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Nachrichten - Sufnus

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Wiesenspiele / Re: Goethe goes Gl├╝ckskeks
« am: Heute um 13:18:54 »
Hi EV! :)

Goethe-J├╝nger klingt vielleicht ein wenig zu unkritisch, aber es geht schon ungef├Ąhr in die Richtung... sagen wir, ich finde in seinen Gedichten Zuspruch. :)

Dabei war ich als Jugendlicher beim Erstkontakt mit vielen bekannten Goethegedichten gar nicht besonders beeindruckt. Ich las den Prometheus, das Heidenr├Âslein, den Erlk├Ânig, die Schatzgr├Ąber, das ganz kurze Werk "Gedichte sind gemalte Fensterscheiben" und ich blieb reserviert. Bei den genannten Werken (mit der teilweisen Ausnahme vom Erlk├Ânig) hat sich das ├╝brigens bis heute nicht wesentlich ge├Ąndert. Und ein paar ganz wenige Gedichte von ihm sind noch dazu gekommen, die ich nicht sehr sch├Ątze (Rezensent, Bei Betrachtung von Schillers Sch├Ądel, Symbolum). Aber die Mehrzahl seiner Gedichte vermag mich zu r├╝hren und geistig anzuregen, zu tr├Âsten und nachdenklich machen, zu erheitern und mir innere Ruhe zu schenken, einfach gesagt: sie gefallen mir. :)

Ich glaube allerdings tats├Ąchlich, dass Goethe nichts wirklich f├╝r Jugendliche ist. Er ist in seinem Tonfall fast immer recht autorit├Ąr, seine Verse haben einen Hang zum Besserwisserischen und er setzt bei seinem Leser oft viel Voraus, ohne ihm unbedingt Verst├Ąndnisbr├╝cken zu bauen. Ich glaube, kleinere Kinder k├Ânnen sich schon wieder eher f├╝r viele Goethegedichte begeistern, den Osterspaziergang, den Zauberlehrling nat├╝rlich oder das Hochzeitlied (vor allem wenn es schmissig vorgetragen oder noch besser gesungen wird).

Aber f├╝r Jugendliche d├╝rfte sich Goethe oft einengend und vielleicht auch ein bisschen ├╝berw├Ąltigend anf├╝hlen. Au├čerdem verweigert er sich sehr h├Ąufig dem ├Ąu├čerlichen Schmuck einer dekorativen Sprachf├╝hrung, wenn er, gar nicht selten, seine Verse ziemlich "ungek├╝nstelt" bildet (er h├Ątte die Musikalit├Ąt und den Sprachschatz, um sie weitaus pr├Ąchtiger zu gestalten), wirkt er manchmal geradezu "Bauhaus-m├Ą├čig" n├╝chtern. Ein Jugendlicher wird in den s├╝chtigen Zeilen der Symbolisten weitaus mehr hypnotischen Sog versp├╝ren und so, wenn er auf der Suche nach der "Anderwelt", dem "Fluchtpunkt" ist, bei diesen eher f├╝ndig werden.

Was mich "im Alter"  ;D an Goethes Lyrik anzieht, ist ihr unglaublicher Reichtum an Formen, Gedanken und Haltungen. Goethe war kein so gr├╝ndlicher Gelehrter wie meinethalben Friedrich R├╝ckert, der dem Ph├Ąnomen Sprache wohl mit einer Akribie und Begabung zu Leibe ger├╝ckt ist wie keiner sonst. Aber Goethe hatte diesen gl├╝cklichen Zugriff auf das Wesentliche. Er dichtet so, als h├Ątte er im Hinterzimmer einen PC mit Internetzugang stehen gehabt und sich zu jedem Thema von m├Âglicher Interessanz die Essentials zusammengegoogelt mit einen untr├╝glichen Gesp├╝r f├╝r den Kern der Dinge. Und Goethe konnte in seinen Gedichten immer vieles zugleich sein, er hat Widerspr├╝chliches in seine Zeilen gegossen, ohne es zu einem vers├Âhnlichen aber langweiligen Grauwert zu amalgamieren, die Multiperspektive des Denkens und F├╝hlens bleibt in seinen Versen unvermischt und rein erhalten.

Es war ein gl├╝cklicher Einfall von Brecht (dessen Denken sich anders als das von Goethe nicht unbedingt durch die gr├Â├čte Scharfsinnigkeit auszeichnete), Goethe als Beispiel einer dann nie mehr erreichten "Vollst├Ąndigkeit" des lyrischen Schreibens zu begreifen:

"Sofort nach Goethe zerf├Ąllt die sch├Âne, widerspr├╝chliche Einheit, und Heine nimmt die v├Âllig profane, H├Âlderlin die v├Âllig pontifikale Linie. In der ersten Linie verlottert die Sprache in der Folge immer mehr, da die Nat├╝rlichkeit durch kleine Verst├Â├če gegen die Form erreicht werden soll. Au├čerdem ist die Witzigkeit immer ziemlich unverantwortlich, und ├╝berhaupt enthebt die Wirkung, die der Lyriker aus dem Epigrammatischen zieht, ihn der Verpflichtung, lyrische Wirkung anzustreben [...] Die pontifikale Linie wird bei George unter der Maske der Verachtung der Politik ganz offen konterrevolution├Ąr, d.h. nicht nur reaktion├Ąr, sondern wirkend f├╝r die Konterrevolution. George ist unsinnlich, und setzt daf├╝r verfeinerten Kulinarismus...."

Unn├Âtig zu sagen, dass Brecht sich selbst als den Wiedererringer dieser verlorenen "sch├Ânen Einheit" sieht... nunja... er ist kein Goethe... aber er ist wohl mein zweitliebster Dichter unserer Sprache...

LG!

S.

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Lieber mall (ist das eine okaye Anrede f├╝r Dich? ich k├╝rze ganz gerne ab, weil ich so ein fauler Mensch bin... aber ich bin flexibel :) )! :)

Die Akelei z├Ąhlt zu meinen Lieblingsblumen, weil sie, finde ich, ein sch├Ânes Blattwerk und sehr beeindruckende Bl├╝ten hat und dabei (Du hast ins in S2 so sch├Ân beschrieben) wegen ihrer Tendenz zur Selbstaussaat oft an ganz ├╝berraschenden Ecken eines G├Ąrtleins auftaucht. :)
In Deinem Gedicht mag ich sehr den "Nach-Halbsatz" am Ende jeder Strophe. Er baut eine gewisse Pause in den Text ein, bringt den Leser zum Innehalten und entschleunigt dadurch das Gedicht, was gut zu einer kontemplativen Gartenbetrachtung passt, wom├Âglich von einer halbschattigen Bank aus. Vielleicht h├Ârt man ein paar V├Âgel zwitschern, die Hummeln und Bienen summseln im Park wie auch im Gedicht, man h├Ârt und sp├╝rt einen ganz linden Windhauch... Frieden...
Interessant ist, dass die Nachs├Ątze in S2 und S3 eine deutliche Aufw├Ąrtsbewegung vom "h├Âheren Sinn" bis zum "Himmel" erkennen lassen. War das geplant? Vielleicht k├Ânnte man damit sogar noch etwas st├Ąrker operieren? Ich hab da allerdings keine z├╝ndende Idee dazu... ;)
Weiterhin f├Ąllt auf, dass der Inhalt eine naive, kindliche Freude zum Ausdruck bringt. Hier werden keine komplizierten Wahrheiten verk├╝ndet sondern die reine Freude an einer sch├Ânen Blume. Das gef├Ąllt mir sehr an den Zeilen! :)
Formal sind die Zeilen relativ unregelm├Ą├čig gestaltet. Das Metrum und die Reimfolge binden sich nicht an ein strenges Schema. Das passt gut zum "ungek├╝nstelten" Ton des Gedichts, hemmt aber nat├╝rlich ein kleines bisschen die Musikalit├Ąt der Zeilen. Ich pers├Ânlich w├╝rde hier vielleicht, um die "Ungek├╝nsteltheit" mit einer gewissen "Sanglichkeit" zu verbinden, mit einem etwas einheitlicheren Metrum (muss dabei aber m. E. gar nicht total gleichf├Ârmig werden) unter Beibehaltung der unregelm├Ą├čigen Hebungszahlen experimentieren... ich versuche es gleich mal beispielhaft.
Ein paar Inversionen kommen noch vor - die passen nat├╝rlich in gewisser Weise auch zu einem "ungek├╝nstelten" Ton, da sie das lyrische Reden von "Alltagslyrik" imitieren, wie wir sie z. B. in Geburtstagsreimen finden. Andererseits entspricht invertiertes Sprechen nat├╝rlich nicht unserem normalen "Umgangston". Ich w├╝rde da u. U. ein bisschen "glatter" formulieren.
Etwas aus dem inhaltlichen und schriftbildlichen Rahmen f├Ąllt f├╝r mich auch die 1000, einmal weil sie als Ziffernfolge geschrieben dasteht und zum anderen, weil mir die Zahl vielleicht ei bisschen hoch vorkommt und damit in einen etwas "exaltierten" Gestus spielt (?)...
Und zuletzt fallen zwei Fremdw├Ârter auf, welche ebenfalls die "naive" Rede ein bisschen durchbrechen, n├Ąmlich "drapiert" und "Cumuli". Hier komme ich jetzt in Begr├╝ndungsschwierigkeiten, aber pers├Ânlich st├Âre ich mich nicht am "drapiert", das gef├Ąllt mir an der Stelle sogar aus irgendeinem Grund besonders gut, daf├╝r bin ich bei den Cumuli etwas gestolpert. Gibt es einen bestimmten Grund, warum nicht von Wolken die Rede ist?
In jedem Fall hat mich Dein Gedicht ber├╝hrt und in mir die Lust geweckt, mich inmitten eines sommerlichen Bauerngartens dem Weltl├Ąrm zu entziehen und die dortige, halb wilde, halb geordnete, Natur zu genie├čen. :)
Sehr gerne gelesen!
S.

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Und hier der Versuch, wie sich ein paar Änderungen auswirken würden :) :

Macht wild und sch├Ân den Park und Garten,
im fr├╝hen Sommer kannst Du auf sie warten
und hundertfarbig l├Ąutet sie herbei
die Hummeln, Bienen und auch Dich ÔÇŽ
                                                       ÔÇŽ die sch├Âne Akelei. 

Sie w├Ąchst ganz einfach, ungeniert,
an allen Ecken, R├Ąndern und auch mitten drin,
fast so als h├Ątte sie ein K├╝nstler hindrapiert,
schenkt sie sogar dem bravsten G├Ąrtchen ÔÇŽ
                                                      ÔÇŽ einen hohen Sinn.

Musst keine ihrer Farben je vermissen,
an langen Stielen stolz soll sie die Gl├Âckchen hissen,
ganz filigran und luftig scheint die Bl├╝tenzier gewoben,
die erst vergeht, wenn alle Wolkensch├Ąfchen mit dem Wind
                                                     ÔÇŽ vom Himmel fortgezogen.

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Spr├╝che, Gedanken, Gescheites / Re: Halbe-halbe
« am: Heute um 10:54:25 »
Oha. :) Da jede weitere ├äu├čerung in diesem leidigen Streit nur dazu f├╝hren w├╝rde, dass selbiger in die n├Ąchste Runde geht und ggf. weitere Teilnehmer hineingezogen werden, sag ich dazu nur noch, dass ich dazu nichts sagen werde. Und dieser Hinweis jetzt auch nur, weil mein Name obig im Spiel ist. :)
Aber ab jetzt folgt von meiner Seite in der guten Tradition sowjetischer Diplomatie nur noch ein: "Kein Kommentar" in Form von *silence* ;)

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Ich bin angekommen / Re: ein weiterer Neuzugang
« am: Mai 27, 2020, 19:55:38 »
Da freue ich mich jetzt aber - ich finds toll, dass Du uns hier beehrst, lieber Stephanus, Stephanius, mallarme! :)
Deine Gedichte haben mich auf dem Eiland immer h├Âchst erfreut, wenn auch unsere ├ťberschneidung dort von kurzer Dauer war.
ÔÇŽ und wenn Du Dein Dornbusch-Gedicht hier einstellen willst, lass ich mir auch eine neue Deutung einfallen ;D
Dein Akelei-Gedicht ist ja auch ganz wunderbar... aber das kommentiere ich, wenn mein Hirn weniger matschig ist! :)
LG!
S.

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Wo Enzian und Freiheit ist / Re: H├Âlderlin
« am: Mai 27, 2020, 17:12:00 »
Vielen lieben Dank f├╝r die Anmerkungen! :)
Bei der Kommafrage muss ich nochmal ran... da habt Ihr einen guten Punkt! :) Jetzt bin ich grad zu m├╝d...
Bis bald, Ihr Lieben! :)
S.

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Mich w├╝rde nochmal interessieren, liebe Ylva, ob Du hier "absichtlich" nicht in gebundener Sprache schreibst (ich mag das!), bzw. ob Du in Deinen (sehr sch├Ânen!) Septembergedichten ganz bewusst von einem ganz einheitlichen Metrum abweichst oder ob Du Dich gegen├╝ber metrischen Formen vielleicht nicht so "sattelfest" f├╝hlst (no offence!)... ich frag einfach, weil ich nicht ganz einsch├Ątzen kann, wie "erfahren" Du als Autorin bist und ob Du eventuell Interesse an einem Skillsharing zur Versfu├člehre hast... Du hattest bei einem Deiner Septembergedichte etwas kommentiert in der Richtung, dass Du Dich beim Rhythmus "unsicher" f├╝hlst, das hat jetzt wahrscheinlich meine Nachfrage provoziert... hoffentlich kommt die nicht komisch r├╝ber... ich will bestimmt kein Mansplaining veranstalten.... oje...
LG! :)
S.

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Eulenspiegeleien / Re: Gloria
« am: Mai 27, 2020, 17:01:22 »
@EV
Hau in die Saiten... sehr cool! :)
Und was die abgehobenen Begriffe angeht... meintest Du die im Gedicht oder die in meinem Kommentar? Eigentlich l├Ąsst sich das meiste sehr gut "├╝bersetzen", es braucht dann nur mehr W├Ârter, um das gleiche auszudr├╝cken... ;)
@AL
Das freut mich! :) Ich muss sagen, ich bin der christlichen Theologie intellektuell total verfallen... und die Bibel ist auf Platz 2 der B├╝cher f├╝r die einsame Insel... ich kann nur nicht dran glauben... :) Aber ich bewundere Menschen, die f├╝r den Glauben offen sind. :)

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Ich h├Ątte das Gef├╝hl, dass damit eine ungute Ausgrenzung von Religiosit├Ąt einherginge... mir scheint, es g├Ąbe dabei mehr zu verlieren als zu gewinnen. Der Tonfall ist hier in der Wiese doch allgemein so respektvoll, dass wir es vielleicht lieber mit einem Miteinander versuchen sollten... wie Martin schon vorgeschlagen hat, w├╝rden sich religi├Âse Texte doch im Hoffnungs-Thread gut machen oder auch im philosophischen Bereich, da reiht sich ein credo ut intelligam ja bestens ein.
Nat├╝rlich m├╝sste jeder, der einen religi├Âsen Text einstellt, damit rechnen, mit eKys grimmiger Abrechnung mit dem Gottesglauben konfrontiert zu sein oder mit meinen spitzfindigen Theologismen eines Ungl├Ąubigen... aber weder eKy noch ich w├╝rden den Menschen attackieren (soweit der Vorsatz! :) ) und insofern st├╝nde da ja einem gedeihlichen und sogar anregenden Miteinander (!) nichts im Weg, wie ich finde.
Eine Absonderung des Religi├Âsen in einen eigenen Raum d├╝rfte nach meiner Erwartungshaltung eher Anw├╝rfe auf sich ziehen als diesen vorzubeugen, sonst m├╝sste man ja quasi eine Gesichtskontrolle beim Betreten des Religions-Threads einf├╝hren und das ist eine gruselige Vorstellung. Die Offenheit christlicher Gottesh├Ąuser hat mir immer gut gefallen und wenn ich in einer fremden Stadt bin, suche ich h├Ąufig ihre sch├Ânen Kirchen auf und verhalte mich dann in ihrem Inneren auch respektvoll und freundlich zugewandt. :) ... erst wenn ich wieder drau├čen bin, schreibe ich vielleicht einen Vers... ;)
LG!
S.

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Eulenspiegeleien / Re: Gloria
« am: Mai 27, 2020, 14:01:34 »
:) Tja, liebe AL :) ... ich hab durchaus schon mitbekommen, dass Du Deine Freiheit als Mensch durch und nicht von Gott gewinnst, dass Du also tats├Ąchlich genau in der Gegenbewegung zu meiner Freiheit unterwegs bist (bzw. meine Freiheit ist nat├╝rlich historisch betrachtet, die Gegenbewegung zu Deiner... na... wie auch immer... ;) )

Auf alle F├Ąlle ist, wenn man so auf zwei Seiten des existentiellen Abgrundes steht wie wir beide, die Gefahr von wechselseitigen Verletzungen (oder: Irritationen) nie so ganz von der Hand zu weisen.

Ich bin aber gegen├╝ber der Religiosit├Ąt von Mitmenschen ├Ąu├čerst positiv eingestellt, so lange diese mich weder missionieren wollen, noch durch Bemitleidung in meiner Auf-mich-selbst-Zur├╝ckgeworfenheit ;) denunzieren. Umgekehrt geh├Ârt sich nat├╝rlich auch ein respektvoller Umgang meinerseits im Verh├Ąltnis zum religi├Âsen Mitmenschen.

Im Hinblick auf die Idee (oder Ganzheit oder F├╝lle) der Religion an sich erlaube ich mir aber durchaus Respektlosigkeit, wie man meinem polemischen Gedicht "Gloria" anmerken kann und noch einigen anderen Gedichten in der Preislage, die hier eingestellt sind. Was ich nicht machen w├╝rde (au├čer in schwachen Momenten und dann h├Ątte ich mich daf├╝r auch im Nachgang zu entschuldigen!), w├Ąre den religi├Âsen Menschen an den Pranger zu stellen. Jesus ist dabei nat├╝rlich ein Grenzfall... da w├Ąre ich gut-trinitarisch unterwegs, indem ich die Wesenseinheit Gott-Sohnes mit dem G├Âttlichen meinem Spott aussetze, nicht aber seine Natur als leidender Mensch.

F├╝r mich geht es daher auch v├Âllig ok, wenn ein religi├Âser Mensch die Idee des Atheismus aufs Korn nimmt. Das ist f├╝r mich absolut legitim. Wenn aber ein Atheist verspottet w├╝rde, w├Ąre das f├╝r mich nicht ok.

Ich hoffe, diese Ausf├╝hrungen helfen Dir, meine Spottverse auf Gott (aber nicht den Menschen) und die Religion (aber nicht den religi├Âsen Menschen) einzuordnen. Nat├╝rlich sind meine Sottisen im Kern nicht auf den Kampf mit dem G├Âttlichen ausgerichtet, wie weiland Jakobs Ringen mit dem Engel, denn was sollte ich mit einem Segen anfangen? Mein Spott ist ein Aufruf zum allseitigen und gemeinsamen (!) Werk einer besseren Hiesigkeit unter Ausklammerung dessen, was (oder was nicht) danach kommt. :) Ich bin ein freundlicher Sp├Âtter. :) Bin ich gleichwohl der S├╝nde wider den heiligen Geist schuldig? Theologen k├Ânnten sich dar├╝ber wohl streiten... bei Gott... ich wei├č es nicht...

LG!

S.

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Vielen lieben Dank, Ylva und EV, f├╝r Lob und Lobbekr├Ąftigung! :)
LG!
S.

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Hi Ylva!
Das ist ein sehr sch├Âner Text mit vielen Endreimen (und einigen vokalischen Beinahreimen wie "Steine" und "weiter" oder "kleinen" und "streifen"), der aber weitgehend konsequent in ungebundener Sprache verfasst ist. Wenn man diesen Text nur h├Âren w├╝rde, ohne die Zeilenumbr├╝che vor sich zu haben, w├╝rde man das als Prosa wahrnehmen und wahrscheinlich die Reime kaum  mehr heraush├Âren. Der Umbruch von einer m├Âglichen Lesart in gebundener Sprache hin zu einem "nat├╝rlichen" Prosa-Tonfall erfolgt f├╝r  mich ├╝brigens in Zeile 3. Bis dahin kann man noch versuchen, mit Anap├Ąsten (xxX) durchrhythmisiert zu sprechen (bei Sch├║l-tern l├ęgt muss man dieses Schema aber bereits verlassen), in Zeile 3 kollabiert aber diese Variante und ab da lese ich dann ohne metrische Bindung. Spannend! :)
Ansonsten eine kleine Korrektur: In der letzten Zeile muss es entweder hei├čen "wiegt meine Last nun nicht mehr als eine einzige Vogelfeder." oder "wiegt meine Last nun nichts mehr - wie eine einzige Vogelfeder."
Gern gelesen! :)
S.

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Wo Enzian und Freiheit ist / Re: Der Kuss der Sonne
« am: Mai 27, 2020, 09:21:52 »
Hey EV!
Ich mag Deine Meditation sehr ├╝ber Verluste und Gewinne, die wir im Vergangenen aufgehoben (doppelter Wortsinn) wissen. Formal sind Z2 und Z4 ein feines Spiel mit dem Instrument des Enjambements im gereimten Gedicht - das erzeugt f├╝r mich immer ein bisschen Rilkefeeling, weil er ein besonderer Meister in dieser Kunst war. :)
Was die von Dir angesprochenen F├╝llw├Ârter angeht: Ein Patentrezept gibt es hier nicht, aber ich spiele bei Gedichten oft mit der Wirkung einer Verk├╝rzung der Hebungszahl. Das bedeutet allerdings fast immer, dass das modifizierte Gedicht sich dann stark in Stimmung und Aussage wandelt, manchmal zum Besseren, manchmal zum Schlechteren, meist einfach nur zum Anderen... ;) H├Ąufig ist man dann gezwungen, ganz neue Formulierungen zu w├Ąhlen, weil es sonst metrisch oder reimtechnisch nicht mehr hinhaut.
Ich bef├╝rworte es aber sehr stark, immer wieder ohne Sentimentalit├Ąt Hand an ein Gedicht anzulegen, sich dabei auch von sch├Ânen Wendungen zu trennen und einfach mal zu schauen, was beim Herumbasteln herauskommt.
Zur Illustration, was ich damit meine, hab ich mal in Deinem Gedicht die Heberzahl von 6 auf 5 reduziert und dann versucht etwas regelhaft Gereimtes mit der 5-hebigen Vorgabe zu formen.
Das kam dabei raus (kein Verbesserungsvorschlag, es ist ja auch ein ziemlich tiefer Eingriff - also nur eine Et├╝de ;) ):


Der Frost ist aufgestiegen. Sonnenk├╝sse.
Ein s├╝├čer Duft im sanften Zug der Zeiten
hat sich gel├Âst, im Windeswiegen hisse
ich mein Erinnern, Jungsein, Gestrigkeiten,
Exil der Reue, Liebess├Ąumnis, wisse,
gesch├Ątztes Ich, dass ich Dich lang vermisse.
Verlust malt bunt sich ins Ged├Ąchtnis ein:
Nie will ich wieder jung wie heute sein.


LG! :)

S.

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Im Gras wispert Hoffnung / Re: Spielraum
« am: Mai 26, 2020, 16:17:45 »
Hi!
Die wichtige Rolle des Lesers beim Gedicht w├╝rd ich auch unterstreichen! In dem Zusammenhang musste ich gerade aktuell an eine k├╝hne Interpretation meinerseits eines Gedichts aus einem anderen Forum denken... gut m├Âglich, dass wir in den n├Ąchsten Tagen darauf nochmal zu sprechen kommen (Aufbau eines Spannungsbogens durch geheimnisvolle Andeutungen)... jedenfalls konnte ich meine Interpretation durch zahlreiche Textbeispiele ausf├╝hrlich begr├╝nden... und die "Aufl├Âsung" des Autors zeigte dann anschlie├čend, dass er an etwas in Richtung meiner Ausf├╝hrungen ├╝berhaupt nicht im Entferntesten gedacht hatte...  ;D Deshalb war meine Deutung nat├╝rlich nicht "falsch"... aber offensichtlich auch keineswegs objektivierbar oder mit Deutungshoheitsanspruch versehen... :)
LG!
S.

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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Wir in uns
« am: Mai 26, 2020, 15:59:39 »
Ha!!! :) Ich freue mich, EV, dass Du (wieder) da bist und jetzt bleibste aber auch hier, zum Donnerwetter!
Und Ihr spielt jetzt in den n├Ąchsten Tagen auch bitte nicht das Spiel, wer hat das letzte Wort in dieser Angelegenheit? ;) Das k├Ânnte f├╝r Mitleser ein wenig repetitiv werden ;)
Auf alle F├Ąlle sollte man Kriegsbeile nie zu lange benutzen... ich frag mich zum Beispiel schon sehr selbstkritisch und zweifelnd, ob ich nicht wirklich in Sachen Hans zu fr├╝h zu heftig reagiert habe... bin nicht ganz gl├╝cklich mit meinem Auf-die-Palme-springen in jener Angelegenheit... das nur mal ganz nebenbei als Lehrst├╝ck, dass man manchmal im Streit sich auch selbst ein bisschen entstellt und einem das durchaus dann noch l├Ąnger in den Knochen steckt...
LG Euch beiden!
S.

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Wiesengefl├╝ster / Re: Probleme (mit) der (modernen) Lyrik
« am: Mai 26, 2020, 15:51:26 »
 :) Naja... aber kl├Ąren l├Ąsst sich da schon eine ganze Menge! :) Nat├╝rlich nicht, wer "recht" hat und wer sich "irrt"... klaro... aber im Diskurs lernt jeder zun├Ąchst einmal seinen eigenen Standpunkt besser verstehen (das ist zumindest f├╝r mich gesprochen keine Selbstverst├Ąndlichkeit... oft habe ich vor einer Diskussion noch gar keinen so richtigen Standpunkt) und als Dreingabe versteht man dann vielleicht auch noch die Poetologie der anderen Teilnehmer... ist doch fein sowas! :)
Ich w├╝rde - nur als ├ťbung im ├Ąsthetischen Abgleich, nicht mit Missionierungsanspruch - zum Beispiel f├╝r mich sagen wollen, dass die beiden disktutierten Domin-Beispiele mich zwar sehr (sehr sehr sogar!) beeindruckt haben, aber nicht wirklich emotional ber├╝hrt... h├Ątte man bei mir beim Lesen dieser Zeilen irgendein fancy-funktionelles Kernspinged├Âns  veranstaltet, h├Ątte man wahrscheinlich meine rationalen und analytischen Hirnareale (gibts die ├╝berhaupt?) aufleuchten sehen und weniger die emotionalen (gibts wahrscheinlich auch nicht... dann ist das jetzt eben metaphorisch gesprochen.. ;) )....
Es gibt aber sehr wohl ungereimte Gedichte, die mich emotional packen und ber├╝hren... ich werf mal Gelegenheit Beispiele in die Runde, dann kann AL kontern und fragen: "Was isn das f├╝r K├Ąse?!"  ;D ;D ;D
LG!
S.

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