die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Sprüche, Gedanken, Gescheites => Thema gestartet von: AlteLyrikerin am Mai 27, 2020, 17:07:52
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Ungefragt und blutig ausgepresst ins „werde“,
genetisch vorbestimmt, sozial markiert,
ein Tier, das selbst sich inszeniert,
von Geist und Willen inspiriert,
ist unterwegs – zum Staub der Erde.
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Hi AL!
Fünf Zeilen, die Sinn und Existenz des Menschen auf kleinstmöglichen Raum reduzieren und zusammenfassen. Höchst gelungen, für gläubige Sinnromantiker provokativ und dabei doch ganz ohne Lamento!
Aus Betonungsgründen (das "sich" möchte unbetont bleiben) würde ich in Z3 zu einer leichten Inversion greifen: "ein Tier, das selbst sich inzeniert,".
Ich persönlich habe mit der Sinnlosigkeit meiner Existenz, die von allen Religionen ja vehement bestritten wird, keinerlei Problem - im Gegenteil! Eine "sinngemäße" Verpflichtung würde mich knechten und unfrei machen, mich auf Wege zwingen, die ich nicht denken und beschreiten will. Ich glaube nämlich durchaus daran, dass man eigenverantwortlich ein grundmoralisch gerechtes Leben führen kann, ohne dass die Gebote sozialen Miteinanders von einer Gottheit verordnet zu werden hätten.
Auch mit der Selbstidentifikation als "denkendes Tier" habe ich keine Probleme - ich denke, dass wir genau das sind, und dass uns das keineswegs mindert. An die diffuse Existenz einer Seele glaube ich ohnedies nicht. Dass wir enden müssen, ist ein Fakt, für eine Evolution notwendig - der Gedanke daran schreckt mich nicht. Die Angst vor Tod und Ende ist nur davor von Belang ...
Sehr gern gelesen! :)
LG, eKy
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Hi Erich,
für gläubige Sinnromantiker provokativ
schreibst Du. Ja, diese komprimierte Sicht auf unsere Existenz widerspricht meiner eigenen religiösen Sicht auf das Leben. Mit dieser Sicht konfrontiere ich mich selbst, denn sie könnte die letztlich wahre sein. Dann wäre Gott eine Erfindung unseres Geistes um dieser Wahrheit auszuweichen. Letztlich denke ich, dass es nicht so ist. Sollte ich mich irren, dann ist die Folge dieses Irrtums, dass ich mich festlegen ließ auf das Gebot Gott zu lieben, dass sich nur so leben lässt durch den Versuch den nächsten zu lieben wie sich selbst. Mit diesem "Irrtum" lasse ich mich gern begraben.
Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
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Hi AL!
Mit dieser Art achselzuckener Selbstversonnenheit bei Gläubigen kann ich gut leben. ;)
LG, eKy
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Ups, jetzt habe ich ganz vergessen für die metrische Verbesserung zu danken, die ich inzwischen übernommen habe.
Dankeschön, Erich, von der zerknirschten AltenLyrikerin.