die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Sufnus am Januar 11, 2023, 14:40:05
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Astern
Poetporträt. John Doe als junger Mann
im Heidepark (wenn Lyrik sich vollzieht)
geht etwa so: Er spricht das Spätjahr an
schön sinnbesonnt und im Floralgemüt
wird lässig aufgeblättert (Gajaskript).
Dann: Säuberlich die Astern hingeblüht
(bevor beim Publikum die Stimmung kippt),
dazu markiert der Typ den Herbstversteher:
Natur in reine Nostalgie gestippt.
Nun denn, wie mundets? Also ehrlich, eher
durchwühle ich tagein, tagaus Kompost!
Der Asternmist hier taugt fürn Rasenmäher.
So'n Herbstbedichter ist doch einfach lost,
im Kopfstand gibt der einen Blümchenspäher.
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Hi Suf!
Rilke hat wunderschöne Park- und Gartengedichte geschrieben. Wage es bloß nie, diese durch den Kakao zu ziehen! :P ;)
John Dee sagt mir als Dichtername nichts, aber so wie du ihn beschreibst, muss das auch nicht sein. Woher all das Gift wider einen Blümchendichter von einem, der sich doch sonst allen Formen gegenüber so aufgeschlossen giibt?
Dennoch: Gut geschrieben und süffig zu lesen. Einzig der reimbedingte Anglizismus ließ mich leicht zusammenzucken, der wirkt in dieser Form doch recht bemüht.
LG, eKy
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Hey eKy!
Oh schön, Du hast Dir die Astern vorgenommen! :) Was den Inhalt dieser Verse angeht, distanziert sich der Autor ausdrücklich vom präpotenten lyrischen Ich, dass offenbar ein Problem mit der Natur als lyrischem Gegenstand hat (ich hab das natürlich nicht!). Dabei ist der adressierte John Doe einfach ein dichtender Irgendwer, ein Verwandter von Max Mustermann.
Das ganze ist eine durchaus vergnüglich gemeintes Sprachspielerei und die äußerliche Polemik wurde nur aus Lust an der Maskerade aufgesetzt, ein Schaf im Wolfspelz.
LG!
S.
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Hi, Suf!
Ich dachte mir sowas in der Art, aber bei dir kann - oder sollte - man sich nie ganz sicher sein, ehe man nicht nachgefragt hat. Ich meine das nicht im negativen Sinne! ;) :D
LG, eKy
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Wieder ein Sonett im Kopfstand, lieber Sufnus.
„John Doe“ sagt mir nichts.
Er scheint als Dichter die Nostalgie in Herbstbildern auszudrücken. Das lyrische Ich aber zieht philisterhaft den Gartenkompost den metaphorischen Astern des Dichters aus dem Park vor.
Gern gelesen, dein Experiment.
LG g
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Hi Gum!
'John Doe', zu deutsch Johann Taube, ist das englische Pendant zum deutschen 'Max Mustermann'. Früher wurden unidentifzierte Leichen in England und den Staaten unter diesem Namen beerdigt, da die Taube (mit dem Ölzweig) den Heiligen Geist repräsentiert, was immer der auch genau sein soll, während 'John' für 'John the Revelator' steht: den Evangelisten Johannes. So dichtete man den unbekannten Toten das Chritentum an, um sie würdig bestatten zu können - naja, so einigermaßen ...
Ich wusste das, habe aber zu spät geschaltet, da ich ursprünglich 'John Dee' gelesen hatte. Da hatte ich - wie du - an einen Dichter gedacht.
LG, eKy
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Danke, lieber Erich.
Lieber Sufnus, ich hatte deine Erklärungen leider nicht gelesen. Sorry.
LG g