die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Ach Natur Vergissmeinnicht => Thema gestartet von: Curd Belesos am August 20, 2026, 20:05:57

Titel: Am Deich
Beitrag von: Curd Belesos am August 20, 2026, 20:05:57

Er ließ den Blick über die Priele gleiten,
bis sich ihr Lauf am Horizont verlor,
ihm kam das Watt bereits verändert vor,
denn dunkler Glanz bedeckte seine Weiten,
auch dort, wo erst die helle Sandbank war,
trübt es sich ein, und plötzlich wird ihm klar,

die Flut steigt auf, um alles zu verschlingen;
kaum hörbar nimmt das Wasser seinen Lauf,
nichts hält das Meer beim Vorwärtsdrängen auf,
lässt es sich doch von keiner Kraft bezwingen,
nur dort am Deich, da endet seine Macht,
den sich der Mensch zu seinem Schutz erdacht,

denn mancher Sturm trieb in vergangenen Zeiten
die See ins Land hinein, bis es versank,
sodass nicht nur allein das Vieh ertrank,
nein, auch der Mensch musste den Tod begleiten;
bereits vor Rungholt, als der Holzdeich brach,
und später, selbst Jahrhunderte danach,

konntʼ in der Marsch Gevatter Hein noch wüten,
wenn mit Gewalt der Blanke Hans durchbrach,
bis man beschloss, aufgrund der Not danach,
noch stärker all sein Hab und Gut zu hüten,
und hat daher den Deichschutz ausgebaut,
dem man auch heut bei Sturmflut noch vertraut.

© Curd Belesos
Titel: Re: Am Deich
Beitrag von: Erich Kykal am August 21, 2026, 22:31:05
Hi Curd!

Das erinnert in seiner Wucht an den Erlkönig.

Einziges Manko neben ein paar kleinen, vernachlässigbaren Ticks im Rhythmus an manchen Stellen ist der Umschwung zum Präsens in der letzten Zeile von S1. Danach spielt das keine Rolle mehr, da das Werk vom Beschreibenden ins Erzählende wechselt und die etablierte 'reale' Handlungsebene von S1 hinter sich lässt, aber eigentlich ist diese Str. ja im Präteritum gehalten (Mitvergangenheit).

Ich erwartete dort also eher ein 'und plötzlich ward ihm klar:' mit einem Doppelpunkt am Ende zu lesen.

Sehr gern gelesen!

LG, eKy