die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Zwischen Rosen und Romantik => Thema gestartet von: gummibaum am Oktober 01, 2020, 17:00:31
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Tanz war das, was uns vereinte,
und wir tanzten so als Paar,
dass, wer zusah, leise weinte,
weil sein Herz sich ihm entsteinte,
und er nicht mehr traurig war.
Magisch konnten wir uns binden
und verwachsen wie im Traum,
einig schweben, frei uns winden,
losgelöst einander finden.
Jeder Schritt beschwor den Raum.
Aber plötzlich kein Erbarmen,
liebtest du mich allzu sehr,
starbst daran mit einem warmen
Blick beim Tanz in meinen Armen,
und ich tanzte niemals mehr…
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Hi Gum!
Eine wunderschöne Hommage an die Kunst und Lust des Tanzes! Aber es wäre nicht unser Gum, wenn es zuletzt nicht doch irgendwo und irgendwie noch schräg abbiegen würde! ;D
Die letzte Strophe hinterlässt den Leser zwiegespalten - sie hat etwas Tragisches wie auch (auf seltsam verdrehte Weise) etwas Komisches, etwas Ernstes wie etwas (allzu dick aufgetragen) Slapstickhaftes ... - Man weiß nicht genau, wie man dazu stehen soll. Aber vielleicht war ja genau das die Intention des Autors ...
Kann natürlich sein, dass alles bierernst gemeint ist, aber für den Leser stellt sich diese so plötzlich und quasi übergangslos ins Tragische spielende letzte Strophe doch irgendwie ein wenig wie gewollt schräg dar. So zumindest mein Gefühl beim Lesen ...
Sprachlich auf höchstem Niveau, wundervoll lyrische Wort- und Satzfindung, melodischer Klang, angenehm gehobener Satzbau. Man kann nur loben! Chapeau zu diesem superben Stückchen Oberligalyrik! :)
Allergernst gelesen! :)
LG, eKy
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Lieber Erich,
wieder ein prompter und toller Kommentar von dir. Vielen Dank.
Der Text könnte das Schöne weiter ausbauen oder die Wende langsamer vollziehen. Dann wären die Gefühle des Lesers nicht zwiespältig.
Beste Grüße von gummibaum
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wow gummibaum,
da hast du aber das tänzelnde gekonnt eingefangen! geradezu schwebend. chapeau!
also im unterschied zu erich lese ich da keinen
bruch in dem gedicht(bis auf die leerzeile - absicht? wozu?), im gegenteil:
ich sehe da zwei, die tänzerisch und fast rauschhaft immer mehr mit einander verschmelzen, bis aus dem sog der verschmelzung ein sog der umklammerung wird!
krach! bumm! abrupt endet der traum. so schnell kanns gehen, wenn sich zwei zu nahe kommen....
tja. in der liebe wie im straßenverkehr sollte man doch gewisse sicherheitsabstände einhalten. 😊
dass das ganze gleich tödlich ausging, dürfte wohl auch ein bissl spass an der übertreibung
gewesen sein, 😉
Lg, larin
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Liebe larin,
vielen Dank für dein Lob und die gute Deutung der tragischen Entwicklung. Ich freue mich sehr.
Wünsche die alles Gute.
gummibaum
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Lieber gummibaum,
ja, Übertreibungen in der Liebe, enden stets tödlich, immer für die Liebe, manchmal für die Menschen. Dass Du diese Weisheit mit der Metapher des Tanzens verknüpft hast, finde ich genial. Denn der Tanz ist ja das Leichte, das nur so schwebend und berückend erscheinen kann, wenn meisterlich Geübte am Werk sind.
Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.
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Danke, liebe AlteLyrikerin.
Dein schönes Lob freut und ehrt mich.
Wünsche dir alles Gute.
Viele Grüße von gummibaum
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ich schließe mich den Betrachtungen von larin an. Traumhaft schönes Werk, lieber Gum.
LG von Agneta
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Danke, liebe Agneta.
Grüße von gummibaum