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Themen - gummibaum

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1
Zwischen Rosen und Romantik / Reimerei
« am: Januar 16, 2019, 20:45:28 »
Ich weiß nicht, was mich träumen lässt,
ich sei ein dürrer Baum,
und dass du kommst und gießt den Rest
am toten Wurzelsaum.

Und dass du dich dann zu mir setzt,
als sei ich jung und grün,
und meine kahlen Äste jetzt
auch ohne Blätter blühn…

2
Ach Natur Vergissmeinnicht / Hebelgesetz
« am: Januar 13, 2019, 21:11:51 »
Von einer Achse aus gesehen
wird sich ein Hebel nicht mehr drehen,
wenn das Produkt aus Weg und Kraft
auf beiden Seiten Gleiches schafft.

Des Lebens Lasten anzuheben,
ist mir nur wenig Kraft gegeben.
Der Weg, den meine Seele geht,
muss lang sein, bis Balance entsteht.

Doch lässt mich jede Last im Leben
in Kraft verwandelt schließlich schweben.
Der „Hebel Leben“ drückt sich nicht
vor dem Gesetz zum Gleichgewicht…

3
Das Blöken der Lämmer / Nachwuchs
« am: Januar 11, 2019, 15:47:57 »
In meiner großen Vorstadtvilla
wird er mit Ammenmilch gesäugt:
Mein kleiner Sohn, der Halbgorilla,
den ich in Afrika gezeugt.

Er hat die Mutter, kaum geboren
in unserm Urwaldparadies,
an Häscher eines Zoos verloren,
als sie ihr Kindbett kurz verließ.

Noch ist ihm kalt im deutschen Norden.
Er schläft in meinem Tropenhelm.
Doch ist er schon recht keck geworden
und fast wie ich ein echter Schelm…

4
Der Mann mit Namen Herbert war Chef in einer großen Fabrik. Er hatte viel Geld, fuhr tags Ferrari, nachts Lamborgini, die Villa lag stilvoll am See. Natürlich trug er nur seidene Krawatten, trank ständig Sekt und rauchte Havanna. Leider aber ging die Fabrik eines Tages pleite, wie heute ja dauernd eine pleite geht, und der Boss war jetzt nur noch Abteilungsleiter in einer Bank, einer kleineren Regionalbank, und wohnte in einem Bungalow. Anfangs lief alles normal, er sparte auf einen neuen Mercedes. Da verspekulierte sich die Bank im Aktiengeschäft und Herbert wurde wegrationalisiert und stand wieder auf der Straße. Das Arbeitsamt gab ihm eine Hausmeisterstelle in einer Schule, aber es war eine Zwergschule, die bald schloss und so gab es keine Arbeit mehr, so sehr er auch danach suchte. Und er hatte kein Geld mehr. Und saß in einer Hütte, durch die der Wind pfiff. Und das kurz vor Weihnachten. Ganz allein. Herbert grübelte, rang die Hände, zitterte und wollte schon weinen. Doch dann sagte er leise zu sich selbst: ich will mir einen Tannenbaum holen.

Herbert ging in einen Baumarkt. Er suchte drei Sägen aus, ein große, eine mittlere und eine kleine. Denn er wusste nicht, welche Art Baum er sich wünschte. An der Kasse zahlte er nur die kleine, die andern hatte er unterm Mantel versteckt. Das war sein letztes Geld gewesen.

Im Wald fand er gleich die Schonung. Die Tannen standen hier dicht an dicht, als Weihnachtsbäume zum Fällen gepflanzt, alle in der richtigen Größe. Aber Herbert sah all die Bäume und fand sie langweilig. Er konnte sich nicht entschließen. Die große und die mittlere Säge störten ihn beim Gehen. Er warf sie in die Schonung und dachte, dass die Waldarbeiter sie brauchen könnten. Es dämmerte schon, als er auf eine Lichtung kam. Und dort stand ganz allein zwischen großen, den Platz umsäumenden Tannen, ein winzig kleines Bäumchen, dass eine Haube aus frisch gefallenem Schnee trug. Es zitterte im kalten Abendwind. Doch als Herbert stehen blieb und sich zu ihm hinunterbeugte, war ihm, als ob das Zittern aufhörte. Da nahm er kurzerhand die kleine Säge und durchschnitt den Stamm. Dann trug er das Tännchen unter dem Mantel heim.
In seiner Hütte klemmte er es im Riss eines alten Holztisches fest. Er nahm aus einem verschlissenen Koffer eine staubige Weihnachtskugel, die er, unschlüssig, wohin er sie hatte wegwerfen sollen, schließlich eingepackt und hierher mitgenommen hatte. Die hängte Herbert sich jetzt an einen der beiden kleinen Zweige des Baums. Da der Baum unter der Last sofort zur Seite kippte, machte er auf der anderen Seite eine Kerze fest und zündete sie an. Es gab ein warmes Licht, das den Baum und Herbert brüderlich verband.
Am nächsten Tag, es war Heiligabend, ging Herbert wieder in den Wald. Er wusste nicht, was er hier wollte, hatte aber einen Sack gestohlen und bei sich, weil ihm nach Geschenken war. Er atmete die kalte Luft, die würzig und irgendwie nach Freiheit schmeckte. Bisher hatte Herbert keine Freunde gehabt. Jetzt hatte er einen. Den Baum.
Er dachte an die Fabrik zurück, an sein Haus, seine Autos und seine Einsamkeit. Dann fielen ihm die andern Arbeitslosen ein, die er auf dem Arbeitsamt gesehen hatte und später in dem Dorf, an dessen Rand er jetzt wohnte, zurückgezogen, weil er nicht zu ihnen gehören wollte.
Als er an die Lichtung kam, fand er jetzt weitere Zwergtannen, die er gestern gar nicht bemerkt hatte. Vielleicht zwanzig. Er schnitt alle ab, befreite sie vom Schnee und schob sie in den Sack. Es war schon dunkel, als er das Dorf erreichte. Ein Polizeiwagen bog um die Ecke und Herbert versteckte sich schnell hinter einer Litfaßsäule. Großes Weihnachtskonzert, stand darauf, 20 Euro. Herbert stand noch unschlüssig, als ein Mann in löchrigen Hosen die Straße herunterkam. Tag, Andreas, sagte Herbert, denn er erinnerte sich, im Lottogeschäft den Namen gehört zu haben, hab was für dich. Was denn, Zigaretten?, antwortete der Mann und griff erfreut in den Sack. Au, das sticht, rief er, willst du mich verarschen? Nein, sagte Herbert, keine Zigaretten, ein Bäumchen, magst du? Hm, ja, sagte Andreas, warum nicht. Ist ja Weihnachten. Und als Arbeitsloser ohne Geld krieg ich ja sonst keins. Schmück es aber, bestand Herbert, sonst ist es traurig. Wird gemacht, sagte Andreas und gab ihm die Hand. Als Herbert weiterging, traf er immer mehr Arbeitslose und bald war sein Sack leer.

Herbert ging in seine Hütte, begrüßte seinen kleinen Freund und zündete die Kerze an. Dann sang er für ihn ganz leise: Oh, Tannenbaum...
Es klopfte an seiner Tür. Draußen hörte er Stimmen. Als er aufmachte, sah er Kerzenschein, Kugeln, kleine Weihnachtsbäume und fröhliche Gesichter. Komm, Herbert, wir wollen auf dem stillen Dorfplatz zusammensitzen. Keiner soll heute allein sein. Herbert traute seine Augen nicht. Dann nahm er sein kleines Bäumchen, schütze das Licht mit der Hand vor dem Wind und folgte ihnen. Alle saßen sie jetzt in der Runde und sangen: Oh, Tannenbaum...
Herbert wusste, dass es das schönste Weihnachten war, das er je erlebt hatte. Und dass ein Räuber ein guter Mensch sein kann.

5
Das Blöken der Lämmer / Crème de la Mer
« am: Januar 06, 2019, 13:48:33 »
Die Crème, sie hauchte salbungsvoll:
„Ich möchte dich verwöhnen.
Was rau und runzlig war, das soll
den Teint mit Frische krönen!“

Schon glitt sie über meine Haut
und drang in alle Poren.
Sie wurden feucht und seufzten laut
und schienen neu geboren.

Da aber rief mein Tränensack
zu Krähenfuß und Falten:
„Lasst uns gestrafft und wie ein Lack
ihn ewig so erhalten!“

Nun trag ich zwar des Alters Sold
schon lang auf müden Füßen,
doch strahlt mein Antlitz kindlich hold
und lässt euch zeitlos grüßen…

6
Das Blöken der Lämmer / Tipp für Trump
« am: Januar 04, 2019, 22:41:43 »
Die neue Mauer, heißt es, halte
man für zu teuer. Es herrscht Patt.
In China steht noch eine alte,
die gibt es sicher mit Rabatt…

7
Verbrannte Erde / Khashoggi
« am: Januar 04, 2019, 09:17:27 »
Er war dabei, sein Glück zu finden
und brauchte nur noch ein Papier.
Die Mörder ließen ihn verschwinden,
und viele andre schwiegen hier…

8
Das Blöken der Lämmer / 1.1.
« am: Januar 01, 2019, 20:33:24 »
Mein Böller lag vorm Haus zerfetzt.
Ich wollte grade fegen,
da ließ man ihn als schwerverletzt
ins Krankenhaus verlegen.
 
Und kaum saß ich am Klinikbett,
ergriff man mich behende,
damit ich ihm (ich sei doch nett)
nun die Organe spende...

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Das offene Buch
« am: Dezember 30, 2018, 12:29:32 »
Wenn ich das Zimmer frühs betrete,
liegst du noch immer offen da,
als hätten deine Nachtgebete
gesprochen, was ich träumend sah.

Gleich fühle ich mich eingeladen,
zu schauen, was die Seite zeigt,
im Gestrigen mich kurz zu baden,
damit es in ein Heute zweigt.

Du bist die Brücke zwischen Tagen
und auch die Tiefe unter ihr,
in die ich mich, von dir getragen,
so lustvoll schaudernd gern verlier…



10
Das Blöken der Lämmer / Mein kleiner Böller
« am: Dezember 30, 2018, 11:00:24 »
Ich muss nicht mehr den dicksten zünden,
und auch den längsten brauch ich nicht.
Mein Böller bleibt aus Altersgründen
am letzten Tag des Jahres schlicht.

Den Bastelspaß hab ich genossen.
Sein Pulver ihm genau gemischt.
In Walnussschalen eingeschlossen,
damit es knallt und nicht bloß zischt.

Die Zündschnur mache ich ihm länger
als sonst und zünd sie freudig an,
weil so mein kleiner Doppelgänger
das Vorspiel lang genießen kann…

11
Das Blöken der Lämmer / Rund um Weihnachten
« am: Dezember 28, 2018, 13:42:32 »
In Goldschrift

Der junge Mann wird plötzlich alt,
als er das Nachbarhaus betritt.
Sein Rentierschlitten sei im Wald,
so murmelt er mit müdem Schritt.

Der Sack, der gleich im Eingang stand,
der käme, spricht er, von weit her.
Am Nordpol habe er das Band
geschnürt, und er sei furchtbar schwer.

Er setzt sich jetzt zum Christbaum, nimmt
ein Softwarebuch zur Hand und fragt
den kleinen Tim, ob das denn stimmt,
was ihm ein Satz in Goldschrift sagt.

Dem Kleinen wird ganz heiß und kalt.
Er stottert: „Ja, ich hab gespickt!
Ich sah dich gestern schon im Wald
mit Mama, und ihr habt gef…“


27.12.

An vielen Kassen lohnt zu lauschen,
was heut, am dritten Weihnachtstag,
erfunden wird, um umzutauschen,
was man inzwischen nicht mehr mag.

„Dies Puzzle will ich reklamieren.
Die Einzelteile sind zu klein!
Das Baby wollte sie probieren
und ist erstickt am ersten Stein.“

„Die Packung Boxershorts war offen,
und jedes Teil war schon benutzt.
Der Umtausch geht, so will ich hoffen,
kulant. Der Bon war auch beschmutzt.“

„Mein neuer Fighter hat beim Laden
der Disc aus ihrem Schlitz gequalmt,
und fehlgesteuert durch den Schaden
die X-Box innerlich zermalmt.“

Ich wüsste euch noch hundert Schoten
von diesem ersten Umtauschtag,
doch halte ich es für geboten,
das jeder selbst hört, was er mag…


12
Das Blöken der Lämmer / Opas Grundreinigung
« am: Dezember 25, 2018, 20:57:58 »
Vor Weihnachten hab ich geputzt.
Der Staub lag dick auf allen Tischen.
Ein Staubtuch hab ich nicht benutzt.
Ich saugte einfach statt zu wischen.

Dabei hat es im Sauger-Rohr
mitunter wie Metall geklingelt,
und heute fehlt an Omas Ohr
der Ring, der sich ins Läppchen kringelt.

Die Enkeltochter weint und sucht
vergeblich Spangen für die Zöpfe.
Der Sohn im Galaanzug flucht.
Ihm fehlen die Manschettenknöpfe.

Die Schwiegertochter trägt am Hals
die letzte, hässlichste der Ketten.
Die edlen waren keinesfalls
vor dem frappanten Sog zu retten.

So kommen wir zum Weihnachtsschmaus
geplündert, und die Festtagsente
sagt warnend: „Pack den Staubsack aus!
Er frisst an deiner schmalen Rente…

13
Verbrannte Erde / Die Brück' am Tay
« am: Dezember 23, 2018, 14:34:17 »
Ich bin die größte aller Brücken.
Auf meinen Schultern rollt der Zug
hoch übern Fluss. Doch hat mein Rücken
durch Pfusch beim Bau kaum Kraft genug.

Die Winde spüren, dass ich wanke.
Wie böse Hexen lachen sie,
und boxen sie mich in die Flanke,
vibriert das Eisen bis ins Knie.

Seit Weihnacht sind sie ganz verschworen
und wachsen heute zum Orkan.
In früher Nacht steh ich verloren
und harr des letzten Zuges Nahn.

Vom Brückenhaus erreicht mich Schimmern.
Der Lichterbaum will wohl im Spuk
dem Brückner etwas Hoffnung zimmern -
Lenkt doch sein eigner Sohn den Zug.

Da naht er sich, die Gleise beben
und singen nun im Sturm ihr Lied.
Mir schwindelt, doch ich halt die Streben,
so fest es geht, mit jedem Niet.

Schon ist die Lok in meiner Mitte.
Die Wagenfenster leuchten froh.
Ich hauche eine letzte Bitte.
Da brüllt der Sturm und packt mich roh.

Er schüttelt mich, er reißt die Wagen
auf meinen Schienen hin und her.
Ich schrei: „Ich kann euch nicht mehr tragen!“
Und plötzlich sind die Schultern leer.

Ein Feuerstrahl fährt in die Tiefe,
das Wasser drunten faucht und steigt.
Mir ist noch lang, als ob wer riefe,
doch hat sich niemand mehr gezeigt…


(Nach Fontanes Ballade)

14
Das Blöken der Lämmer / Das letzte Korn
« am: Dezember 22, 2018, 09:47:15 »
Die Sanduhr wurde umgedreht,
der Sand begann zu rinnen.
Die Zeit sah zu, wie sie vergeht.
Hielt an, sich zu besinnen:

Ein letztes Sandkorn lag nun da,
als dürfe es nicht fallen.
Erst als die Zeit sich darin sah,
fiel es hinab zu allen...

15
Verbrannte Erde / Der Schlitz
« am: Dezember 20, 2018, 17:59:22 »
Mein Brief verschwand im gelben Kasten.
Die Reue traf mich wie ein Blitz.
Verzweiflung ließ mich nach ihm tasten.
Ich scheiterte am engen Schlitz.

Seit diesem Tag träum ich von Schlitzen,
die sich mir freundlich öffnen und
sobald sie was von mir besitzen,
verschließt sich ihr gestrenger Mund.

Mein Herz beginnt vor Angst zu schwitzen,
kaum dass ich meine Lider schließ,
und wie aus hundert Zitzen spritzen
die Gifte, die der Hohn mir ließ…

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