die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am Oktober 07, 2019, 10:44:23
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Wir drängen hin nach bunten Sehnsuchtsbildern
aus des Begehrens willigem Archiv,
und weilen lange dort und atmen tief,
wenn unsre Träume ihre Lüste schildern.
Und kein Gewissen will die Süße mildern,
darin wir wild zerwühlen, was uns rief,
was immer schon in unsern Lenden schlief,
um in der Seele Dunkelheit zu wildern.
So manche Wünsche wachsen krumm und schief,
als wüssten sie um unser nie Gesagtes,
das unsre Alltagslarve unterlief,
als wir schon dachten, unser Ungewagtes
sei lang Bewältigtes, nicht subversiv
Enthemmtes und von alter Schuld Vertagtes.
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Ja, Erich, in den Schatten der Seele warten auf uns Abgründe der Lust, die wir geflissentlich verdecken und heimlich aufsuchen.
Chapeau!
LG g
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Hi Gum!
Ich kann natürlich nur von mir und selbst mit anderen Erlebtem ausgehen, aber ich denke, unsere so hehr vor uns her getragene "christlich-abendländische" Sexualmoral, dieser soziokulturelle Konsens, der uns so zivilisiert und bieder dastehen lässt (ganz zu schweigen von der "Gottgefälligkeit" im islamischen Wertekanon), dient in Wahrheit nur dazu, uns eine Maske aufzusetzen, die uns nicht wirklich passt.
Warum sonst gibt es so viele Seitensrpünge und Affären, Swingerclubs, Sado-Maso-Szenen, geheime Treffpunkte aller Art, wo jeder sein ganz persönliches geheimes Steckenpferd (oder seinen Pferdestecken ;)) reiten kann, verschwiegen und diskret, ohne das große Volksgewissen zu beschädigen? Und beziehen viele nicht gerade eben aus dieser Heimlichkeit noch einen ganz eigenen Lustgewinn?
Der Reiz des Verbotenen, Perversen, die totale Kontrolle oder die völlige Hingabe, das Unterwerfen oder die Unterwerfung, die Wärme und das Orgiastische mehrerer Körper zusammen, die süße Absolution verdienter Strafe, ersehnten Schmerzes usw... - vom Fußfetischisten bis zur peitschenden Domina, vom brutalen Macho bis zur willenlosen Sexsklavin: So viele Rollenspiele, so viele Gesichter der Lust, die wir uns offiziell versagen, weil sie "nur" der Befriedigung dienen (der Sinne wie auch seelischer Bedürfnisse, die wir uns selten eingestehen) und nicht der ethisch "sauberen", reinen Fortpflanzung nach göttlichem Gebot, die damit auch die gleichgeschlechtlichen Spielarten "verteufelt".
Sogar Selbstbefriedigung war über Jahrhunderte verpönt. Nicht, dass es je einer wirklich gelassen hätte - ich wette, selbst die gläubigste Nonne oder der glühenste Prediger haben da ihre "schwachen" Momente - aber die Verlogenheit religiöser Körperfeindlichkeit hat schon viele Kulturen vergiftet! Wie wächst ein Kind auf, das lernt, dass Lust, eine völlig natürliche Körperfunktion, etwas "Böses" sei, des Teufels, eine Versuchung, eine Heimsuchung, eine Sünde vor dem Allmächtigen, ein Verrat an der Gemeinschaft, in der es lebt!?
Wieviel Schuld erträgt so ein verbogenes, unnatürliches Leben? Und entstehen sog. Perversionen nicht gerade erst durch diese bigotte Eingrenzung? Oder werden sie kulturgeschichtlich erst zu Perversem, weil es jedem von klein auf so eingredet wird?
Wie kam es überhaupt dazu, sich der Lust und der Freiheit ihrer Ausübung an sich entziehen zu wollen? Ganz einfach: Früher waren Geschlechtskrankheiten SEHR verbreitet, und viele davon waren nicht nur lästig und/oder entstellend, sondern letztendlich tödlich, da es keine moderne Medizin gab! Und so wie der Schweinefleischverzicht der Moslems den Trichinen geschuldet war, so wanderten auch die volksgesundheitlichen Regeln bezüglich der Liebe letztlich in die Religion, in das Gemeinschaftsgedächtnis des "heiligen Buches".
Eifersucht und Besitzdenken patriarchalischer Systeme besorgte dann den Rest ...
Ich führe natürlich nicht der völlig regellosen Auslebung das Wort - es funktioniert nur, so lang alle Beteiligten ihre Rollen aus freien Stücken spielen, weil es das ist, woraus sie die größte Erfüllung schöpfen! Wer sich anderen, die naiv oder hilflos sind, mit Manipulation, Erpressung oder nackter Gewalt aufzwingt, ist zurecht zu verdammen! Aber nur dieser! Alles andere, all die Gebote und Verbote, all die Gesetze und Strafen, all die Verachtung und Herablassung, womit wir uns über Jahrtausende so grausam selbst beschnitten haben, ja kastriert geradezu, sind die wahre Perversion unseres Geistes, der Tabus erfindet, um eine Gemeinschaft zu definieren und einander in Verzicht und Buße, Selbstgeißelung und Kasteiung zu verschwören! Wo das "nicht dürfen, weil es böse ist" für alle gilt, schweißt es enorm zusammen, und jener, welcher sich nicht daran hält, bekommt den ganzen Hass derer ab, die willig - aber unter größtem Leidensdruck - "stark" bleiben und lebenslang verzichten. Dann kann man wieder ein "gefallenes Mädchen" aus dem Dorf schweigen, einen allzu Fremden aus dem Wirtshaus prügeln, einen Scheiterhaufen errichten und die Hexe verbrennen! Ach wie simpel ist doch der menschliche Geist in all seiner Komplexität!
Vielen Dank für deinen mutigen Beitrag, lieber Gum! :)
LG, eKy
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Was du schreibst, kann ich nur unterschreiben, lieber Erich.
Gruß gummibaum