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Nachrichten - Sufnus

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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Nur Rollenspiele?
« am: November 29, 2022, 20:42:58 »
Hi eKy!
Für mich war die Beschäftigung mit diesem Text und mit dem D/s-Text auf alle Fälle keineswegs ein Opfer, sondern höchst erfreulich und eben auch erkenntnisstiftend! :)
Ich werde sicher noch geraume Weile über das Verhältnis von Sprach-"Höhe" und inhaltlichem Kontext nachdenken, das ist ein, wie ich finde, überaus spannendes Gestaltungsfeld!
LG!
S.

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Zwischen Rosen und Romantik / Re: D/s
« am: November 29, 2022, 20:40:32 »
Hi eKy!
Unser Dialog über dieses Doppelsonett und Dein "Nur Rollenspiele?"-Tandem erfreut mich sehr! Ich nehme die Text auch als authentisch für Dein lyrisches Reden wahr (authentisch in dem Sinn, dass Du - genau wie Du das beschreibst - durch die gehobene, akzelerierte Sprache (und an deren äußerst hohem Niveau kann ja gar kein Zweifel bestehen) Deinen Emotionen Ausdruck verleihst. :)
LG!
S.

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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Nur Rollenspiele?
« am: November 29, 2022, 14:46:46 »
Hi eKy!

Dies ist das zweite erotische (Doppel-)Gedicht, welches noch unkommentiert blieb - was ich nun gerne, wie versprochen, ändern möchte.
Thematisch und formal ist hier eine enge Korrespondenz zu dem Doppel-Text "D/s" gegeben, zu dem ich ja heute schon einen Kommentar abgegeben habe. Sinnvollerweise kann man diesen (Nur Rollenspiele?) und jenen (D/s) Kommentar von mir auch im Zusammenhang lesen, ähnlich wie die beiden Texte von Dir. :)

Im Prinzip übst Du Dich bei diesem Text hier in einem gegenüber dem "D/s"-Text noch um eine Stufe eskalierten "hohes Reden". Die Sprache geht an einigen Stellen schon ins Ekstatische und der Pathos-Regler ist allgemein auf maximal eingestellt. Hier paart sich somit die rhetorische Wucht eines Bombaststils mit der süchtigen Bildsprache eines rilkeanischen Symbolismus.
Das erzeugt für mich ein durchaus verstörendes Lese-Erlebnis. Und während ich dies schreibe, muss ich gerade daran denken, dass Du wahrscheinlich in ähnlicher Weise irritiert (oder zumindest nicht "abgeholt") wirst , wenn Du einen der Texte von mir liest, die Du als übertrieben reduktionistisch empfindest.

Am Ende könnte man also sagen: Naja... das ist halt alles Geschmackssache, Uhl und Nachtigall eben. :) Dann gäbe es kaum einen kommunikativen Freiraum für einen Diskurs, weil jeder begründungslos sagen könnte: Ich mag es eben so und nicht anders, basta.

Hier würde ich gerne versuchen, noch einen gewissen Spielraum für einen wechselseitigen Austausch zu eröffnen (nicht mit dem Ziel meine subjektive Position zu verteidigen oder Deine zu widerlegen!), in dem ich die Frage nach dem Kontext eines bestimmten Stils aufwerfe. Ich denke, es macht eben einen großen Unterschied, ob (um eines Beispiels willen) ein reduktionistisches Gedicht bei einer Lyriklesung vorgetragen oder bei einer Beerdigung rezitiert oder bei einer heiteren Geburtstagsrunde zum Besten gegeben wird. Wenn es im einen Kontext womöglich "funktioniert", wird es in anderem Zusammenhang durchaus deplatziert wirken. Wie "robust" oder "empfindlich" das Sensorium des Rezipienten nun auf einen Text in einem bestimmten Kontext reagiert, ist dann natürlich wieder "Geschmackssache", am Ende kommen wir also immer zu einem Punkt, wo man sagen muss: Ich mags halt so (oder eben nicht). Mir scheint aber wert, festzuhalten, dass es Kontexte gibt, in denen einen rhetorisch "auftrumpfender" Text für mich (sogar sehr gut) funktioniert und andere, wo das weniger hinhaut. Umgekehrt, wirst Du reduktionistische Texte vielleicht grundsätzlich nicht besonders goutieren, in bestimmten thematischen oder Kontext-abhängigen Settings, wirst Du sie aber mit einem etwas schiefen Grinsen "schlucken", in anderen Settings wirst Du hingegen nur den Kopf schütteln können und Dich von dem Text abwenden.

Bei mir persönlich scheint es nun also so zu sein, dass mir ein starker rhetorische Ornat von Liebesgedichten im Allgemeinen eher gewisse Probleme bereitet (Dir aber nicht), während ein "hoher Ton" bei einem weniger stark "aufgeladenen" Thema als der Liebe (vielleicht einer Hymne auf eine Tasse Kaffee oder beim Lob des morgendlichen Ausschlafens) mich weniger stark irritiert. Wobei das sicher auch nur eine sehr grobe Regel ist, die durch viele Ausnahmen bestätigt wird. Rilkes Leda-Sonett haut z. B. rhetorisch auch unglaublich stark auf die Pauke (und ist natürlich, dem Mythos geschuldet, ein durch und durch sexualisierter Text), ich kann mich aber dennoch sehr an ihm erfreuen. Und dann wieder: Würde ein zeitgenössischer Dichter ein (neu verfasstes) Sonett in diesem Stil bei einer Lesung vortragen, wäre ich wieder gelinde verwirrt ob dieses ästhetischen Salto rückwärts in eine andere Epoche. Es ist also kompliziert. Und das ist auch gut so! ;)

LG!

S.

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Zwischen Rosen und Romantik / Re: D/s
« am: November 29, 2022, 10:21:00 »
Hi eKy!

Hier nun mal - länger angekündigt und aufgeschoben - ein Versuch, mich einem Deiner noch unkommentiert gebliebenen erotischen Gedichte anzunähern.
Es ist dabei eine Annäherung unter dem Vorzeichen des Scheiterns, also des Scheiterns von mir als Leser, zu einer "einvernehmlichen" Haltung mit dem Text zu kommen.

Aber ich versuche zunächst mal, mich als Leser auszuklammern und quasi nur bei dem Doppel-Text zu bleiben. Dann finde zwei formal kunstvoll gebaute Sonette, die thematisch und klanglich sowie in der Bildsprache mit einander verklammert sind (man beachte die identischen Einstiegsreime im jeweils ersten Quartett ("ehren / Begehren" und "verehren / gewähren"). Es werden dabei die korrespondierende Positionen einer dominanten und einer submissiven Sexualität im Sinne der BDSM-Kultur eingenommen. Die dominante Position steht oben und ist groß geschrieben, der submissive Part steht unten und ist klein geschrieben. Man könnte diesen mimetischen Zugang sicher noch weiter treiben und ein regelrechtes Figurengedicht daraus machen. Das hat durchaus seinen formalen Reiz.

Und jetzt wäre zu fragen: Interpret, wo bleibt Dein Scheitern? ;) Nun... dieses Lese-Scheitern liegt eben darin begründet, dass mir die Texte wie ein rhetorisches Dickicht erscheinen, welches es mir verwehrt, zu irgendeiner Art von Berührtheit oder einer Art von Angesprochensein zu gelangen. Dieses Hemmnis des Zuganges hat zunächst einmal (1. Anlauf!) (ich betone das, um nicht missverstanden zu werden) vor allem etwas mit der Art der Sprache und der formalen Gestaltung zu tun. Der fehlende Zugang folgt also nicht bereits daraus, dass mir das Thema inhaltlich fremd ist (was es tatsächlich ist ;) ) - das wäre bei mir eher eine Voraussetzung für Neugier und Fasziniertheit. Aber durch die extrem pathetische Sprache, welche die Sexualität in eine eigenartig orgelnde, sakrale Sphäre hebt, bleibe ich hier als Leser ausgeschlossen. Und jetzt (2. Anlauf) kommt doch noch einmal das Sujet der Sexualität und damit die inhaltliche Seite ins Spiel: Der Leser ist ja hier der Zeuge eines Gesprächs zweier Liebender, was eine etwas voyeuristische Zugangsebene mit sich bringt. Könnte ich mich als Leser mit einer der beiden geschilderten Positionen identifizieren, so wäre ich quasi mittendrin im Geschehen und kein Beobachter von Außen. Diese Identifikation (siehe 1. Anlauf) wird mir durch den Tonfall der Texte verwehrt - ich käme im Gedanken an ein Liebesspiel nie in so eine "abgehobene", ins Schwülstige zielende Sprach-, Denk- oder Fühlebene und das macht mich zum Ausgeschlossenen bei dieser intimen Wechselrede zweier Menschen. Diese, auf der inhaltlichen Ebene, voyeuristische Position erzeugt nun bei mir aber ein großes Unbehagen und führt zu dem Reflex, mich von dem Text abzuwenden.

Und diese strukturelle Problematik erklärt nun hoffentlich ungefähr, warum ich persönlich an diesem Text als Leser nur scheitern kann. Es ist aber immerhin ein Scheitern, welches auf der Meta-Ebene für mich nicht ohne Erkenntnisgewinn war...

... insofern zwar kein Applaus hier von meiner Seite - aber doch auch keineswegs verschwendete Lebenszeit! :)

LG!

S.



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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Dort
« am: November 24, 2022, 20:57:04 »
Hi eKy! :)
Ich mag Deinen Kommentar!!! ;D
... und bin froh, dass Dir die Zeilen offenbar nicht die Laune verhagelt haben! :)
(aber ob Du's glaubst oder nicht: Ich halte diesen Text zwar noch nicht für ganz abgerundet, aber potentiell für einen meiner "besten" - was immer das letztlich sein soll - Beiträge hier auf der Wiese)
Liebe und launige Grüße!
S.

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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Armer Winter
« am: November 24, 2022, 20:54:47 »
Hey eKy!
Tönt gut, Dein Klagelied über den personifizierten Winter, der nichts von den anderen Jahreszeiten weiß. Da ich persönlich ja den Winter (sowohl in seiner schneereichen als auch in der klimawandelgeschuldeten nieselgrauen Darreichungsform) durchaus schätze, finde ich den Winter nicht ganz so bedauernswert und mir scheint der Sommer bekalgenswerter, der im Glauben leben muss, die Weltnachrichten bestünden nur als Waldbrandmeldungen und den niedrigen Pegelständen von Oberflächengewässern (sofern noch ein Pegel vorhanden ist).
Aber Du meinst das natürlich in Wirklichkeit etwas metaphorischer und reflektierst über Existenzen die ihr Leben in permanenter Hibernation verbringen, um letztlich vom Winterschlaf übergangslos in den Kältetod zu wechseln. Ob es das wirklich gibt? Das Leben der meisten Mitkreaturen besteht doch aus Heiß- und Kaltzeiten, auch wenn die Temperatur- und Temperament-Amplituden von Mensch zu Mensch etwas divergieren dürften. :)
Wie dem auch sei. Sehr gerne gelesen und drüber reflektiert! :)
LG!
S.

P.S.:
Nur ein "Beitrag editieren" hat sich noch ans Ende des Gedicht gemogelt und gehört da, denke ich, nicht hin.

7
Haiku und andre japanische Formen / Re: Geduldsspiel
« am: November 24, 2022, 14:44:40 »
Hi eKy!

Ich freue mich auf alle Fälle über Dein kurzes Gedicht - aus welchen Gründen auch immer es entstanden ist und ob es Dir gleich äußerst unlyrisch vorkommen mag! :)

Auch würde ich dem europäischen (oder deutschen) Haiku nicht die Berechtigung absprechen, selbst wenn er dem japanischen Original nicht allzu nahe kommt. Ich kann auch an der englischen Riviera in einem schönen Café eine Black Forest Gateau genießen, selbst wenn sie nur recht entfernte "Ähnlichkeit" mit einer echten Schwarzwälder Kirschtorte hat.

Außerdem hast Du jetzt was angerichtet... nach der Lektüre Deiner Zeilen verspürte ich den unstillbaren Drang ein reduktionistisches Gedicht zu verfassen (und ich bin diesem Drang an anderer Stelle hier auf der Wiese auch unverzüglich nachgekommen... ich hoffe dennoch ehrlichen Herzens, damit Deinen Blutdruck nicht in Wallung gebracht zu haben...

LG!

S.

8
Zwischen Rosen und Romantik / Dort
« am: November 24, 2022, 14:38:57 »
Dort

Which shore? Which shore? (W. C. Williams)

Ah! Es war an einem Strand in
und gar nicht weit entfernt von
da lagen Du & Ich bei

Es klang der Wellenschlag uns wie
Du lächeltest ganz unbeschwert, als ich 
so lagen denn wir zwei noch lange und

Das war an einem Strand in
Ah! Das Meer, der Sand, als wir
am Strand, das war

Am Strand, das Meer,
das Meer, das Meer,
das Meer, das Meer.


9
Verbrannte Erde / Re: Doppelmoral
« am: November 23, 2022, 16:26:57 »
Hi eKy!

Bei diesem Werk steige ich ehrlich gesagt nicht so ganz durch. Der dreiteilige Aufbau suggeriert eine Art dialektische Gedankenführung von These-Antithese-Synthese, aber die finde ich so dann eigentlich nicht (was kein Problem darstellt, keinesfalls muss jedes dreistrophige Gedicht solch einem logischen Aufbau folgen - das wär ja noch schöner!). Ich beschreibe hier also nur eine Erwartungshaltung von mir, die dann nicht bedient wurde (um so besser!). Nachdem ich gemerkt habe, dass ich nach diesem Dialektik-Schema nicht weiterkomme, habe ich neu angesetzt, aber dann bin ich etwas im Unbestimmten verloren gegangen.

Es liegt wohl an der dritten Strophe, dass ich Verständnis-technisch irgendwie scheitere. Konkret: Wie ist der Zusammenhang von Demut und Hinrichtungsbefehl? Und wer ist in diesem Szenario von "Wehmut" befallen? Ist der Demütige das Opfer der Hinrichtung? Dann wäre die Lehre wohl: Besser nicht zu duckmäuserisch sein, besser sich rechtzeitig wehren oder aber Land gewinnen, sonst ist man nachher das Opfer (und - nach dieser Sichtweise - irgendwie auch noch Schuld daran). Solch eine Täter-Opfer-Umkehr fände ich allerdings schon sehr problematisch. Soll es dann vielleicht anders zu lesen sein? Der Demütige ist derjenige, der die Hinrichtung durchführt und nicht ihr Opfer? Das verstehe ich dann aber auch wieder nicht: Warum sollte Demut dazu führen, dass man zum Vollstrecker von Unrecht wird? Und was hat das alles mit Wehmut zu tun (außer dass die sich halt nun mal gut auf Demut reimt)? Wehmut wäre wohl ein ziemlich unrealistisches Gefühl beim Opfer einer Hinrichtung (Entsetzen, Verzweiflung, vielleicht auch innere Leere wären eher zu erwarten). Aber auch ein Henker/Scharfrichter wird wohl eher nicht "wehmütig" sein angesichts des Opfers (vermutlich eher teilnahmslos oder sadistisch-aufgeputscht, je nach "Professionalität").

Nun... sprachlich lesen sich die Zeilen durchaus sehr rund, gerade auch durch die Wiederholungen zum Strophenbeginn, aber inhaltlich bin ich etwas gestrandet... vielleicht bin ich auch grad in einem intellektuellen Energieloch ;)

LG!

S.

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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Noch ein Sommer
« am: November 23, 2022, 16:11:18 »
Hi eKy!
Der Sommer ist nun schon eine Weile passé, aber Dein Gedicht liest sich auch im (verregneten) Herbst sehr gut! :)
Dabei hast Du eine sehr interessante Form gewählt: Die erste und letzte Strophe (mit dem Refrain der jeweils ersten und letzten Strophen-Zeile) sind in einem umarmendem Reimschema gestaltet, während die anderen Strophen im Kreuzreim verfasst sind.
Dieser Reimwechsel unterstreicht für mein Empfinden sehr schön den zirkelförmigen Aufbau des Gedichts. Die letzte Strophe greift die Gedanken der ersten Strophe im Sinne der Wiederkehr des immer Gleichen auf.
Allerdings muss man sagen, dass hierbei die letzte Strophe auch eine Entwicklung markiert: Was sich in der ersten Strophe noch "mild" andeutete und nur ein "erstes Ahnen" war, ist in der letzten Strophe zu "Gedanken" gereift, die das LI als Bestandteil des Weltkreislaufs begreifen; und diese Gedanken sinken wie die Regenschauer zur Erde, werden wieder eins mit ihr.
Sehr gerne gelesen!
S.


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Haiku und andre japanische Formen / Re: Geduldsspiel
« am: November 23, 2022, 15:49:10 »
Hi eKy!

Dein Sinnspruch (irgendwo zwischen Aphorismus, Epigramm und Senryu angesiedelt), der mit einem schönen und durchaus mehrdimensionales Bild aufwartet. Die "Segel der Zeit" deuten an, dass die Zeit als ein Schiff verstanden werden kann, in dem wir durchs Leben reisen, wobei wir aber offenbar nicht nur als Passagiere fungieren sondern mit Hilfe unseres Langmuts auch für eine externe Antriebsquelle sorgen. Gefällt mir! :)
Ob Dein kurzer Text als besonders Japanisch gelten kann, darüber kann man sicher diskutieren. Am Ende würde ich den Text wahrscheinlich eher in der europäischen Gedankenlyrik verortet sehen, aber allzu engherzig würde ich hier auch wiederum keine Zuweisung aussprechen wollen. :)
Interessant finde ich übrigens, dass man anhand dieses kurzen Stückleins schön über Grenzziehungen (wenn die denn unbedingt sein müssen) zwischen Aphorismus und Kürzestgedicht nachdenken kann. Für mich ist Dein Text, eKy, näher am Gedicht als am Aphorismus, weil (und hier bin ich ganz in der neuhochdeutschen Gedichttradition unterwegs) hier die Zeilenumbrüche so eine gewichtige Rolle spielen. Über die drei Zeilen nimmt die Zeilenlänge kontinuierlich zu und jede Zeile enthält genau einen Schlüsselausdruck (nämlich "Langmut", "Wind" und "Segel der Zeit"). Hierdurch entsteht ein starkes kompositorisches Momentum, welches ein Aphorismus (sofern er sich "un-lyrisch" gibt) so nicht bemühen würde. Als Aphorismus könnte der Text z. B. so aussehen:

Langmut: Unser Wind in den Segeln der Zeit.

Will heißen: Hier würde der Zeilenumbruch nicht als kompositorisches Element genutzt und der Gedanke wird in Form eines Einzeilers dargeboten.

LG!

S.

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Neues vom Wind / Re: Lichtschalter?
« am: November 23, 2022, 10:21:22 »
Hallo Rocco!

Das freut mich aber, von Dir zu lesen! Ich mag Deine Aphos sehr, kommentiere sie aber unregelmäßig, weil ich Kommentar-technisch sehr auf deutschsprachige Lyrik "spezialisiert" bin (daher kommentiere ich auch nicht-deutschsprachige Gedichte eher selten, obwohl ich sie durchaus aufmerksam lese). Ich muss nun sagen, dass ich Deine essayistisch hingetupfte Reflexion zum "Nutzwert" von Literatur ausgesprochen genussvoll gelesen habe. Der Stil, den Du hier andeutest, nämlich eine sozusagen pointilistische Beleuchtung einzelner Aspekte, die dann in einer assoziativen Montage-Technik gereiht werden, ist hervorragend geeignet für diese Art von Betrachtungen! Mes compliments!

Nun zu den von Deiner Freundin aufgeworfenen Fragen, d. h. (a) was nutzt die Literatur dem Eisbär? und (b) was nutzt die Literatur überhaupt, wenn sie die Probleme der Welt (Kimawandel, Krieg etc.) nicht lösen kann?

Die Literatur ist, wie jede Kunst, für den Menschen gemacht (nicht notwendigerweise vom Menschen gemacht!). Daher nutzt sie dem Eisbär, dem Blauwal und der Küchenschabe gar nichts.

Aber nutzt sie dem Menschen?
Ja. Die Frage ist abschließend geklärt.
Da war im zweiten Weltkrieg mal ein junges Paar, das lebte an einem schlimmen Ort. Die beiden waren Juden und es hatte sie in das jüdische Ghetto von Warschau verschlagen. Sie lebten unter elenden Bedingungen und waren, ohne das dies ihnen gegenüber direkt ausgesprochen wurde, von den Nazis bereits zum Tode verurteilt. Die beiden lasen einander Gedichte vor. Auf Rilke hatten sie keine Lust und Hölderlin kam ihnen geradezu unerträglich vor. Die beiden lasen sich die Gedichte von Kästner vor und sie schöpften daraus Kraft und den Mut zum Weiterleben. Beide haben den Krieg überlebt. Der junge Mann wurde zum mächtigsten Literaturkritiker seiner Zeit und er und seine Frau konnten Erich Kästner noch persönlich für seine Gedichte danken. Ich rede hier natürlich von Marcel und Teofila Reich-Ranicki.

Wozu ist also Literatur gut? Haben Kästners Gedichte auch nur einen einzigen Nazi zu einem besseren Menschen gemacht? Wahrscheinlich nicht (eine Resthoffnung bleibt). Zumindest aber haben sie auf den "großen" Lauf der Geschichte nicht den geringsten Einfluss genommen.
Aber Literatur kann Trost spenden. Es geht also um Kraftzuwachs. Einzelne Menschen haben dank der Literatur selbst in dunkelsten Zeiten durchgehalten. Es geht um Trost.
Menschen, die im Grunde genommen Misanthropen sind und als "last generation" das Aussterben der Menschheit als Chance für den Planeten begreifen, können dieses Argument allerdings nicht verstehen.

LG!
S.

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Neues vom Wind / Re: Lichtschalter?
« am: November 22, 2022, 16:51:49 »
Hi eKy!

Danke, dass Du Dich bei meinen Überlegungen reflektierend zuschaltest! :)
Zunächst zur Erklärung bei den anderen Foren: KV ist keinverlag.de ein wahnsinnig unübersichtliches Panoptikum, welches visuell... hm... eher frugal gestaltet ist. An Bord sind reichlich Texte und Metatexte (wenn man sie denn findet). Hans und - soweit ich das richtig deute - auch Agneta habe ich dort erspäht... aufgrund der Optik der Seite, die gleichzeitig überkomplex und unstrukturiert wirkt, fühle ich mich da aktuell nicht so recht hingezogen... ;)

Und mit "Poeten" meinte ich nicht poetry, das mir wirklich zu lärmig ist, sondern poeten.de, welches ebenfalls nicht gerade übersichtlich rüberkommt (und wo ich Hans wohl fälschlicherweise verortet habe... gummibaum war da bis Mitte Mai dieses Jahres tätig). Hans ist wiederum noch in der Leselupe zugange.

Wie dem auch sei: Du hast sehr recht, eKy, wenn Du darauf hinweist, dass in größeren Foren häufig ein krawalliger Ton herrscht, das hatten wir hier zu noch nicht so lange zurückliegenden Zeiten durchaus auch schon, als es mehr aktive Schreiber gab. Und dann gibt es eben noch das Problem von Personen, die durch die Art ihrer Beiträge andere Leser zuverlässig auf die Palme bringen, indem sie haarsträubende Ansichten äußern oder die Minimalanforderungen an einen Textbeitrag in puncto sprachlicher Ansprüche gekonnt unterbieten*. Letztlich braucht es bei stärker besuchten Foren einfach doch eine sehr präsente Moderation, die sich bei Problembären einschaltet und ggf. Verwarnungen oder gar Platzverweise ausspricht... das Problem haben wir hier aktuell mangels Masse nicht wirklich.... trotzdem ein etwas unbefriedigender Zustand, so weit als ich bin betroffen. ;)
Nunja... ich harre mal der weiteren Dinge... :)
LG!

S.

*Nur sicherheitshalber, damit man hier nun keinen krawalligen Tonfall meinerseits vermutet: Ich denke bei den beiden von mir benannten Problemfeldern an die Kneipenschlägereien, die bei poetry häufig zu studieren sind... unsere hiesigen Wortgefechte mögen in der Vergangenheit auch schon mal (etwas zu) hitzig gewesen sein, spielen nach meinem Dafürhalten aber doch in einer harmloseren Liga. ;)


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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Der Kuss
« am: November 22, 2022, 16:20:01 »
Hi eKy!
Das sind ja großartige und sehr Kuss-konforme Attribute, die Du aus dem Text herausliest - wenn einem Kussgedicht die Qualitäten "rund & weich" zukommen, bleibt ja kein Wunsch mehr offen! :)
Und "selbander" ist wirklich ein schönes altes Wort, das eigentlich einen häufigeren Wiedergebrauch verdient hätte. :)
LG!
S.

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Neues vom Wind / Lichtschalter?
« am: November 21, 2022, 14:25:12 »
Liebe alle (bzw. lieber eKy, lieber Hans)!
Da wir hier so schön unter uns weilen, stellt sich natürlich schon die ganze Zeit die Frage, inwieweit das Einstellen von Texten in so exklusiv kleinem Kreis sinnvoll ist. Was meint Ihr denn dazu?
Nicht, dass ich Eure Texte nicht gerne lese und kommentiere, keineswegs... aber das ginge natürlich auch in einem etwas größeren Forum... hier auf der einigermaßen vereinsamten Wiese komme ich mir schon dann und wann etwas deppert vor. ;)
Hans schreibt ja auch bei KV und den Poeten und es gibt ja auch noch einige andere Anlaufstellen. Dass Gummibaum, alte Lyrikerin, ACL, Curd und Rocco hier völlig verstummt sind und Jenny und WM nur noch äußerst selten vorbeischauen, wirft schon ein bisschen die Sinnfrage auf.
Zwei Kommentare zu eKys versauten Gedichten bin ich auf alle Fälle noch schuldig, die kommen also noch! Versprochen ist Versprochen. Aber dann... (?)
LG!
S.

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