Beiträge anzeigen

Diese Sektion erlaubt es ihnen alle Beiträge dieses Mitglieds zu sehen. Beachten sie, dass sie nur solche Beiträge sehen können, zu denen sie auch Zugriffsrechte haben.


Nachrichten - Sufnus

Seiten: [1] 2 3 ... 14
1
Zwischen Rosen und Romantik / Finale
« am: November 20, 2018, 15:20:37 »
Finale

Das Mal, das ich jetzt auf der Stirne trag,
schlug einst Dein Herz in einer Gottsekunde
als Sterbezeichen und als Fleischeswunde.

Und leitet mich das Auge aus dem Tag
ins nachtumschlossne Ungeschehenmachen,
werd ich recht gern vom langen Schlaf erwachen,

wend mich im Gehn nochmal zur Welt und sag
das Glück mit Tränen auf, den Gram mit Lachen,
portables Du, Scheiß auf die Siebensachen!

So komme endlich, was da immer mag:
Ich steh beim fünften Akt noch fest zum Bunde
im Lebenslang bis in die letzte Stunde.

2
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Größer im Verzichte
« am: November 20, 2018, 15:04:45 »
Dieses Gedicht ist ein berückend schöner Rohdiamant... ein paar inhaltliche Unsauberkeiten machen die - im Wortsinn - tiefgründigen Zeilen aber m. E. unnötig schwerverständlich.
Das erste Mal hast Du mich bei den Dornenrosen abgehängt. Eine blütenlose Dornenrose ist, so finde ich, der desöfteren bei der Gartenarbeit von Rosendornen geplagt wurde, ein gar unerfreulich Ding! Und dieses Dornengestrüpp soll im Folgenden Wurzeln im Wesentlichen schlagen? Ich verstehe, denke ich, schon Deine Intention und Du siehst die tiefwurzelnden Dornenrosen offenbar als ein gerade genügend zweideutiges Bild an, um hierdurch den Umschlag vom vermeintlich (!) Negativen (dem verschenkten Sieg) ins eigentlich Positive, die gelungene Seelenbildung, zu veranschaulichen. Aber zumindest für mich hats nicht hingehauen... ich hasse Dornenrosen (jedenfalls, wenn ohne Blüte).
Der zweite Strauchler folgte in der nächsten Strophe beim Wechsel von einem Wir ("auf den wir groß verzichten") zu einem Du (deiner Träume Raum) und wieder zurück (zu uns selbst).
Das dritte Problem ergab sich bei den vielen "sie" in der letzten Strophe: erstens klingt diese "Sie-Häufung" etwas unschön und zweitens ist das erste "sie" ein anderes (die Erfüllung von drei Zeilen weiter oberhalb) als die folgenden beiden. Es hat etwas gedauert, bis ich mich da zurechtfand.

Versuch der Beklugfummelung:

Aus leichten Siegen, die wir uns versagen,
den Schattenpflanzen, welche niemals blühn,
erwachsen Wurzeln tiefer unterm Grün,
die bis ins Herz des Wesentlichen ragen.

Aus allem Streit, auf den wir groß verzichten,
wächst innerlich ein neuer Seelenbaum
und leiht dem Rausch der Träume einen Raum,
woraus wir Brücken zu uns selbst errichten.

Erfüllung macht uns ärmer nur an Leben:
Erfülltes darf sich einzig selbst genügen.
Da wächst kein Sehnen mehr und kein Bestreben

in jenen, die ein Ziel für sich erfinden,
und alles Weitere wird sie belügen,
bevor sie überreifen und verschwinden.

3
Verbrannte Erde / Re: Verspätung
« am: November 20, 2018, 13:08:51 »
Vielen Dank Ihr Lieben für die Lektüre und metrischen Analysen! :)

Insbesondere S1Z4 möchte ich so "schwierig lesbar" belassen - hier soll die Atemnot beim Vortrag erkennbar werden.
Ich würde es so vorlesen, dass die Betonungen relativ verschliffen sind und am ehesten das "aus" und - Hebungsprall - das "tiefster" als Betonung erkennbar werden mit einer kleinen Zäsur dazwischen, was die Atemlosigkeit signalisiert. Das Wort Atemnot selbst würd ich dann wieder entsprechend der natürlichen Betonung lesen. :)

Ein schönes literarisches Beispiel für bewusst "schwierig" gestaltete Metrik zur Verdeutlichung eines Inhalts findet sich bei Eichendorff (Herbstlklage):

"Da krachen die Wipfel und fallen
zum Abgrund Strom, Baum und Stein."

Das geht mit xXxxXxxXx los... und dann "weiß keiner mehr, wie das zu lesen ist" (Peter v. Matt).

Grüße!

S.

4
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / THE BIG RIP
« am: November 20, 2018, 12:57:57 »
THE BIG RIP

Wir schlingeln durchs Existieren,
die Frist einen Schippenwurf fern,
nur nicht den Kopf verlieren,
wir tragen ihn eigentlich gern…

Wir zerren am Leben mit Klauen
und noch mit dem dritten Gebiss:
Seliges Selbstvertrauen
bis hin zum finalen Riss.

5
Sprüche, Gedanken, Gescheites / Lob des Verstandes
« am: November 09, 2018, 16:43:05 »
Lob des Verstandes

Was folgt im Schwankegang dem schrillsten Krach
mit ausgestreckten, somnambulen Händen?
Das ist der freie Menschenwille, ach,
Erleuchtung kann den Dunkeldenker blenden.

6
Ach Natur Vergissmeinnicht / Re: Der Sommer geht
« am: November 08, 2018, 12:27:57 »
Hi Curd!

Von S1 & S3 bin ich begeistert, begeistert, begeistert! Ganz toll!  :) :) :)

Beide Strophen besitzen einen heiteren, durchaus kunstvollen, aber trotzdem ganz natürlich wirkenden Sprachgestus - demgegenüber ist S2 tatsächlich ein bisschen flapsig geraten mit der Verkürzung "rum". Auch inhaltlich ist die Mittelstrophe nicht ganz auf der Höhe der beiden anderen: Die Aussage "wir tragen der Jahre so viele in großer Zahl" ist etwas doppelgemoppelt.
eKys Gegenvorschläge finden allerdings auch nicht so ganz meine Vorliebe, da sie einen typischen "eKy-Sound" erzeugen, der natürlich wunderschön, aber hier nicht passend ist... finde ich...
Und ich mag btw die kleingeschriebene Überleitung des Gedichttitels in die erste Zeile sehr! Evtl. könnte man mit geeigneter Zeichensetzung diesen sehr schönen Kniff noch etwas verdeutlichen. :)

Vorschläge:

Titelüberleitung:

"Der Sommer geht...

... doch ist das Jahr noch lange nicht verklungen"

S2:

Wir tragen ach der Jahre schon so viele
durch unser Erdenleben als Ballast,
gelangten oftmals unverhofft zum Ziele:
das Schicksal hat uns bei der Hand gefasst.

oder:

Wir tragen ach der Jahre schon so viele
durchs Vagabundenleben als Ballast,
und Müh und Lohn verfehlten sich im Ziele,
und immer drängte das Geschick zur Hast.

Wie auch immer, und ob nun mit oder ohne Änderungen, sehr sehr gerne gelesen! :)
VG!
S.

7
Ich bin angekommen / Re: HeyHö Ihrs!
« am: November 07, 2018, 17:53:03 »
Hi EV!
Hier nun noch meine Gedanken zu Deinem Gedicht (und darüber hinaus). :)
Ich schrieb schon, dass ich es *schön* finde :) und das unterschreibe ich gerne nochmal!
Du fügst hier eine Auswahl schöner und starker Wörter (Feuer, Baume (Dativ-e!), glühen, Wurzel, Traume (-e!), Angesicht, Gestirnen, Gold, Göttern usw.) zu einem Klang- und Formschwelgerischen Ensemble, wobei offenkundig das Augenmerk nicht auf einer narrativen Stringenz oder dem Rüberbringen einer "Message" liegt, es ist eher eine Mediation in Sprachschönheit.
Dieser Schreibansatz hat durchaus etwas narzisstisches... aber Achtung: nicht missverstehen und böse werden: ich meine damit keineswegs, dass Du als Autor selbstverliebt seiest, keineswegs!, sondern dass der Ton des Gedichtes, das "depersonalisierte lyrische Ich", sich in sich selbst spiegelt und in seiner Schönheit versinkt, wir hier also mit einer Schönheit konfrontiert werden, die sich selbst genügt, den Leser nicht umwirbt.
Bei eben diesem Leser kann das sicher polarisieren: mancher wird sagen: was ist denn das für ein unverständliches Geschwurbel, während andere (die Mehrzahl?) sich in den Sog den Wörter begeben und das Geschriebene genießen.
Ein weiterer Aspekt Deines Schreibens scheint mir zu sein, dass Du (so kommt es mir vor) bewusst nicht allzusehr nachfeilst, überarbeitest, umbaust und variierst (das klingt auch in Deinem Kommentar zu "Im Vorübergehen" an), wahrscheinlich, um dem Risiko eines Verlusts an Unmittelbarkeit und direkter Emotion zu entgehen.
Liege ich mit dieser Analyse richtig? Falls ja, ist das auf alle Fälle ein durchaus zielführender lyrischer Ansatz, den Du da verfolgst - ich würde ihn aber immer noch weiter mit anderen Stimmen aus dem großen Kanon abgleichen. Du hast Hesse genannt, und das ist jetzt meines Erachtens gerade ein Autor, der sich dem Leser stark zuwendet, um seine Aufmerksamkeit wirbt. Ganz anders als Rilke, der eher um eine autonome Schönheit ringt. Wie ist Dein Verhältnis zu komischer Lyrik? Eine Gattung, die in besonders hohem Maße zugewandt ist und auf die Lachmuskeln des Lesers zielt. Wie sieht es mit hermetischen Gedichten aus (manches von Celan, das meiste von Aichinger, einiges vom späten Goethe)? Was ist mit den Poeten der konkreten Dinge und Mitwesen, ob nun ein Stück Seife, der Girsch oder gefüllte Champignons (Jan Wagner)? Und wie steht es um die gesellschaftlich "engagierten" Dichter (vieles von Heine, einiges von Brecht, sehr vieles von Fried usw.)?
Nunja... ein paar Gedanken, die mich jetzt sehr weit von Deinen Zeilen weggeführt haben - aber ich denke, Du bist noch auf der poetologischen Suche, insofern regen diese Aspekte Dich vielleicht an?
Falls nicht.... nichts für ungut!  O0

8
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Im Vorübergehen
« am: November 06, 2018, 13:57:08 »
Hey EV!
Ich bin in der Lyrik ja kein ausgesprochener Hesse-Fan, dessen Stärke ich persönlich eher in der narrativen Kleinform (also auch nicht im Roman!) sehe - aber das steht natürlich auf einem anderen Blatt und bedeutet auch nicht, dass ich ihn nicht für einen sehr bedeutenden (mir nur nicht besonders lieben) Lyriker halte. Die (mir echt zu den Ohren rauskommenden) "Stufen" muss man auch erstmal hinkriegen... Ehre, wem Ehre gebührt...
Ein eigener Wortschatz im Sinne einer gewissen Wiedererkennbarkeit ist aber sicher eine gute Sache. Aber nicht jeder Ausdruck der eigen (im Sinne von eigenwillig) ist, ist auch schon gut oder gar genial - manchmal trifft das zu und manchmal ist es eher gewollt und gekünstelt.
Das "Sieb" kam mir beim zweiten Lesen in diesem Kontext etwas "eigen" im weniger guten Wortsinne vor, weshalb es in die zweite Reihe (Zeile) verbannt, aber immerhin ohne dass es ganz gestrichen wurde.
Lg!
S.

9
Sprüche, Gedanken, Gescheites / Re: Mensch und Kunst
« am: November 06, 2018, 13:30:31 »
Lieber eKy!
Da haben Dich meine vier Zeilen aber zu einem philosophischen Exkurs angeregt, der wahrlich wiederholtes Lesen lohnt! Du rührst da, in zutiefst humanistischer Weise, an die Grundfragen nach der Basis ethischen Handelns, der Bedingtheit persönlichen Glücks und der Stellung des Menschen im "Weltgefüge". Dabei kann ich Deinen Ausführungen im doppelten Wortsinne sehr gut folgen. :)
Aber was denkst Du: Ist Deine Lebensphilosophie wohl exportfähig? Taugt sie als praktischer Lebensweiser für die Mehrzahl, oder doch wenigstens für einen signifikanten Teil der Menschen?
Ich habe meine Zweifel, ob nicht doch mancher (womöglich die meisten?), der (die) von der Unsinnigkeit eines "höheren" (metaphysischen) Sinns überzeugt wurde(n), wahlweise in Depressionen oder zynischen Amoralismus abdriften würde.
Aber diese meine Frage ist wohl sehr theoretischer Natur, denn die Mehrzahl der Menschen wäre sowieso nicht für eine rational-diesseitig ausgerichtete Lebensphilosophie zu begeistern: der Bedarf an Esoterik, unhinterfragbaren, "ewigen"  >:D Wahrheiten und antirationalistischem Ideenquark ist ungebrochen.
Lg!
S.

10
Das Blöken der Lämmer / Re: Ohne Titel
« am: November 05, 2018, 21:17:21 »
Untadelig gefügte Zeilen, lieber gum! Du musst einen sehr scharf eingestellten innerlichen Qualitätssensor haben - ohne in präpubertäres Lattenmessen verfallen zu wollen und unbenommen der Tatsache, dass ich einen speziellen innerlichen Hausaltar für die Wortmächtigkeit und den klassischen Atem von eKy täglich mit frischen Blumen schmücke, bist Du doch einer der abgerundest dichtenden Forianer! Große Bewunderung meinerseits!  :) Ganz besonders hat es mir die Zeile "und sehr groß. Mein Denken blüht" angetan, das kühne Enjambement erzeugt einen äußerst sinnekitzelnden (sexy!) Sprechfluss!
Was nun das Inhaltliche angeht, bin ich bei diesen Zeilen etwas hin- und hergerissen zwischen heftiger Zustimmung und Verwirrung und das ist auf keinen Fall ein schlechter Zwiespalt! Regt das Denken an! :)
So frage ich mich, ob wohl das LI und der Autor hier eigentlich einer Meinung sind... Deine Antwort an eKy suggeriert dies stark, aber die Wüste wird (naja... Wüste eben... ) nicht gerade sehr einladend beschrieben: "Nichts als Sand und Fels und Knochen" klingt ja irgendwie nicht so doll attraktiv. Von der sauberen Wüstenluft, dem Farbenspiel der Dünen, dem überwältigenden nächtlichen Wüstenhimmel, der Gastfreundschaft von Beduinen oder was einem auch immer Positives zur Wüste einfallen könnte, ist keine Rede. Das macht mich ein bisschen misstrauisch. Der raue Kuss mit heißkalten Riesenlippen reißts dann für mich nicht so richtig raus... und dieser merkwürdige Widerspruch, dass das Denken des LI zu blühen beginnt und dabei gleichzeitig eine Absage an einen blumigen Stil formuliert. Also ohne jetzt einem, wie Du (bzw. Dein LI) schreib(s)t, kargen Stil seine Schönheit absprechen zu wollen, bin ich ein bisschen im Zweifel, wie eindeutig dieses ästhetische Manifest aufzufassen ist. Ist der gum hier ein kleiner Schlingel, der uns absichtlich durcheinander bringt?
Verwirrung und Zustimmung also.
Und sehr sehr gern und angeregt gelesen! :)
S.

11
Haiku und andre japanische Formen / Herbsthaikus
« am: November 05, 2018, 13:08:28 »
Herbstelang sucht
das flackernde Augenlicht
nach Rosenzuspät.

***

Inneres Nieseln.
Der Wind treibt die Farben ein.
Dunkle Gedanken.

***

Am Rand der Straße
steht niemand und fragt leise
nach unserem Weg.

***

Worte und Farben
täuschen die Buntheit nur vor:
Herbstcamouflage.

12
Sprüche, Gedanken, Gescheites / Mensch und Kunst
« am: November 05, 2018, 11:34:09 »
Mensch und Kunst

Vergänglichkeit, der große Kommunist
und Menschenkunst, im Grunde Mäusemist,
auf dem die Eintagsblümchen munter sprießen:
zum, riech mal!, Eintagsnasenluftversüßen.

13
Sprüche, Gedanken, Gescheites / Re: Theorie von Allem
« am: November 05, 2018, 11:27:55 »
Vielen Dank für Deinen Kommentar, EV! :)
Die Idee war hier in der Tat, aus der Diskrepanz von gewaltig auffahrendem Auftakt und flapsigem Nachklapp ein paar komische Funken auf Kosten transzendental veranlagter Metaphysiker zu schlagen.  O0

14
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Die Unverzeihenden
« am: November 05, 2018, 11:15:39 »
Düstere Zeilen zu einem schönen Sonett mit ungewöhnlichem Reimschema gefügt.
Ich denke, es war eine sehr gute Idee, nicht aus formalen Gründen um jeden Preis zwei weitere Reimwörter auf -öten "passend zu machen" :) - Du hast ja nun auch wahrlich genügend klassische Sonette geschrieben und musst niemandem einen Befähigungsnachweis für zweimaliges ABBA-Reimen liefern. :)
Nur gegen die "Dunkelheiten" schaue ich an - ein Abstraktum wie Dunkelheit in den Plural zu setzen, kann durchaus auch recht poetisch wirken; hier, eingebettet in Zeilen mit eh schon ziemlich viel "gravitas", ist es mir persönlich zu viel: wie ein dick bebuttertes Brot, das dann noch mit Mayonnaise bestrichen wird (was sicher auch Geschmackssache ist ;) ).
Davon ab sehr gern gelesen! :)
S.

15
Wo Enzian und Freiheit ist / Re: Zuversicht
« am: November 04, 2018, 22:46:39 »
bloß was ist gemeint mit S2Z3: "keins" und S2Z4: "es"? "Keins" wovon? Worauf bezieht sich das "es"?

"Keins" kann auch als (etwas altertümlicher) Ausdruck für "keine und keiner", "niemand" verwendet werden. Man kann also (auch ohne vorher von einem grammatischen Neutrum wie z. B. einem Kind gesprochen zu haben) sagen: Keins wurde verletzt (= niemand wurde verletzt).

Seiten: [1] 2 3 ... 14