die Lyrik-Wiese
Blumenwiesen => Drum Ehrlichkeit und Edelweiß => Thema gestartet von: Erich Kykal am April 17, 2026, 15:56:45
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Die 'guten' Menschen gibt es in zwei Sorten:
Die einen kleben gern am bloßen Schein,
die allerbesten Nachbarn stets zu sein,
sehr aufgetan in blumig weichen Worten,
doch ohne Tiefe, die ihr Gelten gründet:
Kein wahres Mitgefühl trägt ihre Larve.
Es wirkt, als trügen Teufel eine Harfe -
als wären mit dem Himmel sie verbündet.
Den andern geht es nicht um schöne Bilder,
um Meinungen in Menschen zu bestärken -
sie wirken nur aus ihren echten Werken,
bescheiden und in allen Dingen milder.
Die erste Sorte ist nicht eben selten,
sie tut sich laut hervor mit ihren Taten,
die wenigen ihr wahres Sein verraten:
Sie sind nicht gut – sie wollen nur so gelten.
Die zweite Sorte muss man selber finden,
sie drängen sich sich aufgeputzt nach vorn.
Sie schöpfen einzig aus dem innren Born:
Erkennende in einer Welt von Blinden.
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Lieber Erich,
eine wohltuende Lektüre am besinnlichen Sonntagmorgen, dein Gedicht. Danke.
Ja, diese Unterscheidung ist ganz wichtig. Es ist eine enifache und sehr grundsätzliche. Man fährt gut mit ihr: sowohl bei der Wahl von Freunden oder Partnern als für die eigene Lebensgestaltung, wenn sie Tiefe anstrebt.
Wir Bürgerlichen werden so erzogen, dass wir immer nett sein sollen und spüren hinter der hochgehaltenen Fassade oft die übelsten Absichten keimen. Ich denke, es ist besonders in den Schichten Erziehungsmaxime, wo es um sozialen Aufstieg geht. Wer schon alle Privilegien erbt oder als Paria chancenlos ist, kann auf die Netiquette verzichten oder eher mit einer gwissen Weisheit daraus auswählen.
Aber es ist eben auch eine persönliche Stärke oder Schwäche, ob man sich für das Echte oder Unechte entscheidet. Einige behalten immer die Aufrichtigkeit ihrer frühen Kindheit und wehren sich gegen jede Überformung. Andere schaffen den Weg zurück. Viele kultivieren leider die Verstellung, und lassen die Mitmenschen im Stich, wenn sie keiner Vorteile mehr bringen.
Liebe Grüße von g
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Hi Gum!
Danke für die freundlichen Einlassungen! :)
Das sog. 'Gutmenschentum', das die Versteller vor sich hertragen wie eine ständig sichtbare Monstranz, diese joviale Bürgerlichkeit, aufgesetzt wie eine Schauspielrolle - viele denken, so habe es zu sein, damit Gesellschaft funktionieren kann. Bis zu einem gewissen Grad haben sie recht damit, aber die Crux ist, wie du richtig sagst, der persönliche soziale Ehrgeiz - und je höher die Einsätze in diesem Spiel sind, desto verlogener und berechnender wird die Fassade, bis sie bei Opernballetikette gipfelt, oder bei Politikern, die kamerawirksam Babys küssen.
LG, eKy