die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Verbrannte Erde => Thema gestartet von: Erich Kykal am Juni 08, 2025, 08:49:54
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Ich sitze im Café an meiner Tasse,
und rundumher umrahmt mich Plauderei.
Gespräch, Diskurs, was immer es auch sei -
ich bin der stumme Fisch in bunter Masse.
Ich nippe stets allein mit kleinen Schlucken,
und ganz genauso trinke ich die Welt,
die um mich her sich so lebendig hält,
das Leben saufend, statt sich still zu ducken.
Die großen Redner werfen Argumente,
und Rauner werden schrecklich familiär,
die Grinser grinsen und die Lacher lachen.
Ich merke wohl, dass ich dabei sein könnte,
wenn nicht mein Wille so beschädigt wär:
Verbrannte Kinder meiden heiße Sachen.
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Lieber Erich,
ein wunderschönes Gedicht, das Sicht und Empfindungen dessen einfängt, der sich nach beschädigenden Erfahrungen durch Mitmenschen zum Selbstschutz ausgrenzt.
Besonders gut gefallen mir der nahtlose Übergang von Tasse zu Welt mit Hilfe der schluckweisen Rezeption des Inhalts und die kernige Darstellung unreflektierter Grobschlächtigkeit aller anderen aus der Wahrnehmung des Introvertierten.
Chapeau von gummibaum
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Hi Gum!
Vielen Dank für die lobenden Worte zu einer wenig lobenswerten, ewigen Thematik meiner Kunst.
Dabei war ich seit vielen Jahren nicht mehr in einem Café. Das Bild aus meiner Erinnerung ist aber immer noch brauchbar und lyrisch tragfähig, auch wenn ich des Menschenbeobachtens lange überdrüssig bin.
LG, eKy