die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Oktober 10, 2019, 12:55:52
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Die Wolken ziehen weiter,
als wäre nichts dabei,
der Mensch wird nie gescheiter,
und fern verklingt sein Schrei.
Ein Kind liegt auf der Erde,
von Narren umgebracht.
Daneben weiden Pferde,
und langsam wird es Nacht.
Das Körperchen erkaltet,
der Wind geht durch das Gras,
und über allem waltet
kein Gott, der darin las.
Die Wolken ziehen weiter,
als wäre nichts dabei.
Der Mensch wird nie gescheiter,
und fern verklingt sein Schrei.
Ein Mädchen wird gesteinigt,
sie sündigte zu schwer.
Der Erde neu vereinigt
fällt schon ihr Auge leer.
Sie wollte ihren Gatten
nicht so wie ausgemacht
es ihre Väter hatten -
das hat sie umgebracht.
Die Wolken ziehen weiter,
als wäre nichts dabei.
Der Mensch wird nie gescheiter,
und fern verklingt sein Schrei.
Ein Mann stirbt für den Glauben,
reißt viele in den Tod
für täglich süße Trauben
und Huris zum Gebot.
So geistlos geht er sterben
und morden ohne Sinn,
und seiner Dummheit Erben
bestärken sich darin.
Die Wolken ziehen weiter,
und nichts war je dabei.
Der Mensch wird nie gescheiter,
und niemals ist er frei.
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Hi eKy!
Ein sträflicherweise noch umkommentiertes Gedicht, das am Beispiel des entmenschlichenden religiösen Fanatismus (in diesen Zeilen vor allem mit Blick auf die derzeitige islamistische Ausprägung desselben) die Grausamkeit und Dummheit des Menschengeschlechts als geschichtliche Konstante vorführt.
Auf eine Weise passt es natürlich auch zu der gleichfalls verbohrten Grausamkeit aus der rechten Ecke, die wir gerade heute in Deutschland wieder vor Augen geführt bekommen.
Also wichtige (und dabei natürlich wie immer bei Dir sehr gekonnte) Verse!
Wenn auch iim Hinblick auf den Inhalt nicht gerne, aber sehr aufmerksam und nachdenklich gelesen!
S.
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Hi Suf!
Vielen Dank für die Exhumierung dieses Werkes und die freundlichen Zeilen.
Wie sie erste Strophe zeigt, wollte ich die Anklage menschlicher Blöd- und Blindheit eigentlich allgemein halten, aber meine Aversion gegen Fanatismus im Besonderen hat mich wieder mal in eine bestimmte Richtung geführt. Du hast natürlich recht, die politische Verstiegenheit und Kontrollsucht sind ebenso schlimm und wachsen am selben Baum wie die glaubensverzückten Teppichküsser!
Der Gedanke der elitären Überlegenheit durch den "rechten Glauben" oder die Zugehörigkeit zur "richtigen Rasse" hat schon viele verführt und wird es weiterhin tun - von den arischen Proleten im amerikanischen Mittelwesten (was beweisen könnte, dass der Glaube an rassische Überlegenheit umso leichter verfängt, je weniger die Menschen ansonsten an Geistesgaben, Hygiene oder Kultur besitzen - aber die Theorie ist leider nicht haltbar ...) bis zu den Bombengürtelträgern des radikalen Islam!
Ob die Evolutionsleugner (wiederum Amerika, im sog. Bibelgürtel), für die das heilige Buch wortwörtlich gilt, bis hin zu den Verweigerern wissenschaftlicher Beweisbarkeit von Fakten in Afrika (Boko Haram = Der Westen lügt!) - wenn es um Religion, Gruppendruck oder Machtbereiche geht, spielen Logik und Verstand keine Rolle mehr.
Und Gruppen, vor allem totalitäre Systeme, brauchen nun mal einen eindeutig definierten Feind von außen, der alles zusammenhalt! Einen, der nicht rasch zu besiegen ist, sonst wär die Karotte an der Schnur vor dem das Fuhrwerk ziehenden Esel ja weg!
Es ist alles so jämmerlich ...
LG, eKy