die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Sufnus am Januar 17, 2020, 11:36:04

Titel: Hadern mit Wortlust
Beitrag von: Sufnus am Januar 17, 2020, 11:36:04
Hier noch etwas Älteres, leicht modifiziert, aus der Experimentalkiste... wer erkennt, welche sprachliche Formvorgabe dieser Bastelei zugrunde lag? :)

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Hadern mit Wortlust

Aber im Chor furcht Spracheinortung
alles in korundharten Findzorn:
Schuld als Grenzhirn locuststarrer
Biocunablen. Inokkult darben wir
so Hundsarmen sinnlos und hadern
mit Wort und Hand. Erst im Ordnungsgrab
des Rigors umgarnen wir solch Unrat,
den wir todwund an kein Ohr tun.

Titel: Re: Hadern mit Wortlust
Beitrag von: Agneta am Januar 19, 2020, 11:29:19
im Ordnungsgrab des Rigors... tatsächlich ein Wortgeklüft, dieses Stück, lieber Sufnus. Um die Spitze zu ersteigen, muss man sich anstrengen. Lächeln.
Ich könnte mir darunter eine Elegie vorstellen, Distichen, obwohl die Metrik dann nicht stimmt. Aber modern wird das ja heute nicht mehr so eng gesehen
Möglich wäre aber auch, und dahin würde ich eher tendieren, ein 4 faches  Epigramm, das nach alter Vorlage 3 Hebungen hat und moralische Weisheiten verbreitete.
Wie auch immer: opulent und wortgewaltig. Als Aussahe lese ich die oftmals verzweifelte und banale Suche des Menschen nach den richtigen Worten...
LG von Agneta
Titel: Re: Hadern mit Wortlust
Beitrag von: Erich Kykal am Januar 20, 2020, 22:00:34
Hi Suf!

Ehrlich? Eher Hirnwixerei eines sprachverliebten Autors auf der Suche nach literarischer Selbstbestätigung als Lyrik, so kommt mir das rüber. So nach dem Motto: Wie komplex und mit wievielen Fremdworten darin kann ich schreiben, dass der sprachakzelerierteste Leser gerade noch mitkommt!?  ;) >:D
Liest sich auch unmelodisch und sperrig - ein scharfkantiger Gerümpelhaufen semantischer Überbeanspruchung ... - der Titel ist passend gewählt.

Nö, das kannst du VIIEEEL besser!  ;) :)  - aber hier ging es ja eher um Selbstironie oder sarkastisches Hinterfragen gewisser lyrischer "Spielarten", nicht wahr? So gesehen irgendwie doch passend ...  8)

LG, eKy
Titel: Re: Hadern mit Wortlust
Beitrag von: Sufnus am Januar 21, 2020, 14:43:15
Vielen Dank, Ihr zwei Lieben, für die teilweise kongruente, teilweise gegensätzliche, Bewertung meiner Zeilen! "Wortgeklüft" und "scharfkantiger Gerümpelhaufen" gefällt mir sehr gut! :) Und ich lese heraus, dass der Text bei Euch beiden für eine gewisse Aufheiterung gesorgt hat, wenn auch bei eKy etwas durch die Sperrigkeit des Textes getrübt.
Es ist natürlich ein Spiel mit dem Wortmaterial und die Zeilen folgen dabei einer strengen formalen Regel: In dem Text darf kein Vokal unmittelbar wiederholt werden und die Vokale müssen sich stets in ihrer alphabetischen Reihenfolge abwechseln: Hadern mit Wortlust, also immer a,e,i,o,u usw. Eine schöne Übung, um einmal ausgetretene Schreibweisen zu verlassen... kann ich sehr empfehlen. :)
Titel: Re: Hadern mit Wortlust
Beitrag von: Erich Kykal am Januar 25, 2020, 11:54:28
Hi Suf!

Hättest du diese selbst gestellten Regeln oben gleich VOR dem zu lesenden Werk angegeben, der Lesegenuss wäre ein größerer gewesen ...   ;)

LG, eKy