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Themen - Agneta

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1
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Und als sie ging
« am: Januar 10, 2019, 11:53:19 »
Und als sie ging

I

Und als sie ging, hing etwas wie ein Ahnen
um dieses Haus, das seelenleer und stumm
im Winde stand, als wolle es sie mahnen,
als frage es sie vorwurfsvoll, warum.

Und als sie ging, da schmerzten ihre Glieder,
ein jeder Blick tat ihrer Seele weh.
Sie wusste doch, sie käme niemals wieder,
denn eine Stimme in ihr drängte: Geh!

Denn immer wieder war sie so gegangen,
ganz ohne sich noch ein Mal umzudrehen,
die Tränen wie im Eiskokon gefangen.
Nein, niemals sollte diese jemand sehen.

Sie ging - der Wind war immer ihr Gefährte -
und ignorierte, was er sie einst lehrte.

II


Der Wind war ihr stets wie ein Freund gewesen,
so oft trieb er sie an, voranzugehen.
Sie konnte in ihn horchen, in ihm lesen,
doch diesmal konnte sie ihn nicht verstehen.

Nun bläst er immer stärker um den Wagen
und heult, grad so, als wolle er ihr drohen.
Das Lenkrad rollt um ungelöste Fragen,
als wäre sie vor irgendwas geflohen.

Und neben ihr ergießt sich tiefes Tal.
Der große Wagen wirbelt wie ein Blatt,
er schleudert quer. Sie riecht verschmortes Leder.

Ein Bild schwebt ihr, so sanft wie eine Feder:
Wie sie ihr kleines Kind zum ersten Mal
in jenes alte Haus getragen hat.









2
Eulenspiegeleien / Von Nuss- und andren Kackern
« am: Dezember 28, 2018, 10:00:54 »
Von Nuss- und anderen Kackern


Willst deiner Weihnacht du nicht schaden,
dann musst du nur die Leute laden,
die du sehr gern hast, die dich lieben.
Zur Weihnacht musst du einfach sieben.

Die andren, die Korinthen kacken,
die lass allein die Nüsse knacken
und sieh, die Weihnacht wird ein Fest,
wenn du all die nicht kommen lässt.


Inspiriert von meinem 3 j.-jährigen Enkel, der meine edle Weihnachtsdeko „Nusskacker“ nannte.

3
Erzählungen von Tausend und einem Halm / Herr Kunert
« am: Dezember 22, 2018, 13:00:26 »






Herr Kunert

Herr Kunert beugte sich aus seinem Fenster in der  zweiten Etage der vierstöckigen Mietwohnungsanlage. Er beugte sich weit aus dem Fenster, denn unten stand ein Umzugswagen. Mit gekräuselter Stirn beobachtete er die Kopftuch tragenden Frauen, die sich plappernd und lachend vor dem Wagen versammelten, bereit, in seine heile Welt einzufallen wie ein Heuschreckenschwarm.
Herr Kunert hatte immer alles gern im Blick, er wusste gern Bescheid. Und nun wusste er Bescheid. Mit einem Schlage wurde ihm klar, dass diese türkische Familie seine neuen Nachbarn sein würden. Und die Frau war schon wieder schwanger.
Geringschätzig verzog er sein Gesicht. Er mochte keine Kinder, auch keine Hunde. Harz-Vier-Empfänger, wie den Möller von ganz unten, der sommers für die Kinder ein Plastikschwimmbecken aufbaute und die Blagen mit Süßigkeiten abfüllte – den mochte er schon gar nicht. Alle Kinder hatte er aus dem Haus geekelt, sich bei der Verwaltung über zu viel Lärm beschwert, Schmutz und was Kinder sonst noch so machen.
Ein Mal hatte er sogar die Polizei geholt, weil ein Fahrrad tagelang im Kellerflur stand. Sowas geht eben nicht- dafür gibt es doch schließlich Fahrradkeller!
Von Alleinerziehenden hielt er auch nicht viel. Doch die Alleinerziehende, die ganz oben wohnte, die war anders. Anständig eben. Ging jeden Tag arbeiten, studierte noch und die Eltern kamen mit einem fetten Mercedes. Ihr hatte er sogar sein teures Laminat gezeigt und sie hatte wohl erzogen gelobt, wie schön seine Wohnung doch wäre. Ein Mal am Kindergeburtstag aber musste er doch oben klingeln, um zu fragen, ob es nicht etwas leiser ginge. Obwohl die Wohnung zwei Stockwerke über ihm lag. Aber irgendwie konnte er das Lachen im Hausflur nicht ertragen. Seine erwachsenen Kinder besuchten ihn nie, seine Enkel kannte er nicht. Seine Frau litt darunter, er nicht. Undankbare Blagen eben, man tut alles für sie und dann lassen sie sich nie wieder blicken..
Die fein gekleidete Mutter der Alleinerziehenden war an die Tür gekommen, als er geschellt hatte, um sich zu beschweren. Sie trug einen Brilliantring, der teuer war.. So was sah Herr Kunert sofort. Ja, bitte? hatte sie gesagt und es hatte sich angefühlt, als spreche sie zu einem Dienstboten. Ja bitte, Herr Kunert! Sie möchten doch meinem Enkel nicht den Geburtstag verderben? Dabei hatte sie auf der einen Seite einen afrikanischen Mischling im Arm und auf der anderen das kleine Geburtstagskind. Herr Kunert möchte dir zum Geburtstag gratulieren, denke ich, Mäxchen.  Und ihr Blick war vernichtend gewesen.
Herr Kunert hatte keinen Ton mehr herausgebracht und daran gedacht, dass ihr Mercedes größer war als seiner. Er stand vorm Haus. Mit Kölner Nummer, blau metallic, ein Schiff quasi.
Und doch hatte jedes Jahr zu Weihnachten ein Christstern vor seiner Wohnungstür gestanden mit einer netten Weihnachtskarte. Von der Alleinerziehenden. Ja, sie war anders. Aber vor der Tür von dem Möller stand auch einer. Und das ärgerte Herrn Kunert
Aber jetzt zogen hier neben ihm Türken ein. Und über ihm wohnten Serben. Immer freundlich, aber das Kind fuhr nachts mit dem Bobbycar durch die Wohnung und die Eltern lachten nur. Andauernd hatten sie Besuch und es war laut, sehr laut bis nach Mitternacht.
Doch als er die Verwaltung anschrieb, antworteten die ihm ganz frech, dass er sich nun so oft beschwert habe, dass es langsam genug sei.
Er hatte es der Alleinerziehenden erzählt, verzweifelt, denn die konnte es gut mit den Serben. Ob sie die nicht mal fragen könnte… Mitleidig hatte sie gesagt:“ Ja, Herr Kunert, jetzt ist es wirklich laut. Das tut mir leid für sie, aber die haben eben eine andere Mentalität. Versuchen Sie es doch einfach mit Freundlichkeit.“ Sie hatte wohl mit der Frau darüber gesprochen, als sie zusammen Tee getrunken hatten und serbischen Kuchen gegessen. Aber geändert hatte sich nichts.
Und nun zogen neben ihm auch noch Türken ein.
Daran musste Herr Kunert nun denken, während er am Fenster wahrnahm, dass immer mehr Verwandtschaft aus beladenen PKW stieg und lärmend und plappernd zum Hausflur strebte. Zwanzig Leute waren das bestimmt schon. Wie im Hühnerstall, dachte er und seine Schulter rechts verkrampfte sich. Und doch waren da auch die Worte der Alleinerziehenden, die ihn nicht losließen -  irgendwie.
Nach einer Weile und einem inneren Kampf öffnete er seine Wohnungstür. Gegenüber stand die Türe offen und er schaute neugierig auf die bunten Teppiche, die jeweils zu einer Rolle gewickelt, an der Flurwand lehnten. Ein dunkelhaariger Mittzwanziger sah ihn misstrauisch an. Guten Tag, willkommen… irgendsowas wollte Herr Kunert sagen. Etwas Freundliches eben. Bevor er jedoch dazu kam, hatte der Mann die Wohnungstür schon zugeschlagen.



4
Wiesengeflüster / Frohe Weihnachten
« am: Dezember 22, 2018, 12:59:51 »
wünsche ich allen Mitautoren. Macht es euch schön.
 LG von Agneta

5
Eulenspiegeleien / Pöttekieker
« am: Dezember 15, 2018, 19:36:21 »
Pöttekieker

AKK – das hört sich so an wie eine Luxusserie von Kochtöpfen mit Druckausgleich und Dämpfsieb. Töpfe. mit denen selbst der Dümmste kochen kann, in denen nie die Sauce anbrennt und von deren Rand sich jeder Fleck abwischen lässt, um spurenlosen Glanz spiegeln zu können.
Die ganze Familie wird mitgenommen. Der junge Bengel, der auf Figur und äußerliche Wirkung achtet. Da passt kein Span zwischen Gürtel und Hose.
Der eher empathielos wirkende, leicht patriarchalische Papa, der jeden Sonntag seinen Gulasch haben will und ansonsten hauptsächlich die Börsenkurse liest.
Bilderbuchkarriere, ein Topf mit vielen Deckeln, der immer eine Nasenlänge voraus ist.
Blank geputzt von allen Muddis oberer Schichten, die selbst mit drei Kindern Beruf und Karriere problemlos miteinander verbinden können. Bieder, verlässlich und echte deutsche Wertarbeit. Ein super ehrliches Weihnachtsgeschenk für jeden in diesem Land. Ein Muss sozusagen. Wie sagen die in den Verkaufsfernsehsendern immer? Ein echtes IT-piece.
Was fürs Leben, mindestens für die nächsten achtzehn Jahre.
Auf den Herd mit Induktion gehievt, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen, von Schwiegermuddi, tritt dieser Topf nun an, die Suppe herunterzukochen, die diese angerührt hat.
AKK- alles andere als Gretchen, eher Angie, äh, Anni Karriere, Kirche , Kinder.

Die Homo-Verheirateten dürfen am Tisch leider nicht mitessen. Auch die Ärztinnen, die abtreiben, nicht. Das würde dem christlichen Nächstenbild von AKK nicht entsprechen. Was oder wer  aber ist denn ein christliches Vorbild? Die erzkatholische Kirche, die es bis heute nicht schafft, zu ihren Mißbrauchsverfehlungen zu stehen? Wie viele sind denn in Deutschland praktizierende Katholiken? Die Mehrheit sind doch Atheisten, Andersgläubige oder Protestanten. Back to the roots? Erzkatholisch und hinterm Mond?

In diesem  Suppentopf schwimmen bestimmt noch Markklößchen, selbst gemacht natürlich.
Solch einen Klops musste auch Merz schlucken. Er hatte außer Topfschlagen auf Aluguss nicht viel zu bieten. War wohl zu lange raus aus der Suppenküche, ihm fehlte das Fingerspitzengefühl für die richtige Würze.
Pikant jedoch der zweite Wahlgang und das Angebot, weiter mitkochen zu dürfen. Zum Zwiebelschneiden in Muddis Kochkabinett war er sich aber zu schade, machte auf Black Rock , lächelte und dachte:„Dann erstickt doch an eurer (Ucker)Marksuppe. Ich hasse Markklößchen. Schon immer!“
Wer nun  nicht verstehen will, dass ein Klassebraten besser im Gusstopf schmort als im Luxus-Alu-Topf, der braucht sich hinterher auch nicht über die Haare in der Sauce beschweren. Für alle Delegierten und die, die es werden wollen: Bon Appetit.
Und Muddi macht die Raute, lächelt, schlemmert ein Markklößchen und weiß:
Niemals geht man so ganz!  Wenn man den Deckel schön drauf hält.



6
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Überfordert (Ghasele)
« am: Dezember 12, 2018, 10:30:43 »
Überfordert


Es schlürfte, gurgelte das braune Watt,
das Land umzu war überschaubar, platt.

Kein Baum besäumte jenen stillen Grund.
Die Frau an seiner Seite schlurfte matt.
Die Nacht fiel still bis auf den Meeresgrund,
der vieles schon in sich verborgen hat.

Er schleifte sie, er schleppte sie zum Meer
und zog das kleine Kind stumm hinterher.

Sie sollt die Flut sehn in des Mondes Rund.
Ihr Schritt war müde, ihre Augen leer.
Die Flut war mit dem Teufel heut im Bund,
sie bog sich auf. Es roch nach Tang und Teer.







7
Eulenspiegeleien / Weihnachtsmann
« am: Dezember 07, 2018, 11:27:15 »
Weihnachtsmann

Es hatte mich gewarnt
ein Etwas, tief in mir.
Man hatte mich gewarnt.
Ich öffnete die Tür.

Es hatte sich getarnt
ein Etwas, draußen vor.
Als Weihnachtsmann getarnt.
Ach, machet hoch das Tor!

Sein weißer Bart, konkav,
erzitterte im Licht.
Na, warst du denn auch brav?
Tja, Jung, ich weiß es nicht.

Er spitzt' den Mund zum Kuss,
das war so seine Art.
Es zitterte sein Bart.
Da gab’s schon auf die Nuss.



8
Zwischen Rosen und Romantik / Weihnachtstränen
« am: November 26, 2018, 18:48:45 »
Weihnachts-Tränen

Tage, die so voller Licht,
waren – sind nicht
mehr.

Platz am Tisch bleibt leer,
seiner, ihrer,
die die Kindheit trugen
mit der Weihnacht in die Stuben.

Nie war es der Gabentisch,
der die Weihnacht leuchten machte.
Wärme, die aus Augen lachte,
war es, die uns wir sein ließ.

Tage, die so voller Licht,
waren,
denn ihr seid nicht
mehr.
 

Für meine Eltern

Anbm. Aus meinem Lyrinband "Lyrische Kristalle", 2014

9
Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Es war die Zeit
« am: November 18, 2018, 11:16:14 »

Es war die Zeit

Es war die Zeit, da alle Bäume lauben,
und Nächte sich das Licht vom Eismond leihen,
die Menschen wieder an Geschichten glauben
und Martinsfeuer rote Zungen speien.

Es war die Zeit, da Kinderaugen strahlen,
in kleinen Händen die Laternen baumeln,
die Licht in einen grauen Abend malen,
derweil am Himmel Wolkenschiffe taumeln.

Es war die Zeit, da sie Rezepte las
für Plätzchen, die schon ihre Oma buk
und deren Duft sie niemals mehr vergaß,
wenn Wind ihn über kahle Felder trug.

Dann zog in ihr die tiefe Freude ein,
von einem schönen Großen Teil zu sein.



10
Verbrannte Erde / Neue Wohnung
« am: November 16, 2018, 08:49:37 »
Neue Wohnung

Sie ist nicht angekommen,
sie ist hier nicht zuhaus.
Sie will hier raus,
sie will hier weg.
Jedoch, wohin?

Ihr Haus ist ihr genommen,
das machte ihr nichts aus.
Doch wo ist ihr Zuhaus?
Oh, welch ein Graus,
sie will hier weg.
Jedoch, wohin?

Zur Einweihung gekommen
Bekannte und die Fremden
in faltenlosen Hemden.
Ach, welch ein Schreck,
jetzt sind sie weg.
Jedoch, wohin?

Ihr Haus ist ihr genommen,
das machte ihr nichts aus.
Doch wo ist ihr Zuhaus?

11
Eulenspiegeleien / Erneuern
« am: November 09, 2018, 10:52:26 »
Erneuern

Erneuern heißt die neue Phase,
dem Bürger bleibt die lange Nase
mit neuen Köpfen, gleichem Lächeln,
die dicke Luft seicht von sich fächeln.

Und böse Zungen munkeln, unken,
was jene Kandidaten funken,
Ach, wärn sie Kanzler irgendwann,
was denkst du, täten sie wohl dann?

AKK
Sie zieht den Karren aus dem Dreck,
der doch für sie nicht drinnen steckt,
und heimlich ruft sie Muddi an.
Wir schaffen das – so bleibt die dran.

Spahn
Befüllt den Karren noch mit Dreck
und lockt dabei mit fettem Speck.
Doch werden Muse Krümel picken,
und Spahn verteilt ein Gönner-Nicken.

Merz
Der Mann hat noch ’ne Rechnung offen,
so ganz persönlich im Gepäck.
Die Rechnung denkt er zu begleichen,
ob das als Intention wird reichen?

Drum jeder, der auch immer kommt,
ist einer, der sich selber frommt.
Denn alle sind mit sich im Lot
und sitzen doch im selben Boot.

Dem Bürger schwellen Schnupfen-Nasen,
allergisch auf Erneuerphrasen.
Doch Bürger-Dummkopf: Komm dahinter,
laut Politik kommt die vom Winter.

12
Wo Enzian und Freiheit ist / Zuversicht
« am: November 04, 2018, 11:54:14 »
Zuversicht

Und wenn die Sommervögel schnatternd ziehen,
als hätten sie den Mut sich nur geliehen,
dann malen sie der wehen Sehnsucht Bilder,
und eine weiße Sonne scheint uns milder.

Und wenn die Menschen Kerzen sich entzünden,
mag das im Dunkel noch von Hoffnung künden.
Dann lächeln sie, denn keins ist je verloren.
Mit ersten Primeln wird es neu geboren.



13
Wo Enzian und Freiheit ist / Der Termin
« am: Oktober 29, 2018, 12:20:10 »
Der Termin

Der Tag frisst Löcher in die Nacht, bis ihr samtenes Blau in schmalen Fetzen in den Pappeln hängt. Die ersten Vögel zwitschern. Und Anna hat heute diesen Termin.
Wie damals ist sie früh aufgestanden, um in der unberührten Stille des Morgens Kraft und Ruhe zu finden.
Auf dem Dunkel ihres Balkons verborgen hatte sie den Hotelwächter beobachtet, der im braunen Burnus der Nachtkälte getrotzt hatte. Der lange Dolch baumelte ihm an der Hüfte, stets griffbereit. Das war vierzig Jahre her. Es war der Tag gewesen, an dem sie ihre erste Rundreise durch die Sahara leiten würde. Mit einundzwanzig Jahren würde sie Verantwortung übernehmen für über dreißig Personen. Der Wächter schaute kurz hoch, begrüßte sie, die Fremde, mit einem Kopfnicken. Er würde ihr nicht helfen können.
Der Tag frisst Löcher in die Nacht und Nebelfäden winden sich um die Zweige der Bäume. Ein paar Autos fahren schon auf der dahinter liegenden Straße. Gespenstisch funkeln ihre Lichter. Und heute hat sie diesen Termin.
Eine Taube hüpft unruhig auf dem dünnen Ast der nahen Pappel, schaut herunter auf die Tonschale, die die unbekannte Nachbarin jeden Morgen mit frischem Wasser für die Vögel füllt. Sie traut sich nicht. Reckt den Hals, wippt. Und dann erhebt sie sich doch und fliegt herab zum köstlichen Nass. Anna lächelt.
Damals hatte sie es geschafft. Die Rundreise verlief perfekt und mit der Zeit machte sie sich einen Namen als beste und für die Einheimischen engagierteste Reiseleiterin in Marokko. Schon bald war sie keine Fremde mehr.
Der Tag hat Löcher in die Nacht gefressen. Die Nachbarn in der Wohnanlage stehen langsam auf. Ungewohnte Geräusche dringen an Annas Ohr. Sie ist erst vor kurzem hier eingezogen. Erste Fenster erstrahlen in den erwachenden Morgen. Wie hingestreute Goldkleckse sehen sie aus. Sie blinken fast wie  der Sand der Sahara, der von Stolz und Unbezwingbarkeit erzählt und jedem, der ihn liebt, seine ganz eigene Geschichte mitgibt.
 Die Luft ist kalt. Sie riecht nach Schnee und hat Anna hat heute diesen Termin.



14
Wo Enzian und Freiheit ist / Eruption
« am: Oktober 20, 2018, 10:15:02 »
Eruption

Aufgesprungen
ist die Kruste alter Fragen.
Worte wälzen sich
wie Lavamasse
über Gegenwart.

Ausgespuckt
aus Seelenkratern,
rollen Magmazungen
über Schein und Heiligkeiten
von vier Jahrzehnten,

bahnen mir den Weg
zur Freiheit.
Endlich
ist ein jeder Strom.
Kein Gras wächst jemals noch darüber.

15
Wiesengeflüster / Super Werke im Moment
« am: Oktober 16, 2018, 19:28:00 »
Liebe Mitautoren,

mit großer Freude habe ich mir heute mal wieder richtig Zeit für die Wiese genommen. im Moment stehen sehr schöne und lesenswerte, nachhaltige Gedichte drin.
Lasst uns dies Ansporn sein. es macht Spaß und Cyparis freut es sicherlich auch fürs Forum. Smilie Grins.
LG aus einem sonnigen Leverkusen von Agneta

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