die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: Sufnus am August 14, 2019, 10:15:13
-
Einschlafen
Die Stadt umnachtet, stetes Rauschen,
Verkehrsgesang der grünen Wellen,
ein Traumgeleite aus der Zeit.
Nur manchmal bricht ins Halbschlaflauschen
laut Straßenlärm und an den Schwellen
des Wachseins will die Wirklichkeit
noch einmal Tag und Nacht vertauschen
und mich zur Unruh einbestellen,
doch dann entgleit ich, bin befreit.
-
Hi Suf!
Schönes Reimschema: ABC - ABC - ABC
Der unvollständige Satz zum Einstieg hat mich etwas gezwiebelt. Schöner zu lesen und verständlicher wäre das mE. so:
"Die Stadt: umnachtet. Stetes Rauschen, // ..."
Ansonsten: Chapeau! Bewundernswerter Wortgebrauch, vor allem der lange Satz von S2 und 3 - großartig formuliert!
Allergernst gelesen! :)
LG, eKy
-
Ein tolles Gedicht, liefer Sufnus. Auch von mir: Chapeau!
Grüße von gummibaum
-
Vielen lieben Dank für Euer hohes Lob, eKy und Gum!
Über die erste Zeile werde ich noch etwas meditieren, das ist auf alle Fälle ein etwas gewagter Sprachgebrauch meinerseits.
Das Verb "umnachten" wird ja üblicherweise nur als Partizip II, umnachtet, gebraucht, so wie Du es auch vorschlägst, eKy : "die Stadt: umnachtet" im Sinn von: "die Stadt ist umnachtet". Das ist auf alle Fälle eingängiger. :)
Bei mir ist das Wort zwar gleichgeschrieben, aber nicht als Partizip II, sondern als Indikativ, 3. Person Singular gebraucht: "Die Stadt umnachtet" = Die Stadt verdunkelt sich... ist vielleicht wirklich etwas zu exzentrisch... ich denk wie gesagt noch ein bisschen drüber nach. :)
Liebe Grüße!
S.
-
Hi Suf!
Ich glaube nicht, dass man "umnachten" aktiv einsetzen kann. "Wir umnachten uns" - klingt unrichtig! Wäre es so deutlich geschrieben, mit klarem Bezug auf handelnde menschliche Akteure, ginge es noch als Wortspiel durch, aber mit Bezug auf ein Unbelebtes, nämlich die Stadt, wird das Ganze zu verdröselt, um noch angenehm verständlich gelesen werden zu können.
Nein, etwas kann umnachtet sein, aber nichts umnachten (vor allem eine Stadt, die im Dunkeln eher elektrisch erhellt ist - das von dir angestrebte Bild der inneren Verdunkelung funzt deshalb nicht so recht ...) - ich denke, hier wäre "erdunkelt" das bessere Wort ...
LG, eKy
-
ein Wohlgefühlgedicht, lieber Sufnus. Klangschön, formschön- einfach schön. Und ja, manchmal kann Schlaf auch Befreiung sein. LG von Agneta