang
Panisch Flöt und Klang!
Es hebt sich dabei keiner auf zu Richtern!



***
Jedoch: ein ungeliebtes Wort:
Hinweg von diesem grünen Hort!


Liebe Amazone,

mehr ist  mir so schnell (und spät) nichts eingefallen auf Dein herrliches Gedicht!

Die"Nutzlosigkeit der Kunst" gibt es nicht, denn jede wahre Kunst trägt ihren Nutzen in sich. Sie beglückt den Beschauer, den Seher, den Denker, den Hörenden.

cyparis

(vorerst)
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am Dezember 08, 2009, 14:58:55
Liebe cyparis,

da muss ich dir leider widersprechen. Im Forenleben sind mir Dichter begegnet, die imstande wären, die wundervollsten Kunstwerke zu erdichten. Doch benutzen sie ihr Talent nicht, um den Leser zu beglücken, sondern um ihn zu verletzen. Und trotzdem sind ihre Verse kunstvoll, wenn auch mit giftiger Tinte verfasst.

Möge uns die Kunst auf unserer Lyrik-Wiese stets beglücken.

Lieben Gruß
Amazone
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: cyparis am Dezember 08, 2009, 15:06:36
Liebe Amazone,

Du hast mir nicht widersprochen.

Als Kraus noch ätzte,
Heine schwer verletzte,
galt Spott als hohe Kunst.
Das ist heut nivelliert,
wird ausradiert.
Konterkariert.


Lieben Gruß
von
cyparis :-*
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am Dezember 08, 2009, 15:21:59
Liebe cyparis,

da hast du leider recht. Auch waren meist die Herrschenden Zielscheibe des Spottes. Heute erregt man sich lieber über Nichtigkeiten und missachtet allzu gern die Grenzen des guten Geschmacks. Eigentlich schade, denn im Kampf um eine bessere Welt könnte das Wort eine sehr wirksame Waffe sein.

Lieben Gruß
Amazone
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: cyparis am Dezember 08, 2009, 16:16:03
Huhuhuuu....
liebe Amazone!

Das hast Du schön zweideutig gesagt.
Soll ich mich nun gelobt, bestätigt oder getadelt fühlen?

Wie dem auch immer sein möge:

Meine Geisteshaltung ist pazifistisch, wo immer sie es sein kann.
Sie löst natürlich keine Probleme und beseitigt keine Alpträume.
Das Einzige, was ich ihr zugestehe:
Sie ist ehrlich und (hin und wieder)  lautstark.

Lieben Gruß
von
cyparis
Titel: Re:Überflüssig
Beitrag von: Seeräuber-Jenny am Dezember 08, 2009, 23:32:15
"Und das ist gut so", würde unser Regierender Bürgermeister sagen.