die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Eisenvorhang am Mai 17, 2020, 23:16:06

Titel: Ich bin was ich gewesen war
Beitrag von: Eisenvorhang am Mai 17, 2020, 23:16:06
Aus dem Fundus

Ich bin, was ich gewesen war,
ein Abbild meiner Jugendzeit,
die Farbe ging aus meinem Haar
als Laubblatt einer Ehrlichkeit.
Zu leben, dies ist sonderbar
und seltsam, wie sich alles tut
und fügt, denn wäre es mitnichten
normal, ja, wäre es dann gut?

Ich bin wie eine Trauerweide.
Ein Baum in Grün am Ufersaum.
Durch Zufall trag ich schöne Seide,
doch wag ich es, zu trauern kaum.
Dann kommt ein erster Mensch, sagt Namen
und sagt, ich müsse dies und das,
und spricht viel über Glück und Dramen,
die Götter aus zerbrochnen Glas.

Was manche über Liebe sagen
ist doch nichts anderes als ich;
ein Bäumlein, dessen Zweige ragen,
und blühten sie, dann nur für dich.
Es ist die stille Zärtlichkeit
des Sterns in einer Nacht, der sich
als Übermacht im Raum begreift
und reift und reift und reift.

Ich bin, was ich geworden bin,
und werde, was ich werden muss.
Titel: Re: Ich bin was ich gewesen war
Beitrag von: Agneta am Mai 18, 2020, 19:34:53
das gefällt mir sehr gut, lieber EV. Was wir werden, ist vorbestimmt, wenn wir dem Weg folgen, der leicht ist. Kommen wir aus unwirtlicher Jugend, aus Armut, müssen wir kämpfen, um die Seide zu erreichen. Von nichts kommt nichts.
Ich denke immer, dass wir eine Wahl haben, manchmal aber auch durch unsren Charakter einige Dinge ausgeschlossen sind, wenn wir uns nicht verbiegen wollen.
Schön gereimt. LG von Agneta
Titel: Re: Ich bin was ich gewesen war
Beitrag von: Eisenvorhang am Mai 19, 2020, 11:10:49
Huhu Agneta!

Das hast du schön zusammengefasst. Auch obliegt in der Sache eine vergleichende Betrachtung der Dinge: Einerseits sind wir das, was wir sind, ganz unverbogen objektiviert und andererseits geben wir den Dingen aus Prägung und Erfahrung heraus eine Bedeutung und Bewertung. Die Dinge, die uns umgeben, die sind, was sie sind. Das alles haben wir gemeinsam. Wir der Wandel durch uns geht, geht er auch durch alles andere und da ist es unnötig die Dinge zu bewerten. Irgendwie ist alles ein Fluss, ein sich-verändern, aber nie ein gänzlich entschwinden.

Wir werden in Unschuld geboren und werden in Schuld in die Normalität erzogen.
Ein Menschengemachtes Leben.

Ich danke Dir für Deinen Kommentar.

vlg

EV