die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Wo Enzian und Freiheit ist => Thema gestartet von: gummibaum am September 04, 2023, 12:54:18
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Mitunter ist das Glück so nah,
dass man im Unglück tappt.
Dann war sein langer Schatten da,
bevor es nach uns schnappt.
Doch plötzlich fühlen wir den Biss
und sind ihm einverleibt,
so dass von seinem Schattenriss
auf uns nichts übrigbleibt.
Schon schwimmen wir in seinem Blut
und fühlen uns zu Haus,
ja mehr noch, warm und leicht und gut -
dann scheidet es uns aus.
Und wieder macht der Schatten bang,
bis sich das Glück verläuft,
das Leben mit normalem Gang
die Tage auf uns häuft …
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Hi Gum!
S1 ist leider so formuliert, dass sinngemäß nicht exakt nachvollziehbar daraus hervorgeht, ob nun das Glück oder das Unglück mit Schatten und Biss gemeint ist.
S3Z3 lässt mich vermuten, dass das Glück gemeint war, während mich S4Z2 verwirrt. War es doch anders gemeint?
Gern gelesen! :)
LG, eKy
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Danke, lieber Erich. Ja, das ist unklar. Wie meine ich es?
Das Glück hat einen langen Schatten, dieser Schatten ist das Unglück. Glück und Unglück werden also fest miteinander verbunden. Warum? Weil Glück oft die Rettung aus dem Unglück ist, und das Unglück direkt nach Verlust des Glücks am intensivsten ist.
LG g
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Hi Gum!
Danke für die Erläuterung. Diese Verbindung von Glück und Unglück per Schatten geht wie gesagt leider aus der Phrasierung nicht klar hervor, der folgende Text bleibt daher ohne diese Erklärung kryptisch bis verwirrend. Verbindet man, was naheliegt, Glück mit Licht und Unglück mit Dunkelheit, so kann es nicht das Glück, die Lichtquelle selbst sein, das einen Schatten wirft, sondern bestenfalls etwas, das vom Glück beleuchtet wurd, kann das. Daher funzt für mich als Denker auf naturwissenschaftlicher Basis auch der Schattenkonnex nicht so recht.
Wie auch immer, das ist wahrscheinlich wieder mal mein Problem ... ::)
LG, eKy
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Hi gum!
Für mich erschließt sich in Deinen mit Paradoxien spielenden Zeilen ein tiefer und lebenskluger Sinn - es ist ein bisschen wie das Gleichnis eines Zenlehrers, der die Verwirrung als Mittel der Erkenntnisstiftung nutzt. Ganz besonders schön ist, finde ich des mythische Spiel mit dem Verschlucktwerden und der Wiedergeburt... ich krieg das immer durcheinander... entweder sind doch bei den ollen Griechen die Geschwister von Kronos von Uranos verschluckt worden oder die Geschwister von Zeus von Kronos... auf alle Fälle war das irgendwie eine dysfunktionale Familie, aber am Schluss sind die Einverleibten Götter in Spe ja dann durch einen operativen Eingriff (vermutlich nicht minimal-invasiv) auf die Welt gebracht worden. Daran musste ich bei Deiner Verschluckt- und dann per Kaiserschnitt wieder Zur-Welt-gebracht-Fantasie denken. :)
LG!
S.
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Danke, lieber Sufnus.
Physikalisch ist das Gedicht nicht gedacht. Aber schön, dass es dir gefällt.
Über die Götter hab früher mal was geschrieben: http://www.dielyrik-wiese.de/lyrik-wiese/index.php?topic=4808.msg26272#msg26272
Es gab einen Anlass.
LG g