die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Sufnus am November 12, 2022, 11:33:02
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Bennvergiftung
Dämmergrund der Weltentahnung,
schon vergessenheitsgeschmückt:
Seelenfunkeln, leere Bahnung,
Herzensheere ziehn gebückt
durch die Pforte in das Schweigen,
nachtgeboren, nachtbefreit,
und der ferne Lebensreigen
bleibt gebunden an die Zeit.
Und der Stunden schwache Formen
gehn nur Kinder etwas an.
Glücksaufgaben, Märchen, Normen,
Ichprojekt im Diesseitsbann.
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Lieber Sufnus,
ist oder war der Pastorensohn Gottfried Benn ein Gift?
Ich kenne den Dichter und seine Wirkung zu wenig, um hier gut kommentieren zu können. Die dunklen Worte darin scheinen Benns Dichtung entnommen oder nachempfunden zu sein. Sie haben sich vielleicht wie Gift in die Herzen von Menschen eingeschlichen, die an einer Zeit, wo christlicher Glaube nicht mehr verbrämte, tröstete und stärkte, die Welt nackt dastand, sehr gelitten haben. Eine Zeit, die Untergangsstimmung aufkommen ließ, absolute Haltlosigkeit, wo faschistische und kommunistische Ideologie neues Heil versprachen und doppeltes Unheil brachten.
Angeregt gelesen.
Grüße von gummibaum
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Hi Suf!
Dein Werk ist um einiges besser als alles, was ich je von Benn gelesen habe. Was mich bei dem am meisten geärgert hat, war neben seinen verklausulierten Schwurbeleien vor allem seine manirierte Auffassung von lyrischen Rechtschreibregeln.
Ich habe mir vor etlichen Jahren sein lyrisches Gesamtwerk gekauft und genau einmal gelesen. Das hat dann auch gereicht.
Dies hier hingegen habe ich mit Genuss gelesen! ;) :)
LG, eKy
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Hallo Sufnus,
der Titel kann eine Kritik sein, erinnert aber in seinem Ton an Benn. Man kann von einem Dichter infiziert werden, natürlich auch vergiftet... Dann würde man in dessen Fußstapfen treten.
Alles offen... Anregend...
Dir einen schönen Abend!
Rocco