die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Martin Römer am Mai 02, 2020, 22:00:54
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Ich bin klein..... Ich komme aus dem Heer der Schlichten...... Du siehst mich schamrot......
Wenige lieben mich! Nur die Auserlesenen......
Ihr lobt mich also, wenn ich klare Worte spreche?
Die Selbstkredenzung hab ich nie so recht verstanden.
Ich weiß, das Sittliche ist nur die Oberfläche
und doch schlug mich die Wiesenkönigin in Banden.
War sie nicht wahrlich opferselig und barmherzig?
Bestand sie nicht das Heer der Feinde ohne Makel?
Was machte ihre Wegspur therapeutenkerzig?
Ihr weises Trunkenwesen bleibt mir ein Mirakel.
Ich habe ihre Zagheit nicht und nicht ihr Gleißen
zu manchem Tag, zu mancher Statt, zu manchem Hügel.
Ich Höllenwanderer darf mich ein Schicksal heißen
in Frohgemütigkeit der blauen Kinderflügel.
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Hi Martin!
Ein sehr schönes Gedicht, und ich muss nichts fragen!
Aber hat das Verfassen "klarer Worte" wirklich mit "Selbstkredenzung" zu tun (wenn ich richtig interpretiere, meinst du damit ein sich dem Öffentlichen Ausliefern, sei es aus Geltungsdrang, Naivität oder falsch verstandenem Sendungsbewusstsein)? Bringt man sich gleich zum Opfer der Leserschaft dar, wenn man verständlich schreibt?
Opfer von Missverständnissen wird man so oder so, und allem recht machen kann man es ohnehin nie. Dazu kommt die leidige Beschränktheit der Kommunikation in solchen Foren, ohne Mienenspiel und Gestik - die Smileys sind nur bescheidener Ersatz!
Ich weiß kaum, was dich so antreibt, aber ich kann von mir sagen, dass mir ein mir verständliches Gedicht (ob ich die Intention des Autors nun korrekt deute oder nicht) jederzeit wesentlich und ungleich größere Freude bereitet denn ein mystifiziertes, dessen jeder Zeile ich mühselig in knorrige bis verspielte Gedankentürme hinterhersteigen muss.
Von daher: Hab Dank für diese Zeilen!
Sehr gern gelesen! :)
LG, eKy
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Werter Wiesenfreund,
erquicklich mit jener Ruhe hier.
Nein, die Anfangszeile hat eher allgemeinen, eröffnenden Charakter.
Die von dir dann falsch ausgelegte Selbstkredenzung ist nüchtern gemeint über die Chose, dass diese Präsentation des Ichs in einer Runde immer ein Gang über eine recht wacklige Brücke ist.
Oder sei es natürlich auch nur der mehr oder weniger verschwommene Blick in den Spiegel für sich.
Ha, siehst du nicht, dass ich auf Smileys im Grunde weitgehend verzichte? Ich bin und bleibe irgendwie altmodisch.
Da haben sich im Leben schon seltsame Zustände mit ergeben - fast könnte man von einem falschen Körper sprechen....
Aber ganz generell möchte ich fast ausrufen: wo man das Mienenspiel nötig hat, verdient man auch die Opferspiele.
Über den eigentlich nicht vorhandenen Überfluss an Mystik - gar noch mit Verstandsrätselungen im Bunde - haben wir ja schon oft gesprochen.
Was mich antreibt, lässt sich wohl ebenfalls erschnüffeln.
Jetzt aus dem Stand heraus könnte dich mein Ruf über die vielen Abgründe in der Eislandschaft kaum erreichen....
Es ist erquicklich, dir Glück aufs Antlitz gelegt zu haben.
Aber - noch erquicklicher wäre es natürlich, hättest du auch die Substanz ein wenig angerührt.
Wie üblich - muss man schon fast sagen - hast du dich im Grunde nur ums Gerippe bewegt.
Das seltsame Wesen von Lady Anneliese treibt mich schon seit Jahren um.
Eine Facette von dieser "Gespaltenheit" hab ich ja schon auf den Tisch gelegt, nämlich die überschwängliche Verehrung für dich!
Immer wieder stoße ich auf die Demutsgebärden unter ihren so gedankenschweren Sängen....
Dieses gewisse Schwanken, der nur von Auserlesenen geliebte Normalbürger schlechthin, birgt durchaus noch ein paar andere Sachen im Schwanz.
Wie lässt es sich nachts über die KZ's weinen und zittern und des Tages kindlich-fröhlich sein? Und sieh, so sehr will ich in die Details eigentlich nicht gehen.
Ganz generell ist Selbstwahrnehmung, -kredenzung, -präsentation, wie man es heißen mag, ein bleibendes Thema.
An den entschwundenen Larkin hieß es mal: zwischen der Selbsterhöhung und der Selbsterniedrigung sollte die möglichst korrekte..... tjajaja!
Wohldenn, lyrisch hab ich dazu eigentlich alles aufbereitet - wenn dir dazu nicht mehr einfällt, ists unser beider Pech.
Um mich zu später Stunde an Witzigkeit zu versuchen: vielleicht bräuchte ich zur Abwechslung einmal
ein holdes Frauenzimmer.......
Von "Komplexen" bleibt wohl niemand lebenslänglich unberührt.
Nachtgrüße
M.
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Hi Martin!
Würden wir alle Zeit nur damit zubringen, über die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten zu grübeln, die von Menschen verübt werden - wir wären kaum in der Lage, überhaupt noch zu leben, geschweige denn, Lebenswertes zu schaffen.
Eine perfekte Welt wäre vielleicht gerecht, aber eben leider auch bodenlos langweilig. Wo es für den menschlichen Geist nichts mehr zu gestalten, erobern, verändern und erreichen gibt, verkümmert er, diese unfertige Larve auf dem evolutionären Weg nach Wer-weiß-wohin ...
Es ist der Fehler unserer Hybris, nebenbei auch in fast alle Religionen eingebaut (siehe: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde), anzunehmen, wir wären schon "fertig", ein Endprodukt sozusagen. Nicht mal die wissenschaftliche Erkenntnis, dass alles sich verändert, dass evolviert, was lebt, hat zum Umkehrschluss ausgereicht, dass wir selbst nichts sind, was sich als Ganzes, Vollendetes bezeichnen dürfte - weil es so etwas in Leben selbst gar nicht gibt. Weder im einzelnen noch im gesamten!
Wenn wir sterben, sind wir also nichts weiter als abgebrochene Experimente des Daseins auf dem Weg zu etwas, das vielleicht einmal zu ausreichender geistiger und physikalischer Durchdringung fähig sein wird, um sich von den Gesetzen der Materie - und damit des Todes - zu lösen. Bis dahin aber bleiben wir abgestreifte Larvenhäute auf dem Weg zum Schmetterling. Etwas, das wir vielleicht sogar nie erreichen - und das Universum hätte dennoch nichts falsch gemacht. Viele Raupen werden eben auch gefressen ...
Wir sind per definitionem also gar nicht fähig, unsere Umwelt wie uns selbst ausreichend zu stabilisieren, um eine perfekte Welt zu schaffen oder zu ertragen! Warum also uns dies ständig vorwerfen? Wozu diese verzweifelte Sinnsuche, die niemals eine befriedigende Lösung finden KANN? Wir suchen uns eine Beschäftigung, die unsere Leben füllt, aber letztendlich sind wir nur Genbehälter, die eine Entwicklung betreiben und in Gang halten, und nach deren Weitergabe im Grunde überflüssig. Wir messen uns Bedeutung darüber hinaus bei und sprechen uns das Recht zu, Welt zu gestalten, um allein von dieser für uns traurigen Tatsache abzulenken: wir sind Dombauer, aber die fertige Kirche - wenn sie denn je fertig wird und nicht ein Erdbeben, Feuer oder Krieg dies vereiteln - werden wir niemals sehen!
Mein Schluss: Natürlich bin ich traurig und verärgert über all die sinnlosen Opfer unserer Auswüchse - aber ich kann mich auch davon abgrenzen, und das ist gut so. Ich habe mir selbst das Recht zugesprochen, Glück dafür empfinden zu dürfen, dass ich lebe und es mir gut - oder auch besser als anderen, die weniger Glück hatten - geht, ohne darob ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Ich lade mir gewiss nicht alles Leid dieser unfertigen Welt auf, nur weil ich fähig bin, es zu begreifen. Das hieße, selbst auf alles Glück zu verzichten. Soviel Alrtuismus schafft keiner - und ich denke, selbst einem Jesus wurde er hinterher angedichtet!
Dein Lamento über die schlechte Welt ist sicher nachvollziehbar - aber sich ständig NUR darauf zu versteifen und darin herumzurühren, führt zu nichts, außer dass es uns selbst schlechter geht. Jene, die es erreichen und bekehren soll, lesen derlei nicht mal, und wenn, wenden sie sich irgendwann einfach ab, die meisten nicht mal mit einem Ansatz von Beschämung, und die meisten anderen begreifen nicht einmal, dass sie selbst gemeint waren.
Genauso wie wir "gelernt" haben, dass uns die unsäglich schrecklichen täglichen TV-Nachrichten aus aller Welt im Grunde nicht (mehr) berühren: wir blenden einfach aus, was wir nicht hören wollen, was uns zwänge, den eigenen saturierten Hintern zu heben und tätig zu werden.
Nicht, weil wir so herzlos wären - nein, weil wir das volle Erfassen all unserer geistigen wie moralischen Unzulänglichkeit nicht ertrügen! Wir WOLLEN glücklich sein können ...
Ab und an kritisiere ich selbst also in Gedichten, was mir zu tadeln scheint, allerdings wohlwissend, dass ich es mir im Grunde nur selbst von der Seele schreibe, um es ertragen, bewältigen zu können. Bei Lesern nachhaltig damit etwas zu erreichen, wäre ein unverhoffter Bonus, aber ich versteige mich nicht in die Arroganz der Behauptung, dies wäre meine primäre Intention gewesen! Als Gutmensch oder Philanthrop habe ich mich wirklich nie gesehen - und leider die Erfahrung gemacht, dass viele, die diese Rolle nachhaltig nach außen tragen, damit nur manipulieren oder eigene Defizite kaschieren wollen - wie ein Priester, der sich besonders aufopfernd um seine Gemeinde kümmert, um davon abzulenken, dass er heimlich seine Ministranten vögelt.
Was bleibt uns also übrig in so einer unperfekten, ungerechten, unfertigen Welt? Verzweifeln an ihren Dünkeln und Gemeinheiten, dem sinnlosen Schlachten und Bereichern im Namen austauschbarer Ideologien und Götter, oder aus reiner Egomanie oder Soziopathie?
Nein - ich habe in dieser Welt letztlich nur das Recht, das ich selbst mir zuspreche, die Bedeutung, die ich selbst mir verleihe, so lange ich unreif genug bin, Bedeutung zu brauchen. Mich für andere aufzureiben oder an deren Leid zu verzweifeln - was brächte es? Sich die ganze Welt aufzuladen, um vor sich selbst bestehen zu können - wer sich sowas antut, will büßen.
Wofür büßt du?
LG, eKy
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Werter Wiesenfreund,
erquickt gewahre ich die aufgetaute Hingabe, auch wenn wir den vollkommen flüssigen Dialog sicher noch nicht gefunden haben.
Erquicklich auch, von diesem Schöpferdenken zu lesen: etwas jenseits aller Abstraktionen und wohl eine rechtschaffene Weltanschauung.
Wenn man sich für eine gewisse moralische Essenz daraus entscheidet und das Unheil kommt - ein trauriges Desaster.
Hast du da etwas erlauscht?
Die "Beschwingtheit im Sinnlosen" war mir letzte Nacht zugegen, aber ich habe sie - glaube ich - nicht hingeschrieben.
Man will nicht immer so eingebildet erscheinen!....
Die faustische Sehnsucht ist gewisserweise der erste Schritt. Dann die Seele stückchenweise loszulassen.....
Aber schließlich? So eine Liebe nonchalant ist mir nicht möglich und Glück, was ist schon Glück?
Doch sicher andere Verhältnisse als Blümchen in einem Trümmerfeld für das Allgemeine und Krüppelchen für das Persönliche.
Du wirst akzeptieren müssen, wenn ich der närrischen Glücklichkeit, wo der Mensch sich wild erhebt, nicht so viel abgewinnen kann.
Er soll sich still erheben mit einem feineren Gemüt - kultiviert nun einmal.
Wenn die innere Einfachheit gestört wird, ist das von großem Übel.
Alles in allem könnte man mich als sehnsüchtig und in den Spiegel schauend beschreiben und seit Jahren herrschen Zerstörung, Sadistenschweine und bleierne Einsamkeit.
Na ja, morgen ja vorbei.
Aber Unrecht und Gewalt in der Wirkung für die Person selbst lässt du ja ziemlich außen vor.
Wenn du ein Bild vom gedanklichen Zentrum haben willst: außer gelegentlichen Nymphenträumen läuft bei dem wildbedrängten Klosterjungen nicht viel.....
Wahrscheinlich liegt da der Punkt, wo du etwas zu draufgängerisch den Weltschmerz in den Mittelpunkt rückst - unter einem verlorenen Kindchen kann man sich wenig vorstellen.
Auch glaube ich eher nicht, dass die Causa der halkyonischen Sturmbraut mit deinen Worten erschöpfend behandelt ist.
Ich habe nachgedacht und bin zum Schluss gekommen: nein, zu den halben Sachen hab ich weiter keine seelische Regung.
Im Menschlichen geht man sich aus dem Weg oder man teilt das gleiche unspektakuläre Rhythmusgefühl.
Wohl verlorene Liebesmüh, diese Sache vom Glück in Bedrängnis, Glück unter Tränen, Sinnhafte für den Tag, Sinnhafte unter einem Joch usw einem Stupiden beizubringen.
Manches Temperament ergeht sich in Bemühungen, manches im Sammeln und Schauen.
Und schaut man immer nur Elend mit dem gleichzeitigen Wunsch nach dem Insichruhenden, kommt man in schlimmes Fahrwasser hinein.
Das Geistlein würde wohl spöttisch anmerken: Elend kommt von Elende, also die Fremde. Und wenn du immer nur Elende hast......
Aber hat es nicht sogar über mich letztens dieses Mysteriöse, über das wir eigentlich sprechen wollten, festgestellt: selbst im Schauderleben noch wohl kreisförmiger als andere zu sein ...?
Ich habe mich das auch schon gefragt - lautlos im einsamen Walde! -, ob ich ein Leben lang röcheln werde, also jahrzehntelanges Leiden und sonst nichts.
Und doch musst du konstatieren, dass ich das rein Subjektive eigentlich kaum zur Debatte bringe.
Soll man ein menschenwürdiges Gelände herzaubern? Soll man Narrenspiele des Schicksals wegzaubern? ließe es sich noch entgegnen.
Was mich umtreibt...? Bei so einem Geist jenseits des ernsten und verwinkelten Abschaums haben es die Detektive schwer....
Lady Anneliese hatte ihre Leidenschaft auch nicht immer im Grünen und Hellen und da wiederholen wir uns dann.
Im Übrigen ist der Rahmen, jetzt endlich den Mercedes zu rauben, gewisse Fälle einzukassieren und ins Ungewisse zu fahren.
Eine Buße von fünfzig Jahren in einer Forensik wird es kaum geben, also kann die ganze Geistmarterei ohnehin bald zu Ende sein.
Das nur in Parenthese für den Gedankenaustausch zur gebrochenen Seele.
Sicher macht der zugeschnürte Atem auch einen gehörigen Teil vom Schmerz aus.
Ich sagte früher wohl: o Annelieselein,
wie könntest, Weise du, denn jemals traurig sein?
Und nun bin ich selbst so in Bedrängnis geraten aus lauter unschönen Sachen, tja.
Was solls.
Ich hoffe, hin und wieder dein Gemüt gestreift, also hier und da "sinnvoll" geantwortet zu haben.
Herzliche Nachtgrüße
vom armen Geschöpf