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Nachrichten - Agneta

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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Lebensreise (Haibun)
« am: Februar 16, 2019, 09:54:58 »
Lebensreise

Im Alter noch war sie umgezogen. Nach einem wilden, prallen Leben voller Eindrücke. Voller Fragen. Auf der Suche nach dem Sinn, auf der Suche nach sich selbst. Eine Nomadenseele schrieb man ihr zu. Eine, die auf dem Weg ist.

Nomadenseele
sucht nur Futterplatz, nicht Heimat.
Schaut doch nie zurück.

Und doch tat sie es. Da waren die Jahre einer behüteten Kindheit. Tannen rauschten, Wälder wiegten Baumeswipfel über steinigem Fels. Schon als Kind kannte sie das: Unten zu stehen, hinauf zu wollen ebenso wie von oben herunter zu schauen. Niemals jedoch herablassend, Immer nur glücklich, die Chance und Gnade des Weitblickes genossen zu haben.

Schaust die Weite an,
die dich sicher trägt ins Fern
für den Augenblick.

Mehr wollte sie von diesen Augenblicken. Als einziges Arbeiterkind in der Siedlung studierte sie, lernte fremde Sprachen, um die verstehen zu können, die anders waren als sie selbst. Geheimnisvoll war das, fast mystisch. Die reich verzierten Kuppeln der Moscheen Nordafrikas, die tosenden Meere unbekannter Küsten, die Lieder afrikanischer Stämme, die zitternden Blüten der Orchideen Sri Lankas, das Lächeln der Menschen, das so viele Bedeutungen haben konnte.

Auf dem Weg allein,
auf der Suche nach sich selbst.
Wurzelvergessen.

Und doch kehrte sie immer wieder heim. Zu ihrer Familie. Sie genoss den Duft, den die alte Kaffeedose verströmte, immer wenn Mutter die Schublade aufzog. Sie roch es sofort, wenn sie nach langem Auslandseinsatz  aus der Ferne erschöpft durch die Türe kam. Die Herzlichkeit der benachbarten Arbeiterfamilien, die Bewunderung dafür, dass eine von ihnen es geschafft hatte, so eine Karriere zu machen, die Wärme, die guten Wünsche, wenn sie wieder ging, das alles gab ihr Bestätigung.

Stärke, Kraft und Halt
geben uns die Wurzeln nur,
die immer binden.

Irgendwann gründete sie eine eigene Familie, doch immer wieder rief die sie Nomadenseele zur Herausforderung. Zur anderen Mentalität, zum fremden Ort
Sie bauten ein Haus weit weg von ihren Eltern. Heimeligkeit und Nestwärme schufen sie für ihr kleines Mädchen. Alles sollte so sein wie sie es von Zuhause kannte. Unzählige Menschen lernte sie kennen, mögen. Studierte Leute, die das gehaltvolle Gespräch mit ihr schätzten und deren oftmals doch kalte, marnorgeflieste Villen ihr ein Schaudern einflößten. Sie passte nicht zum kleinen Schwarzen. Sie mochte kein Surimi und keine Poolparties. Trotz des opulenten Einfamilienhauses aß sie gerne Erbsensuppe und liebte es, mit den Hunden durch Matschfelder zu tollen, auch, wenn sie eine feine Perlenkette trug.
Die Menschen aus den einfacheren Wohnvierteln hielten freundliche Distanz. Man kannte sie nicht, doch offensichtlich war sie  keine von ihnen. Sie war eine von denen. So stand sie immer dazwischen. Irgendwie.


Nomadenseele,
wo gehörst du hin, wohin
im Dickicht dieser Welt?

Als Jahrzehnte später die erwachsene Tochter fort zog und ein Kind bekam, da hielt sie nichts mehr. Sie schaute auf den wuchtigen Walnussbaum, den sie selbst gepflanzt hatte und er wiegte die Krone bedächtig im Wind. Kurzentschlossen verkaufte sie das Haus und zog in eine kleine Wohnung nahe der Tochter und Enkelchen.
Ihre Bekannten rümpften die Nase. Von sozialem Abstieg war die Rede. Ob sie wohl nicht mehr genug Geld habe, wurde gemunkelt. Doch, hatte sie. Und dennoch wählte sie eine Wohnung aus den Siebziger Jahren. Dort wohnten noch viele Arbeiterfamilien, die die Wohnungen ursprünglich gemietet und sie dann gekauft hatten, als sie zu Eigentumswohnungen umgewandelt worden waren.
Von Anfang an fühlte sie sich von dieser Wohnanlage angezogen, denn sie erinnerte sie an den Ort, an dem sie aufgewachsen war. Ein Mischmasch von Menschen aus ganz Deutschland lebte nun hier:  Aus dem Ruhrgebiet, Rheinland, Bayern, aus dem hohen Norden und auch einige ehemalige Gastarbeiter. Menschen, die ihre Heimat verlassen hatte, weil ihnen das große Chemiewerk bessere Verdienstmöglichkeiten versprach. Alle waren zu bescheidenem Wohlstand gelangt und alle hatten sich irgendwie zusammengerauft.

Nun wohnte sie schon ein halbes Jahr hier. Gerne hielt sie ein Pläuschchen mit den direkten Nachbarn, einer warmherzigen ehemaligen  Bergmannsfamilie aus dem Kohlenpott. Wieder einmal saß sie heute bei ihnen in der Küche, um ihnen kurz den Wohnungsschlüssel zu geben, falls etwas mit dem Hund wäre. Ihr Mann und sie wollten einen Ausflug machen.
Die alten Leutchen lächelten verständnisvoll. Sie liebten Hunde. Als der Mann die Schublade aufzog, um den Schlüssel hineinzulegen, roch es nach Kaffee und einer alten Blechdose.

Nomadenseele
Schaust zwar nie zurück und doch
fandest du den Platz,

wo du ruhen kannst,
in dir selbst die Wurzeln spürst
nach langer Reise.












2
Im Gras wispert Hoffnung / Die Wohnung
« am: Februar 07, 2019, 11:16:42 »
Die Wohnung

1

Und wieder saß ich stille wartend da,
obwohl ich Warten überhaupt nicht mochte.
Derweil ich meine Bankauszüge lochte
und die Entscheidung klar umrissen sah.

Doch dieses Mal entschied ich nicht allein.
Ein Makler würde die Signale stellen.
Ich hörte meinen Hund im Hausflur bellen,
er wollte wie sein Frauchen zornig sein.

Ich wollte Töchterchen die Wohnung schenken,
doch viele wollten diese Wohnung haben.
Ach, niemals würde ich mich je verrenken
und wie ein Esel stumm im Kreise traben.

Für Töchterchen mit ihrem Küsschenmund?
Ich fluchte laut und streichelte den Hund.

2

Da klingelte das schwarze Telefon
und Töchterchen rief in den Apparat.
„Ich mache doch für den jetzt nicht Spagat,“
Recht laut. So trug Erziehung reichen Lohn.

Ich grinste, fragte spöttisch: “Nicht, mein Kind?
Sag, magst du denn die Wohnung nun nicht mehr?“
„Wir laufen denen doch nicht hinterher,
Mamuschka, wenn die zu uns dämlich sind.“

Da schwieg ich still und Stolz erfüllte mich.
Auf meinen Vater, der uns dieses lehrte,
uns trug, dass niemals jemand uns versehrte,
und auf mein Kind, die ihm und mir so glich.

Mein Töchterchen mit ihrem Küsschenmund.
Ich lächelte und streichelte den Hund.


3
Wo Enzian und Freiheit ist / Re: Tide
« am: Februar 04, 2019, 21:27:54 »
ihr Lieben, Erich Curd und Sufnus,

lieben Dank für eure Einlassungen zu diesem Gedicht, das von niemanden inspiriert ist. Ich schrieb es Anfang 2017 für eine Freundin, die mit dem Resumee ihres Lebens offenbar nicht klar kam und sich so veränderte, dass die Freundschaft daran zerbrach. Lange habe ich Gründe dafür gesucht und kam zu dem Schluß, dass sie wohl zu den Menschen zählte, die in ihrem "Meer des Lebens" nichts persönlich Erwähneswertes für sich fanden, nichts erreicht zu scheinen haben , auf das sie zurückblicken und an dem sie sich selbst festmachen können. Dies könnte  nicht wenigen so gehen und darum hielt ich es für ein interessantes philsophische Thema für ein Gedicht.
Dies war die Intention des Werkes, die aber möglicherweise  nicht klar genug rüberkommt. Nur eine langjährige Musenfeundin in einem gtoßen Forum hat es punktgenau entschlüsselt.
Vielleicht müsste ich die letzte Strophe ändern, zulasten der gleichmäßigen Struktur:

hat sich gedrängt und über, über fließt,
was ihr trotz Überhang doch nie gelang
und ihr die Flut nun vor die müden Füße gießt:
Das echte Neu im ewig alten Zwang.

Was meint ihr? LG von Agneta



4
Wo Enzian und Freiheit ist / Tide
« am: Februar 03, 2019, 11:10:30 »
Tide

Hat sich gedrängt im vagen Überfluss
Als kleiner Teil des großen Überhanges,
als Trittbrettfahrer eines Neuanfanges,
sich eingeleibt im wohlig warmen Regenguss.

Was sich verspülte zwischen Nacht und Tag,
sie niemals drängte an des Felsens Wände,
und fein gecremte Hände sprechen Bände
von dem, was nie in ihren eignen Händen lag.

Hat sich gedrängt und über, über fließt,
was ihr trotz Überhang doch nie gelang:
Das echte Neu im ewig alten Zwang,
das ihr die Flut nun vor die müden Füße gießt.

Für B.


5
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der lustige Zyniker
« am: Februar 03, 2019, 11:09:31 »
auf den Punkt, lieber Erich. Genau so ist es, wir sprachen ja schon von dem Unterschied zwischen empathischem Satiriker und verbittertem Zyniker.
Dennoch meinen diese Zyniker immer, sie wären dere Mittelpunt der Welt. Der traurige Schluss deines Werkes zeigt, wo sie enden.
Zustimmend nick und voll einverstanden mit LG Agneta

6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Philosoph mit schlechter Laune
« am: Februar 03, 2019, 11:06:24 »
elegisches Sinne und Bennsches Verinnen, ja, lieber Sufnus, schon lange vor unserer Zeit sahen die Menschen in den vermeintlichen Abgrund. Aber wäre er gekommen, gäbe es uns alle nicht. Sei es drum, ich mga den Philosophen mit schlechter Laune und gehe doch gleich frogmeut und grippig mit dem Hundi.
Zwinkern von Agneta

7
Mit Löwenzahn und Lebensfreude / Re: Weinselig
« am: Februar 03, 2019, 11:03:19 »
 Lieber Curd,
dein Sonett strahlt Lebensfreude im Sinne von Wein, Weib und gesang. Schmunzeln von Agneta

8
Wo Enzian und Freiheit ist / Zeit nah
« am: Januar 27, 2019, 11:30:57 »
Zeit nah

Und als ich saß und träumte,
bewachte mich die Zeit.
Und als ich still erwachte,
trug ich ein Büßerkleid.

Und als ich lief und schaffte,
verlachte mich die Stunde
und drehte wie zum Hohn mir
noch schneller ihre Runde.

Und als ich Resümmee zog,
da machte ich die Fenster zu,
als sich ein Baum im Herbstwind bog
und dachte, dass die Zeit betrog.

Da nahm ich Hund und Wanderschuh
und scherte mich um gar  nichts mehr.
Und plötzlich lief die Zeit verquer
im Irgendwo ins Leer.

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der innere Winter
« am: Januar 27, 2019, 11:28:34 »
das ist traumhaft schln geschrieben, einersiets so sehnsüchtig und doch so hart-vernünftig. Gerade diese Diskrepanz macht es so berührend.
Die Kälte ist quasi fühlbar. LG von Agneta

10
Eulenspiegeleien / Re: Ich hab's meist nicht...
« am: Januar 25, 2019, 11:41:08 »
na, dann auf zur Linde, vielleicht zur Gerlinde GGG

11
Eulenspiegeleien / Re: Ich hab's meist nicht...
« am: Januar 24, 2019, 18:53:15 »
Martin,
Das ist ja mal eine Aussage: Frauen sind der Spiegel der Zustände. Das ist genauso absurd wie genial und in der Tat...Frauen im Krieg, auf sich allein gestellt, Frauen begrapscht von Chefs, Frauen in der Kampfsporttruppe, Frauen am Herd, Frauen bei Weight Watchers,und um mal so bissig zu sein wie Du: nicht zu vergessen Frauen als Kanzlerin und als Kramp-Karrenbauers, die dem Job ebenso wie die Männer nachhecheln. GGG
Dein Spruch ist sehr reizvoll. Dafür hat sich das kleine "Klischeezertrümmerchen", wie Erich es liest, doch schon gelohnt.

Lieber Erich, auf den Kopf getroffen. GGG und danke euch beiden von Agneta

12
Eulenspiegeleien / Ich hab's meist nicht...
« am: Januar 24, 2019, 11:12:50 »
Ich hab’s meist nicht

Ich hab’s meist nicht mit Frauen.
Ich kann nicht wie sie schauen,
ich hab nicht ihre Ticks
und kenn nicht ihre Tricks.

Ich hab nicht ihre Themen,
da müsste ich mich schämen.
Sie klagen über Mann und Kind.
Verdammt, ich weiß nicht, was sie sind.

Ich brauchte nie Schmierage
und auch nicht Apanage.
Steck meinen Diamant
mir selber an die Hand.

Ich lieb mein Kind, den Hund,
Diätquatsch find ich Schund.
Ich liebe meinen Bauch
und den von Männe auch.

Jaja, ich bin ’ne Frau,
das weiß ich ganz genau!
Doch meine beste Freundin- cool-
ist männlich und seit ewig schwul.

13
Im Gras wispert Hoffnung / Re: Das Geschenk des Lebens(Ghasele)
« am: Januar 24, 2019, 11:12:07 »
vielen Dank, lieber Sufnus. ich lass es jetz mal so. Gefällt mir ganz gut so. LG von Agneta

14
Wo Enzian und Freiheit ist / Re: Geeignetes Verkehrsmittel
« am: Januar 24, 2019, 11:11:10 »
jo, isch will zu Fuß no Kölle jonn- nicht empfehlenswert im Winter. GGG Dennoch eine schlne Stadt, die einen Besuch wert ist. LG von Agneta

15
Im Gras wispert Hoffnung / Re: Das Geschenk des Lebens(Ghasele)
« am: Januar 22, 2019, 08:40:29 »
nicht zwanghaft, lieber Erich, aber uferlos gefällt mir nicht.
Ich habe es nun geändert in Harmonie und Tochterglück. Was hältst du davon? Ich freue mich aber immer über deine ehrliche Kritik. Danke dafür.

Danke, lieber Gum. In der Tat ist es sehr berührend und ermutigend, wie ich schon schrieb, Heute kommt mein kleiner Mann wieder. Gestern war er auch hier, weil in der Kita alle krank sind.
LG an euch beide von Agneta

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