die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: Erich Kykal am Juli 30, 2020, 10:56:52
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Was heiligt deine blassen Blicke,
wenn dich die letzten Jahre finden?
Berührtest ach, soviel Geschicke,
und wolltest keines an dich binden.
An wieviel wunden Weltenbrüsten
darf deine Wollust wohl noch saugen?
Bis hin nach welchen Traumgelüsten
mag deine Endlichkeit noch taugen?
Wer trägt die letzten Sehnsuchtslieder
ins eigene darum Bemühen?
Wo lässt sich deine Seele nieder,
um sich verlebend auszuglühen?
Halt ein, du findest keine Stelle,
darein sich deine Bilder tragen!
Der Welle folgt nur eine Welle,
und jede bricht, sich zu entsagen.
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Hi Erich,
Welch trübe Gedanken geschätzter Dichterfreund? Die Metapher Welle ist gut gewählt, nur das Entsagen nicht, weil die Welle sich selbst neu gebiert, ist also Zukunft und Vergangenheit zugleich. Ist das nicht tröstlich?
Das Schicksalhadern ist eine brotlose Kunst, denn es wird wohl seine Richtigkeit haben, wenn nichts bindet, weil "es" sich niemals binden wollte. So don t cry about spilt milk.
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Es stimmt mich nicht freudig dir als praktizierenden Atheisten zu sagen, es ist dennoch Hoffnung gegeben. Denke bitte an Julius Robert von Mayer, mische eine Prise Schöngeist dazu und genieße in langsamen Zügen.
Gruß vom Hans
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Hi Hans!
Lieb, dass du dich sorgst, aber kein Anlass: Mit dieser Lebenseinstellung gehe ich eigentlich schon jahrzehntelang durch meine Jahre.
Zum Teil sind solche Gedichte auch eine Art "Seelenhygiene": Indem ich mir die Traurigkeit von der Seele schreibe, reinige ich sozusagen mein Inneres, entschlage mich der depressiven Momente.
Und dass wir letztlich, wenn wir weit genug weiterdenken, keine Spuren hinterlassen, sollte klar sein. Wir enden, und was wir sind, ist nur davor von Belang, und von Bedeutung letztlich nur für uns selbst. Das muss nichts Schlechtes sein - wie gesagt, mein Universum kommt ohne Gottgestalt oder "höheren Plan" aus, mit dem ich dem eigenen Sein Bedeutung verleihen müsste. Das überlasse ich gern jenen, die dessen bedürfen.
LG, eKy
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Lieber Erich,
ein Thema, das traurig stimmt, weil das menschliche Leben so sehr auf Bedeutung aus ist. Mit erlesenen Worten in Fragen entwickelt und mit einer ernüchternden Anwort und einem einpräsamen Naturbild abgeschossen. Klasse!
Sehr gern gelesen.
Herzliche Grüße von gummibaum
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Hi Gum!
Sicher, das Gedicht fragt auch nach unserem Bedeutungsdrang, aber es geht auch um Lebensgier: Immer neue "Weltentitten", selbst wenn die eigene Endlichkeit einem schon klar vor Augen steht - oder ebendarum!
Vielen Dank für das Lob zur Sprachfindung und Inhaltsentwicklung! :)
LG, eKy
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lieber erich,
das klingt traurig - aber auch wunderschön!
bedonders berührend finde ich die beiden schlusszeilen. die nacheinander verebbenden wellen haben etwas wehmütiges, aber auch etwas unendlich zärtliches an sich.....
bildgewaltig eingebundene wehmut!
larin
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Hi larin!
Ja, in Würde und Demut zu altern, bringen nicht alle fertig. Sogar der olle Goethe dachte, er könnte sich, hochbejahrt aber lüstern wie je, noch ein blutjunges Ding beischaffen. Funktionierte nicht - zum Glück. ;D 8)
Und manche glauben, wenn sie ihren Namen in der Geschichte verankern, wäre dies eine würdige "Unsterblichkeit". Illusion für Bedürftige ...
Nein, letztlich zählt nur das Leben selbst, und auch das nur, solang es existiert. Wir sind letztendlich nur Träger und Überträger - und nicht mal damit kommen die meisten zurecht! ::) :o
LG, eKy