die Lyrik-Wiese

Blumenwiesen => Sprüche, Gedanken, Gescheites => Thema gestartet von: Erich Kykal am September 04, 2026, 10:53:48

Titel: Glaube: Widersinnigkeit aus Bedürftigkeit
Beitrag von: Erich Kykal am September 04, 2026, 10:53:48
Glaube: Widersinnigkeit aus Bedürftigkeit


Der Spruch der Science-Busters lautet ja: 'Wer nichts weiß, muss alles glauben.' Tatsache aber ist, dass rein faktisch betrachtet alles Geglaubte 'gewusst' wird und an alles Gewusste 'geglaubt'. Der Unterschied ist, dass im naturwissenschaftlichen Bereich das Geglaubte eben auch jederzeit wiederholbar beweisbar ist, außer es ist noch eine Theorie, die ihres Nachweises harrt. So sind Geglaubtes und Gewusstes dieselbe Schnittmenge - aber eben nachweisbar und belegt.

Das, was die religiösen Gläubigen 'wissen', beruht ausschließlich auf unbeweisbaren Behauptungen, die einfach so mal in die Welt gestellt wurden und eine scheinbar schöne, geradlinige Lösung für viele Problematiken boten, und Trost durch die (wiederum: nur behauptete!) Hut eines allmächtigen Überwesens, eines Nachlebens an dessen Seite, und Gerechtigkeit jenseits aller menschlichen Fehlbarkeit. Allerdings ohne jeden naturwissenschaftlich haltbaren Nachweis. Das ist genau betrachtet: Hörensagen aus unsicherer Quelle.

Es sei jedem wankenden und kraftbedürftigen Gemüt von Herzen vergönnt, sich seinen Gott ins Universum zu träumen und gaaaaanz fest an ihn (oder: sie!) zu glauben. Nur sollte das jedermanns Privatsache bleiben. Wo Kirchen (respektive Tempel, Synagogen, Moscheen, Heiligtümer usw.), Vereine, Prozessionen, Feste, Wallfahrer, Prediger, Muezzine, Haustürklingler der Zeugen Jehovas und das ganze selbstbestärkende Gedöns derer, die eines gemeinschaftlichen Kulminationspunktes bedürfen, aufdringlich in jemandes Privatsphäre einbrechen, sodass er sich den abgefeierten Ritualen kaum entziehen kann und sich damit belästigen lassen muss, dort endet das allgemeine Toleranzprinzip. Das beginnt bei Kreuzen neben der Tafel oder über der Tür in jedem Klassenzimmer auch in staatlich betriebenen Schulen und endet bei der Schariapolizei, die in manchen Ländern 'renitnete' Sünder staatlich saktioniert totprügeln darf.

'Glauben heißt: Vertrauen'. Vertrauen kann ich dem Hund meines Nachbarn, dass er mich nicht plötzlich beißt. Was die objektiv wägbare Wahrscheinlichkeit von Religionskonstrukten zur Welterklärung (ich rede nicht von den moralischen Statuten für das Funktionieren einer Gemeinschaft, die von den Religionen schon immer gern und als Allererstes vereinnahmt wurden, siehe 'Gebote' ...) betrifft, sinkt mit der Zunahme naturwissenschaftlichen Faktenwissens über das Universum die 'Glaub'haftigkeit dieser bronzezeitlichen Gott-Modelle exponential.

Und vom schwammigen 'Überwesen', das es vielleicht 'irgendwie' doch geben soll und könnte, kann man auch nicht abbeißen. Das ist auch nur ein Konstrukt, und nicht mal ein mit auch nur irgendetwas fundiert Intellektuellem untermauertes. Abgesehen davon, dass mir der immanente Hang von glauben Wollenden zu Demut, Hingabe und Gottesdienertum, diese ganze freiwillige Unterwürfigkeit für etwas behauptet "Höheres" schon vom Konzept her zuwider ist. Siehe die 'Kloster'gläubigkeit von Mönchen und Nonnen, oder die willenlos willentliche Hingabe von Fanatikern an ihren zornigen Gott und seine Brandregeln religiös gerechtfertigter Unterdrückung.

Die allgemein gesellschaftlich kolportierte Vorstellung von einem Gott mag irgendetwas zwischen naiv-bedürftig und wundervoll im besten Sinne menschlichen Mitgefühls und innerer Erhabenheit sein - aber leider ist das, was so viele andere daraus machen, eine heillose Verirrung auf Kosten viel zu vieler Unbeteiligter! Und der Gott schweigt dazu ...

Im Mittelalter durften sich nicht mal Eheleute (in der gehobenen Gesellschaft) beim Beischlaf nackt sehen oder spüren - man denke an die bekannten Nachtgewänder mit sittsamem 'Eingriff' an nötiger Stelle - und NUR dort! Noch Monty Python machte sich darüber lustig, dass Katholiken mit jedem Geschlechtsverkehr auch ein Kind zeugen müssten, weil er nur zu ebenjenem Behufe erlaubt und statthaft sei - und Kondome eine Erfindung des Teufels wären.
Das Begehren des menschlichen Leibes galt als unmoralisch im Sinne des Glaubens, es galt eher als Versuchung des Satans. Es war, als würden die zum Zölibat verdammten Priester und Geistlichen aller Ränge den 'normalen' Leuten den Genuss der Lust missgönnen und ihnen darum diese Verdammung der Lust einreden.
Das Natürliche wurde zur Sünde, zum Schmutz erklärt, weil nur das 'Unberührte' rein im Sinne des Glaubens sein könne.

Heute haben wir zum Glück weitestgehend diese Perversion überwunden, aber in Resten und gewissen Zonen der Erde gilt diese Ansicht nach wie vor. Erzkatholische Regionen begehen immer noch schreiendes Unrecht an Menschen, die in ihren Augen 'gefehlt' haben! 'Gefallene' Töchter (seltener Söhne, und das auch nur, wenn sie Mädchen sein wollen ...) werden von ihren Familien verstoßen, selbst die Priester dieser 'Religion der Liebe' hetzen gegen sie und verbannen sie aus ihren Gemeinden, anstatt Mitgefühl und Toleranz zu üben. Sie tun, was sie sich im modernen, aufgeklärten Europa niemals mehr trauen würden, mit der Selbstverständlichkeit und Selbstgefälligkeit der in der Gnade des wahren Allmächtigen Stehenden, dessen geschriebenes Wort jene verdammt, die sich nicht den rigiden Regeln dieser Kirche beugen.
Vom immer noch existenten mönchischen/klösterlichen Leben ganz zu schweigen, das nicht einmal die Sünde Onans erlaubt ...
Vom Remter bis zum Vatikan - nach wie vor propagieren die konservativen Kirchenvertreter dieses verdrehte Konzept der Reinheit ohne Sexualität, das Gläubige zur Lüge oder zu langem Leiden zwingt (meist zu beidem), oder die kirchliche Ehe als nach wie vor einzige Möglichkeit, dem Verderbnis der Lust zumindest einen gesellschaftlich erträglichen Rahmen zu geben - und die hat immer noch ein Leben lang zu gelten, egal wie unerträglich sich die Partner womöglich geworden sein mögen!

All diese unnatürliche, kranke Verkrampfung ist leider so tief in den kirchlichen Strukturen verwurzelt und tradiert, dass ein Umdenken selbst in modernen Zeiten nahezu unmöglich erscheint. Der einzelne mag sich sein Christentum für die gute Stube daheim stricken, wie er lustig ist, aber die Institutionen der Kirche sind nach wie vor verknöchert, verkrustet und unerträglich in ihrer herablassend salbadernden aufgesetzten 'glühenden Gelassenheit' der in der göttlichen Gnade Stehenden mit Anspruch auf absolute Überzeugung. Allein für diese freiwillige intellektuelle Selbstbeschneidung, die sie vor jeglicher Selbst- oder Glaubenskritik retten soll, haben sie sich meine Verachtung verdient.
Nicht, dass mich aufgeklärte, 'lockere' Pfarrer mehr beeindrucken würden - sie manipulieren nur mit anderen, vielleicht sogar perfideren Mitteln ...

Vom alten 'Macht euch die Erde untertan!' bis zum heutigen 'Wir sind etwas Besonderes!' - viele Menschen finden nicht "privat" ihr inneres Gleichgewicht, sondern in der Hingabe an (oder Unterordnung in - je nach Sichtweise ...) eine religiöse Gemeinschaft, die mehr oder weniger aggressiv missioniert.
Diese Gemeinschaften mit ultimativem Wahrheitsanspruch sind es, die indoktrinieren, manipulieren, die Einfältigen ausnutzen, die Täter schützen, Macht ansammeln, politisch oder finanziell. Und weil es menschgemachte Konglomerate sind, sind sie ebenso fehlerhaft, arrogant, blindwütig und grausam wie dieser, wenn er sich seiner Hybris anheimgibt.

Man denke an Scientology - moderne Gehirnwäsche, Überwachung, Unterdrückung durch Gruppendruck und Psychoterror. Oder die berüchtigte Colonia Dignidad - die Kopfgeburt eines gewissenlosen Knabenschänders, die ihm lebenslang dazu diente, an immer neue Kinder zu kommen - und die alten Opfer schwiegen, und die Eltern waren ahnungslos, oder wollten es sein ...
Dagegen sind die lokalen Auswüchse der katholischen Kirche noch eher harmlos. Fußen aber auf demselben Prinzip gruppendynamisch ausgeübten Glaubens, der letztlich geistig unfrei und unmündig macht. Statt selbst zu denken, holt man sich beim Pfarrer Rat, oder beim Rabbi, oder beim Imam, oder beim Mullah ...

Im Grunde sind solche kulturellen und sozialen Gruppendefinitionsmittel eine Art 'sanftes Militär'. Auf Kommandoton wird verzichtet, weil sich jeder freiwillig der Sache und ihren Vertretern unterordnet, um so Teil der Gemeinschaft sein und bleiben zu können. Dass dies manchen Menschen wichtiger ist als selbst die Liebe zu den eigenen Kindern, beweisen die Verstoßungen: 'Gefallene Mädchen' wurden in Europa noch bis vor 50 Jahren von Vätern oder dem Pfarrer aus den Dörfern gejagt oder geprügelt, nachdem man sie in der Messe öffentlich beschimpft und 'abgeurteilt' hatte. Homosexuelle Söhne schwiegen lieber, denn die wurden nicht selten von den eigenen Vätern ermordet, still und heimlich, um die Familienehre nicht zu beschmutzen ... Mit unbotmäßigen Mädchen wird im Islam heute zuweilen noch so verfahren - man denke an die 'Ehrenmorde' an allzu westlich agierenden Töchtern ...
Ganz zu schweigen von den Glaubenskriegen, zu denen sich die aufgehetzten Massen immer wieder versteigen: Kreuzzüge, Dschihads, praktisch das ganze Alte Testament, das dazu aufruft, alle Ungläubigen abzuschlachten, mit Frauen, Kindern und dem lieben Vieh! Der Koran, der diesbezüglich auch zitabel ist ...

Keine noch so moderne und aufgeklärte Zivilisation verhindert dauerhaft, dass immer wieder Menschen aufkommen, die solch rigides Gedankengut vertreten und in die Welt tragen. Da geht es immer auch um Macht - und leider sind die meisten Menschen immer noch dumm und/oder ungebildet genug, um solchen Demagogen und Verführern auf den Leim zu gehen: Du musst nicht privilegiert sein, nicht klug und begabt: Komm zu uns, verschreibe dich der 'Wahrheit', und du bist allein schon daraus etwas Besonderes, Reines, Überlegenes! Ob über Genetik kolportiert, wie der schon religiöse Rassenwahn der Nazis, oder über die 'korrekte' Geisteshaltung und Einstellung - mit Speck fängt man Mäuse!
Man denke an die Zeugen Jehovas, die propagieren, dass man nur als ihr Mitglied ins Paradies kommt, weil nur sie die 'wahren Reinen' seien. Das meinen sie durchaus körperlich: Sie lassen die eigenen Kinder eher verrecken, als Bluttransfusionen von Ungläubigen zu gestatten, die deren 'heiliges' Blut verunreinigen würden. Lieber gottgewollt tot im eingebildeten Paradies als die Chance auf ein erfülltes Leben ...

So gibt sich der Mensch lieber allen Arten der Perversion hin, zu denen seine fiktiven Welterklärungskonstrukte unweigerlich gerinnen, als endlich einzusehen, dass er damit letztendlich nichts erreicht, außer die eigene zerebrale Evolution zu be- oder verhindern. Erhaben macht uns kein einziger Glaube wirklich - nur innerlich wie äußerlich kleiner, egal, wie sehr wir uns das Gegenteil einreden und uns verzweifelt bis fanatisch ans Geglaubte klammern, bloß weil wir uns selbst nicht die innere Kraft zutrauen, selbst und eigenverantwortlich einen würdigen Lebensweg zu generieren.

Es ist diese jämmerliche Bedürftigkeit nach Unterwerfung, Führung und Anbetung, die mich an der Menschheit zweifeln macht, und zwar von beiden Seiten: Die Bedürftigkeit der einen danach, sich unterzuordnen und das eigene Bewusstsein und Gewissen nach vorgegebenen Normen zu gestalten oder zu verbiegen, ebenso wie die Bedürftigkeit der anderen danach, diese soziale Demut für ihre eigenen Machtgelüste zu instrumentalisieren. Täteropfer und Opfertäter in ewiger unentrinnbarer Verstrickung. Das sind Religionen. Gäbe es das immanente Bedürfnis nach 'Glauben' nicht, all diese 'Postulate der ultimativen Wahrheit' wären unnötig und würden sofort als genau so lächerlich und jämmerlich entlarvt werden dürfen, wie sie eben sind.
Leider scheint der Mensch diesbezüglich nicht lernfähig zu sein: Hunderte, ja tausende Götter hat er sich im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte (oder geistigen Stagnation ...) der letzten Millennien erschaffen, sie unterschiedlich lang weitergetragen und schließlich verworfen und vergessen. Seit Jahrhunderten graben wir die Überreste davon aus - und kommen dennoch nicht zum logischen Schluss, da wir scheinbar ganz natürlich annehmen, das 'aktuelle' Welterklärungsmodell im 'aktuellen' heiligen Buch wäre GAAANZ sicher endlich das einzig Richtige - muss es ja sein, hat uns ja der Gott selbst in die Feder diktiert ...
Gegen soviel Borniertheit und unbewusst bewusste Selbstblendung ist leider (noch) kein Kraut gewachsen.

Und der Vorschlag: Gott für jeden allein und innerlich, wie jedes Individuum ihn für sich braucht und haben will? Ist das wahrer, nur weil es keinem anderen ans Bein pinkelt? Ist das nicht immer noch dieselbe armselige Bedürftigkeit, die jederzeit wieder in einen Gemeinschaftswahn umschlagen könnte? Ist das nicht sogar die allerletze Perversion: Jedem seine eigene, individuelle Fiktion, um eine Schwäche zu stützen? Ist das nicht letztlich die Bankrotterklärung des religiösen Denkens an sich?
Wenn es beliebig viele Gottversionen geben darf, dann gibt es im Umkehrschluss eben NICHT diese behauptete ultimative Wahrheit, zu der alle bisher Ungläubigen (in ihrem eigenen Interesse natürlich ... - he, erzähl mir noch einen!) hingeführt werden sollen. Das führt das Konzept der Religion an sich ad absurdum.
Aber da Glaube nichts mit Logik oder Einsichtswillen zu tun hat (man denke nur an die vielen Widersprüche in der Bibel - scheinbar kein Problem für die braven Beter ...), spielen solche Überlegungen leider keine Rolle.

Erst wenn es der Menschheit gelingt, insgesamt ihre Bedürftigkeit zu überwinden, dieses leidige Ameisendenken abzuschütteln, wird sie keine Gottheiten mehr benötigen, um sich sicher zu fühlen. Nur wenn sie ihre geistige 'Kindheit' hinter sich lässt, dieses freiwillige Verharren in Unmündigkeit, nur um sich geborgen und mitgenommen fühlen zu können - erst dann könnte ich in einer Gesellschaft leben, in der ich mich einigermaßen wohlfühle. Wird also nix damit zu meinen Lebzeiten ...

Ich denke, die Ursachen für das Bedürfnis nach Religion oder Gottexistenz fußen auf der intellektuellen Unreife der evolutionär noch unfertigen Menschheit an sich. Wir verhalten uns diesbezüglich auch als Erwachsene immer noch wie Kinder, wenn man es genau betrachtet. Der Gott - und der Pfarrer als sein be'glaubigter' Vertreter auf Erden werden zur Vaterfigur, zur übergeordneten Instanz, nach deren Wirken und Wollen alles zu funktionieren habe.

Wenn diese Instanz also vorgibt, man müsse gewisse Körperteile und -funktionen verachten und tabuisieren (so als hätte Gott sie nur eingebaut, um die wahrhaft Gläubigen durch Versuchung zu prüfen - denn 'geirrt' kann er sich ja beim Konstruktionsplan nicht haben, so als Gott, oder? Dass die Bibel gleichzeitig postuliert, ebendieser Gott hätte 'den Menschen nach SEINEM Bilde erschaffen', scheint für die Glaubenden kein Widerspruch zu sein. Zuerst mal gibt es für sie keine Geschlechterverwirrung: Gott muss ein Mann sein, denn Adam wurde zuerst erschaffen, als Ebenbild Gottes eben. Deshalb ist (nach religiösem Postulat) die Frau auch wertloser, halt nur geworden, damit der Mann sich fortpflanzen kann.

Wenn aber die Frau erst für Adam entstand - wozu hat Gott als Adams 'Konstruktionsvorlage' dann einen Penis? 

Man merkt bei nur ein wenig klarem Nachdenken, wie widersinnig religiöse Modelle sind, aber wer will schon klar denken, wenn es um den Glauben geht?), dann wird das unreflektiert so übernommen. Das Körperliche gerinnt aus dem Geistigen, genauer aus der geistigen Unfreiheit derer, die aus innerem Bedürfnis glauben wollen oder müssen. dieses Bedürfen ist oft stärker als der eigene Überlebenswille, als die Liebe zu eigenen Kindern: Hier regiert das Ameisendenken sozialer Strukturen, die insgesamt ein sichereres Überdauern zu garantieren scheinen, nicht zuletzt dank der Perspektive eines 'garantierten' Lebens nach dem Tode.

Menschen, die sich gern in Glaubenskonglomeraten sammeln, weil sie eine klar geordnete, einfache Welt präferieren oder sich in elitärer Gesellschaft behüteter bis erhabener fühlen, sind eben simpel gestrickte Gemüter. Was nicht in ihr Schema passt, wird ausgegrenzt, tabuisiert, verworfen, verachtet und gehasst. Vom 'gefallenen Mädchen' bis zur Hexenverbrennung, vom gezüchtigten Knaben, der Sünde Onans überführt, bis zur Steinigung Andersdenkender. Rigide, beengende Lebensdirektiven entheben jeder Eigenverantwortung, auch für alles, was der Glaube (oder deren Sprecher) verlangt, um 'rein' zu bleiben oder sich auszubreiten.

Solche stupiden Ameisenseelen können nicht tolerant, weltoffen und freidenkerisch sein.
Dasselbe gilt übrigens für die politischen 'Sektierer': Fanatismus braucht nicht unbedingt einen Gott - es gibt jede Menge Gottersatz: Führer, Diktatoren, selbsternannte Erlöser und Heilsbringer, ja selbst politische Ideen von beängstigend abstruser Menschenverachtung und arroganter Niedertracht: Nazis, Uniformkommunisten, all die rechten oder linken Extreme, die von ihren Anhängern inbrünstig als wahr verteidigt und aufrecht erhalten werden. Angst, Machtgier, Kontrollwahn, Borniertheit, Dummheit, Blindheit - selbstinduziert oder natürlich, münden letztlich immer in Grausamkeit, unerbittlicher Härte und Endlösungen aller Art.

Auf der anderen Seite muss geistiges oder physisches Einsiedler- und Eigenbrötlertum auch nicht immer gesund erhalten: Man denke an die unabhängigen "Einzeltäter" unter den Terroristen, zB. die rechten Idioten in Norwegen oder Neuseeland, die viele Menschen der Reihe nach abgeknallt haben, oder die islamistischen Idioten, die nie Mitglied einer Gruppierung waren, aber dennoch ihre letztlich sinnlosen Akte brutaler tödlicher Gewalt zelebrierten, weil sie damit ihre Sache voranzubringen dachten.
Aber so schrecklich ihre Taten anmuten - gegen das abertausend- ja millionenfache Leiden und Sterben, das von großen Systemen der Ausschließlichkeit durch Unterdrückung, Verfolgung, Krieg und Genozid verursacht wird, bleiben sie fast unerheblich zu nennen!

Der Mensch ist schon seltsam: Einen irren Egomanen, der ein paar Dutzend Leute erschießt, sperren sie lebenslang weg oder richten ihn hin, aber einen irren Egomanen, der dank seiner Machtposition und Politik verantwortlich ist für den Tod von Millionen, durch direkten Krieg, oder weil er deren Hungertod billigend in Kauf nimmt, nur um sein Weltbild durchzusetzen, wird als 'großer Führer und Staatenlenker' verehrt oder gar vergöttert! Hätte Hitler den Krieg gewonnen, die Deutschen hätten es mit ihm genauso gemacht wie es die Russen - viele bis heute! - mit Stalin taten, oder die Chinesen - ebenfalls bis dato! - mit dem 'Großen Vorsitzenden' Mao!

Seien wir uns ehrlich: ein Großteil der Menschheit besteht nach wie vor aus den eingangs erwähnten kleinen, engen oder faulen Geistern - und viele davon sind obendrein missgünstig, hintertriebig und gemein bis böse, alles natürlich streng nach ihren verordneten Direktiven: Man verpetzt nicht jemandem beim Pfarrer, beim politischen Kommissar oder bei der Gestapo, um ihm eins auszuwischen oder alte Rechnungen zu begleichen ... nein, man handelt rechtschaffen im Sinne der Gemeinschaft, der 'Idee', um sie sauber zu halten und sich als ehrbarer Bürger zu erweisen, als braves Schäfchen der Gemeinde, was sonst!

Fazit: Wer sein Gehirn objektiv zu gebrauchen vermag, wundere sich nur still über die Unfähigkeit anderer dazu, erkenne aber, dass kein wie auch immer stringent gestricktes logisches Argument den Glaubenden am Glauben zu hindern vermag. Eher wird man den Hinterfragenden als Ketzer verbrennen, egal ob auf einem sozialen oder realem Scheiterhaufen, als dass der Bedürftige sich einzugestehen vermag, dass er ein solcher ist. Gleiches Einsichtsverweigerungs-Konzept wie bei Drogenabhängigen ...

Wie viele Gottgestalten die Menschheit wohl noch als die 'Einzig Wahre' erschaffen, anbeten und letztendlich doch wieder verwerfen wird, ehe die organische Evolution des Gehirns diesen Schaltfehler lebenslang bewahrter kindlicher Bedürftigkeit im System endlich zu beheben vermag?