die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Erich Kykal am August 02, 2021, 10:42:00

Titel: Wolkengleichnis
Beitrag von: Erich Kykal am August 02, 2021, 10:42:00
Die tiefen Wolken strecken weiße Fetzenfinger
nach unten in die Waldfrisur der grünen Kuppen.
Nach oben wälzen sie einander hin wie Ringer,
nach unten hängen sie wie unbespielte Puppen.

Es scheint, als wollten zärtlich sie die Erde haschen,
als suchten sie nach Halt im irdisch Unbewegten,
nach einem Ruhepunkt vom eilenden und raschen
Vermischen miteinander im daran Erregten.

Getriebene und Treibende, die sich verlieren
in knisternd atmosphärisch aufgeheizten Spielen.
Erhitzt Geballte und Gezerrte, die in Schlieren
ins Feste endlich fassen möchten wie nach Zielen.

Die Erde hält sie nie, und ihre Nebel gleiten
am Festen ab wie Geister, ewig Heimatlose
im Spiel der Winde, die sie weiterwandelnd reiten,
darin vergehend wie der Blütenduft der Rose.
Titel: Re: Wolkengleichnis
Beitrag von: gummibaum am August 14, 2021, 15:34:30
Lieber Erich,

in Wolkenbewegungen finden wir unsere eigene Ruhelosigkeit wieder, die befreiend und elektrisierend, aber auch haltlos und fremdbestimmt wirkt. All das kommt hier sehr anschaulich zur Sprache.

Mit Freude gelesen und mitgefühlt.

Beste Grüße von gummibaum

Titel: Re: Wolkengleichnis
Beitrag von: Erich Kykal am August 14, 2021, 22:15:05
Hi Gum!

Vielen Dank, das du dich meiner "Stiefkinder" erbarmst!  :) Keine Ahnung, woran es liegt, dass manche Werke einfach unkommentiert im Archiv versinken - obwohl ich mitbekommen habe, dass manche User sie zuzeiten gelesen haben.

Wolkengedichte habe ich schon einige geschrieben, weil mich ihre Vielfältigkeit und der Formenreichtum, sowie die möglichen Gleichnisse faszinieren.

LG, eKy