die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Sufnus am November 20, 2018, 12:57:57
-
THE BIG RIP
Wir schlingeln durchs Existieren,
die Frist einen Schippenwurf fern,
nur nicht den Kopf verlieren,
wir tragen ihn eigentlich gern…
Wir zerren am Leben mit Klauen
und noch mit dem dritten Gebiss:
Seliges Selbstvertrauen
bis hin zum finalen Riss.
-
Wir tragen den Kopf gern.
Das Genick wird aber brüchig, wenn man mächtig wird.
Sehr innovative Schreibe, Sufnus.
Find ich richtig gut und vollkommen abgelöst von den goethe oder rilkeklängen.
Innovativer Expressionismus.
-
Hi Suf!
Interessante Form, alle Auftakte unbetont, nur nicht die jeweils 3. Zeile jeder Strophe.
Interessant auch der Inhalt, wo eine der derzeit gängigen Theorien über das Ende des Universums mit dem eigenen Tod gleichgesetzt wird, was ja eigentlich Sinn macht, denn für den jeweils Sterbenden endet ja das Universum damit - das eigene interne wie auch das, in dem er gelebt hat. ::)
Zuletzt bleibt es so oder so ein witziges Wortspiel mit dem englischen "RIP" = rest in peace!
Die drei derzeit aktuellen Endzeittheorien:
Big Crunch - Das Universum erreicht irgendwann eine maximale Ausdehnung und schrumpft dann wieder zu einer Singularität zusammen, die vielleicht erneut explodiert und ein neues Universum entstehen lässt, was sich in ewigem Kreislauf fortsetzt.
Big Rip - Das Universum dehnt sich immer weiter und schneller aus und hört auch nicht damit auf. Allerdings dehnt es sich bis auf die submolekulare Ebene hinunter aus, sodass irgendwann die Distanzen der Energiepartikel zu groß werden, um Atomkerne zusammenzuhalten zu können - das Universum zerreißt sozusagen von innen heraus, bis hin zu jedem einzelnen Nukleus.
Big Fading - Das Universum dehnt sich nur im Vakuum immer weiter aus, die Galaxien treiben auseinander und alle Materie verliert sich irgendwann in der unendlichen Leere.
So oder so unnötig, sich darüber sorgenvolle Gedanken zu machen - für die Menschheit in ihrer jetzigen Form ist das ohnehin unerreichbare Zukunft. Bis dahin in Milliarden Jahren sind wir ausgestorben oder haben uns zu etwas ganz anderem entwickelt, und die Erde gibt es dann schon lang nicht mehr! ::)
LG, eKy
-
Hi Ihr!
Danke für die Blumen! eKys Deutung habe ich nichts mehr hinzuzufügen - freut mich, dass Du auch das R.I.P. entschlüsselt hast, der Grund, warum ich den Titel gegen meine sonstige Art in Großbuchstaben geschrieben habe. Und der kosmologische Big Rip wäre ja meine präferierte Variante für "das Ende von allem" - wär sicher spektakulär mitzuerleben! O0
Desweiteren weckt EVs Anmerkung in mir die Laune, einmal ein ganz "klassisches" expressionistisches Gedicht mit einem Hauch Surrealismus und Sprachzertrümmerung zu verzapfen, so im Geiste des gloriosen ersten Jahrfünfts der 10er-Jahre des 20. Jh., als der Aufbruch der deutschen Literatur in die Moderne richtig Fahrt aufnahm, bevor der hoffnungsvolle Beginn in den Schlammgräben in Flandern endete.
Lg!
S.