die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Eisenvorhang am M?RZ 22, 2020, 09:14:47

Titel: Die Kraft
Beitrag von: Eisenvorhang am M?RZ 22, 2020, 09:14:47
(Aus meinem Sonettenkranz Nummer 2, zur Übersicht noch Sonett #1 hinzugefügt)

I

Du suchst im Leben Stille und den Frieden,
das Glück und die Zufriedenheit im Tage,
auf Deine Fragen folgt oft nur die Klage
und von den anderen wirst Du gemieden.

Du fürchtest Liebe und den Duft der Rosen,
die häufig dir in das Bewusstsein dringen.
Doch auf der Suche nach den wahren Dingen
führt Dich der Weg durch ein diffuses Tosen.

Du siehst nicht was zu tun ist, hoffst auf Klarheit
und flüchtest Dich in Deine Illusionen,
der Zeiger springt, die Zeit vergeht, die Wahrheit

verleugnest Du und zehrst aus Regengüssen
der Einsamkeit und der Verbitterungen
die Kraft für dieses Weiterkommenmüssen.

II

Die Kraft für dieses Weiterkommenmüssen
liegt nicht im Blau des Himmels tiefer Ferne;
auch wird sie keinem folgen, nur die Sterne
erstrahlen hell aus Deinen Kümmernissen.

Befreie Dich vom Blei der vielen Lasten,
aus dem Gefilde der Erinnerungen,
erwäge Wagemut, Veränderungen,
und sei darin des Stillseins vages Tasten.

Erkunde wie ein erstes Tier das Leben
und fürchte weder Blitz noch tiefe Liebe,
und lerne reich zu nehmen wie zu geben:

und ja, es ist das Immergrün der Triebe,
den Raum des Lebens immer neu zu finden!
Es wächst die Kraft; das Zahnrad im Getriebe.
Titel: Re: Die Kraft
Beitrag von: Erich Kykal am M?RZ 22, 2020, 12:41:09
Hi EV!

Sehr schön, stringent und griffig geschrieben. Sonett I ist makellos, für Nr. II habe ich ein paar Anmerkungen:

S1Z3 - "folgen" bitte klein.

S2Z4 - "des Stillseins Stille" erscheint mir zuviel des Guten - wie doppelt gemoppelt, auch wenn ich verstehe, was du meinst. Vorschlag:
"und sei darin des Stillseins vages Tasten." oder "und bleib darin des ...".
Wenn du es unbedingt doppelt haben willst, dann so: "und bleib darin des Stillseins stilles Tasten."

S3Z1 - Ich würde sogar schreiben: "Erkunde wie das erste Tier das Leben,".
S3Z2 - Komma ans Zeilenende rücken, keins nach "Blitz".

S4Z2 - Das unbetonte "neu" erscheint in deiner Version unnatürlich. Besser: "den Raum des Lebens immer neu zu finden!" oder so, jedenfalls mit betontem "neu".
S4Z3 - Warum du hier zwischen eindeutig sinnzusammenhängenden Gliedsätzen einen Strichpunkt setzt, entgeht mir. Komma wäre angeberacht.


Sehr gern gelesen! Hier hast du dir wirklich Mühe gegeben, scheint mir. (Die letzthin publizierten längeren Vierzeilergedichte erschienen mir eher rasch hingeworfen, hatten einige Auftakt- oder Kausalfehler. Da hätte ich bei soviel Text derart viel korrigieren oder vorschlagen müssen, dass es mir zuviel Arbeit gewesen wäre, sorry ...)
Tut mir leid, wenn ich zu ehrlich bin - aber mit meinem ungeteilten Lob hierzu hoffe ich, das wieder gut gemacht zu haben!  :-\ :)

LG, eKy
Titel: Re: Die Kraft
Beitrag von: Eisenvorhang am M?RZ 22, 2020, 13:27:41
Hi Erich,

Deine Vorschläge goutieren - sehr gern habe ich sie übernommen.

Strichpunkt benutze ich, wenn etwas eng im Sinn zueinander steht, so das es sich für mich als Autor durch ein Komma nicht trennen ließe.

Es wächst die Kraft (die für das Leben notwendig ist, sie ist wie ein Zahnrad im Getriebe).

Die Vierheber sind schnell geschrieben, mich verfolgt seit einigen Monaten eine Schreibblockade, die ich einfach nicht loswerde.

Was Du mit "Auftakt- und Kausalfehler" meinst, erschließt sich mir nicht, ich habe eben überflogen und finde keine Fehler.
Weder im Metrum noch kausal. Sie sind einfach geschrieben, ja, aber in ihrer Form aber soweit stimmig wie mir scheint, weswegen mich die ausgesprochene Kritik etwas ratlos zurück lässt. Was aber vollkommen okay ist. 


Ich danke Dir!


vlg

EV