die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Eisenvorhang am Februar 22, 2020, 20:56:33
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Nur wenn du schläfst, dann streichle ich
ein stilles Wort auf Deine Wangen,
mit meinen Fingern führ ich Dich
in mein Erinnern und Verlangen.
Das Grau fließt durch der Bäche Adern,
das Licht entflicht den Gram der Statt,
seh Laub im Winde mit sich hadern,
das Abschiednehmen hab ich satt.
Die Lilie liegt in Deinem Haar,
das einst in braunem Gold geruht,
ich sehne mich nach dem was war,
am Grab steh ich und weine Blut.
Doch Leben heißt, sich auch zu lösen
vom Auferstehn zum Niedergang;
ein wilder Fluß in dem nervösen
Erklingen eines Lebensklangs.
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Hi EV!
Einen sehr lyrischen und stimmungsvollen Bogen spannst Du da! :) Vor allem S1 schlägt einen ganz besonders elaborierten Ton an und führt ein wunderbares Bild auf!
Meine Minipunkte:
In Z1 müsste es korrekterweise "streichle" heißen. Wenn Du das klangweise wegen der Konsonantenballung nicht so magst, vielleicht alternativ "kose", "schmiege", "lege", "herze" usw.?
Und ist in S2 wirklich die Statt (= Lagerstatt?) gemeint?
In S3 ist dann das "Grab" m. E. etwas platt und beraubt die Strophe ihrer Subtilität. Alternative Vorschläge: "am Wegkreuz steh ich, weine Blut", "und schaue nachtwärts, weine Blut." "ein Stern versinkt, ich weine Blut." usw.
Zuletzt fällt noch der unreine Reime in S4 auf, -gang / -klangs, den würd ich aber auch eher so stehen lassen. Umbauarbeiten zur Herbeiführen eines reinen Reims wären hier (soweit ich das sehe) schon sehr tiefgreifend.
Auf alle Fälle sehr gerne gelesen! :)
S.
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Hi Sufnus,
erstmal vielen Dank für Deine Gedanken!
Es heißt wirklich "streichle"? Hier schlägt die Falle meines Dialekts zu (erzgebirgisch); ich wusste es nicht besser.
Gerne übernehme ich diese Korrektur, dafür bin ich sehr dankbar!
Da später das Wort "Grab" fällt, welches zwingend bleiben muss, handelt es sich also um die Grabstätte.
Wegen des letzten Reimes: Der Reimzwang beherrscht mich nicht in dem Umfang wie andere, es wird von mir immer wieder Arbeiten geben, die etwas aus der Form brechen.
Ich finde es immer schade, wenn diese "Freiheit" in Kritiken aufgenommen und zum Minuspunkt erhoben wird. Irgendwie ist die Lyrik doch mehr als Mathematik, oder?
Generell bin ich im Moment mehr dahingehend geneigt mich an freieren Rhythmen zu versuchen. :-) Da ich im Moment aber schreibblockiert bin, mache ich mir keine weiteren Gedanken über dieses Ansinnen.
Die Tyrannei der leeren Seiten saugt im Moment viel Kraft.
Hab Dank! Ich weiß es zu schätzen!
vlg
EV
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Hi!
Gerngeschehn! Freue mich schon auf die Lösung der Schreibhemmung - warum nicht auch mit Texten in freien Rhythmen oder mit schwacher oder fehlender Reimbindung? :)
Und bzgl. streichel vs. streichle hab ich sicherheitshalber gerade nochmal nachgelunzt. Korrekt ist: ich streichele oder ich streichle. Aber die Variante ich streichel - obschon im strengen Sinn nicht korrektes "Dudendeutsch" tritt recht häufig auf, gut möglich, dass diese Form bald zu einer Nebenform aufsteigt. :)
LG!
S.
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Hi EV!
S2Z2 - Ist hier am Ende die "Stadt" gemeint?
S4Z3 - Den "Fluss" schreibt man jetzt so, denke ich. (Kurzer Vokal davor)
Sehr schöne Bildkonstrukte, gut zu lesen und (im Gegensatz zu gewissen anderen Autoren ;)) auch leicht nachzuvollziehen. Man hat direkt beim Lesen sofoert das gemeinte Bild vor Augen, ohne lang überlegen zu müssen, was der Autir sagen will. Sehr gut - genauso soll Lyrik für mich funktionieren! :)
Was mir am ehesten auffällt, ist das leicht unregelmäßige Kadenzenschema der Strophen: mwmw - wmwm - mmmm - wmwm
Der Wechsel des gespiegelten Schemas ist so leider nicht exakt vollzogen. Aber das fällt wahrscheinlich nur so einem Erbsenzähler wie mir auf ... ;) :-\
Ansonsten sehr gern gelesen und bestaunt, wie gut du sprachlich georden bist! :)
LG, eKy
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Hallo Erich!
Ich meine das feminine Substantiv "Die Statt". Also der Ort/ der Platz/ die Stelle/ lokaler Punkt einer Umgebung. (Das Wort Grab fällt ja später im Gedicht)
Wegen den Kadenzen...
Die interessieren mich nur, wenn ich ein Sonett schreibe.
Denkst du, dass es ist wichtig ist, auch in anderen Formen auf Gleichheit zu achten?
Und ja, ich war fleißig Erich und werde auch weiterhin fleißig sein, wenn mich nicht gerade Schreibblockaden verfolgen!
Schön, dass du hier warst! Ich bedanke mich für Deine Zeit und Deine Gedanken.
vlg
EV