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Erzählungen von Tausend und einem Halm / Re: Angeschossen
« Letzter Beitrag von Agneta am Mai 18, 2019, 21:31:46 »
Das macht dich zu gar  nichts, was man verurteilen müsste, lieber Erich. Mir geht es ähnlich wie dir. Zu Menschen, die ich nicht liebe ( und die ich liebe,das sind genau 5) , kann ich ziemlich gleichgültig sein. Ich denke, es gibt einfach Menschen, so wie dich und vielleicht etwas weniger extrem auch mich, die mit sich selbst genug sind und nicht die "große Masse" benötigen. Für Selbstbestätigung oder Lebensgefühl.
Bei nahestehenden Menschen, die dir offenbar nicht nahe stehen, gibt es sicherlich eine plausible Erklärung, die in der Vergangenheit und in deren Beziehungsverhalten liegt. Nicht immer ist man selber schuld, Erich. es gibt auch andere, die sich schuldig machen, es aber nicht zugeben.

Ich traue dir zu, dass du durchaus Empathie für deine Schüler hast und zu den Menschen, denen du Vertrauen schenkst.
Es ist auch eine Charakterfrage. Nicht jeder- und da schließe ich mich durchaus ein, möchte jedermanns Freund sein und somit jedermanns Narr.
Selektion ist kein Fettnäpfchen, sondern eine für mich legitime Wahl, mit wem ich zu tun haben will oder nicht.

Wir kennen uns über die Foren schon recht lange und für mich kann ich sagen, dass du mir und meinen Werken gegenüber immer empathisch und feinfühlig aufgetreten bist. Dafür bedanke ich mich. Was andere sagen mögen über dich, falls es von meiner Meinugn abweichen sollte, das interessiert mich nicht. Weil ich mir ohnehin immer meine eigene Meinung bilde und die ist in den seltensten Fällen identisch mit der der großen Masse der anderen.
Mach dir keinen Kopf. Sei einfach Du.

LG von Agneta
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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Frau Venus
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Mai 18, 2019, 19:24:58 »
Hi WM!

Gehen wir das mal durch:

Du bist mir nicht mehr ferne
Im Kosmos scheinen die Sterne
Einer, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh

xXxXxXx
xXxXxxXx
XxxXxxX
xXxXxxX

Die erste Zeile beginnt mit klarem Takt: unbetonter Auftakt, jeder betonten Silbe folgt eine unbetonte.
Schon in Z2 holpert es: "scheinen die" = Xxx Hier haben wir einen sog. Senkungsprall.
Zeile 3 rutscht gleich ganz in ein anders Versschema (ich kann mir nie die Fachbegriffe merken ...) und beginnt zudem betont.
Und auch in Z4 gibt es einen Senkungsprall.


Der scheint so schön und helle
Ins Meer fällt eine Welle
Ein Tropfen, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh

xXxXxXx
xXxXxXx
xXxxXxxX
xXxXxxX

Die ersten beiden Zeilen entsprechen dem in S1 eingeführten Schema, und auch das Kadenzenmuster der Zeilen ist wie in S1: wwmm
Z3 fällt wieder in das andere Versschema, diesmal allerdings mit unbetontem Auftakt.
Senkungsprall erneut in Z4.


Wir beide gehören zusammen
Wir geben uns unsere Namen
Frau Venus ist der Deine
Und unbekannt der meine

xXxxXxxXx
xXxxXxxXx
xXxXxXx
xXxXxXx

Hier sind alle Kadenzen weiblich, alle Auftakte unbetont wie in S2, allerdings sind diesmal die beiden oberen Zeilen in das andere Schema abgeglitten, und Z3 und 4 entsprechen der Einstiegszeile in S1.


Du scheinst so schön und helle
Mein Blut schlägt heiß und schnelle
Mein Wunsch, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh

xXxXxXx
xXxXxXx
xXxXxxX
xXxXxxX

Hier wieder Kadenzenschema wwmm (wie S1), die Auftakte stimmen - aber leider gibt es in Z3 und 4 wieder 2 Senkungspralle.


Von der fehlenden Interpunktion wollen wir schweigen. Insgesamt aber muss man sagen, dass beim Lesen keine harmonische Sprachmelodie entsteht, kein lyrischer Rhythmus. Das einfachst mögliche Reimschema AABB - Paarreim - vertieft auch nicht den Inhalt, lässt alles eher oberflächlich klingen, wie einen Kinderauszählsprüchlein.

Sorry, dass ich hierzu nichts wirklich Aufmunterndes sagen kann. Hätt's vielleicht ganz bleiben lassen sollen ... - Aber irgendwann nach so langer Zeit im Forum solltest du doch eigentlich zumindest die lyrischen Basics endlich draufhaben! Mach dich mal bei Wikipedia schlau!

LG, eKy
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Ach Natur Vergissmeinnicht / Re: Nach dem Schauer
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Mai 18, 2019, 19:08:27 »
Hi WM!

Vielen Dank für die wohlmeinende Kritik!  :) Ja, man muss auf so ausgetretenen Pfaden aufpassen - repetitia non placent!

LG, eKy
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Ach Natur Vergissmeinnicht / Re: Nach dem Schauer
« Letzter Beitrag von wolfmozart am Mai 18, 2019, 15:35:40 »
Hallo Erich,

also bei Naturgedichten bin ich ja skeptisch weil da oft soviel Wiederholtes und Klischeehaftes drin ist.

Ich hab dein Werk trotzdem gelesen.
Du hast das wie meistens in deiner Lyrik ausgefallen aufbereitet, sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

Gern gelesen

wolfmozart
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Zwischen Rosen und Romantik / Frau Venus
« Letzter Beitrag von wolfmozart am Mai 18, 2019, 15:27:07 »
Du bist mir nicht mehr ferne
Im Kosmos scheinen die Sterne
Einer, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh

Der scheint so schön und helle
Ins Meer fällt eine Welle
Ein Tropfen, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh

Wir beide gehören zusammen
Wir geben uns unsere Namen
Frau Venus ist der Deine
Und unbekannt der meine

Du scheinst so schön und helle
Mein Blut schlägt heiß und schnelle
Mein Wunsch, Frau Venus, bist Du
Der läßt mich nimmer in Ruh
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Erzählungen von Tausend und einem Halm / Re: Angeschossen
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Mai 18, 2019, 13:12:25 »
Hi Agneta!

Dein Gedicht ehrt meine Wortfindung!  :) Vielen Dank.

Da du dir so deine Gedanken über meine innere Befindlichkeit machst:

Meine Empathie ist seltsamerweise sehr selektiv. Ich kann über tote Katzen und Hunde weinen, trauere um überfahrene Tiere am Wegesrand oder Kühe in Lastern auf dem Weg zum Schlachter - aber im täglichen Umgang mit Menschen bin ich mitunter überraschend blind für anderer Empfindlichkeiten und trete gern in jede Menge Fettnäpfchen, ohne es zu wollen oder auch nur zu bemerken. Wenn man mich darauf hinweist, sind mir deren Kränkungen aber meist ziemlich egal, soll heißen, ich leide diesbezüglich nicht sehr an schlechtem Gewissen.
Und für mir eigentlich nahestehende Menschen habe ich bei deren Ableben kaum eine Träne übrig ...

Wozu macht mich das?

LG, eKy
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Erzählungen von Tausend und einem Halm / Re: Angeschossen
« Letzter Beitrag von Agneta am Mai 18, 2019, 11:12:41 »
Lieber Erich,

deine Interpretation zeugt von guter Menschenkenntnis und großer Empathie. Für letztere danke ich dir.Sie fehlt den meisten Menschen.
Mir ging es darum, zu zeigen, wie rasch Menschen übergriffig werden oder wie du sagst empfunden werden. Woran liegt das ? Haben wir den guten Instinkt der Tiere verloren, obwohl wir doch selbst welche sind?
Im Übrigen ging es mir um Trauer und wie man sie verarbeitet. Manche müssen reden, manche kapseln sich ab und kommen irgendwann wieder. Dieses zu zeigen, hilft vielleicht dabei, solche Kommunikationsknoten gar nicht erst entstehen zu lassen.
Wir alle gehen viel zu oberflächlich miteinander um. Selbst manche in den Familien. Bei uns nicht, aber es ist eben wie meine Tochter von ihrer Freundin erzählt, nicht überall so. Auch dort geht es um Trauer und wie die Eltern der jungen Frau dabei mit ihrer Tochter umgehen. Auch vielleicht mal eine Geschichte wert.
Für deine oftmals selbst deklarierte „harte Seite“ bist du ein ungemein feinfühliger Mensch. Dies kann man nur sein, wenn man selbst das ganz große Leid kennt.
Leben Dank für deine netten Worte und deinen punktgenauen Kommentar.
Deine „abgefackelte Seelenlandschaft“ finde ich so passend und so knallhart, dass ich sie dir gerne klaue und in einem Gedicht verarbeite:

Trümmerfrau

Abgefackelt.
Seelenlandschaft trümmert
vor sich hin.

Leer Gebranntes
sammelt schwarzen Stein
auf Stein,

ringt um die Fassade.

LG von Agneta
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Geburtstagskinder / Re: LV
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Mai 17, 2019, 18:12:14 »
Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Im Moment bin ich mit mir im Reinen - ohne Dichten. Das mag sich wieder ändern - oder eben auch nicht. Ich muss mich nicht mehr beweisen, und ich tue, was mir Spass macht. Ab und zu wird vielleicht noch was kommen, aber eher viel seltener als früher. Mir fehlen Motivation wie Inspiration.

Aber kommentiert wird sicher noch!  :)

LG, eKy
9
Erzählungen von Tausend und einem Halm / Re: Angeschossen
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Mai 17, 2019, 18:07:56 »
Hi Agneta!

Ausgedacht oder wirklich so passiert? Klar - die Nahestehenden "kennen" einen und reagieren mit Bedacht und behutsam angesichts mitgefühlten Schmerzes - darum heißen sie ja auch so. Der "Opa" kam schuldlos zum Handkuss, denn keiner von uns kann Gedanken lesen!

Jedenfalls kommt gut heraus, wie es zu so einem Kommunikationsknoten kommen kann. Der "Opa", der nichts von Schmerz und Verlust wusste, ja, nichts wissen konnte, und so mit "Humor" und guter Laune so gar nicht ankam - sie, die sich grämte, und der diese lockere Witzigkeit angesichts ihrer abgefackelten Seelenlandschaft furchtbar nichtssagend und oberflächlich erschien.
Beide wollten nichts Böses, und doch mussten sie aneinandergeraten. Leidenden Menschen fehlt oft die Toleranz , wenn andere mit Leichtigkeit daherkommen, und jene fühlen sich zu Unrecht angegriffen, denn sie konnten ja nichts davon wissen. Aber zu spät: Das Kind ist im Brunnen ertrunken, und keiner will es herausfischen! Man meidet sich.
Sogar der letzte - etwas linkische - Versuch, das Eis zu brechen, die Frage, ob sie ihre Jacke aufhängen wolle, wird feindselig interpretiert, eine Art Kommandoton unterstellt. Der Chancenlose gibt auf, sie ist wieder mit ihrem Weh allein - und mit dem eigentlich unnötigen Ärger über den Ahnungslosen.

Ich weiß natürlich nicht, ob du mit diesem Text genau darauf hinaus wolltest, aber ich habe es eben so interpretiert. Beiß mich bitte nicht, wenn ich danebenliege ...  :-\

Gern gelesen! Ich fühle nach wie vor mit dir, und die Geister meiner bisher 4 verstorbenen Katzen schauen mir dabei über die Schulter!  :(

LG, eKy

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Erzählungen von Tausend und einem Halm / Angeschossen
« Letzter Beitrag von Agneta am Mai 17, 2019, 09:54:58 »
Angeschossen

 Eigentlich war sie ein kommunikativer Mensch, immer für ein nettes Pläuschchen zu haben. Doch nun verkroch sie sich wie ein angeschossenes Tier  in ihrer Höhle. Zog die Wolldecke fest um sich. Eiskalt schien ihr die Wohnung. Heute mochte sie das Dunkel. Es gab ihr Geborgenheit und die Ruhe, die sie brauchte, um die tiefe Wunde zu lecken, die der Tod ihres Hundes hinterlassen hatte. Nicht anfassen, nicht reden. Schon gar nicht auf die Frage: Was hatte er denn? Allenfalls noch mit denen, die sie liebte, Außenstehende nicht.
Vorsicht bissig. So wie ihr Dackelchen, das sich bei Schmerzen auch nur von ihr berühren ließ.
Die letzten beiden Tage war sie in den nahen Wald gegangen, hatte an dem gluckernden Bächlein gesessen und den Sonnenstrahlen nachgehangen, die sich in den dichten Zweigen der Bäume brachen. Mit ihrem Mann. Hand in Hand. Schweigend. Ihr Mann kannte sie gut.
Mit ihrer Tochter war sie am Vortag, als der Hund gestorben war, zu einer Bergkuppe gefahren und hatte dort mit ihr über die weiten, hügeligen Wiesen geschaut, die an den Himmel zu stoßen schienen. Hand in Hand. Schweigend. Ihre Tochter kannte sie gut.
Und nun kam dieser aufgeblasene Opa an, der sich scheinbar für Django hielt, sie wohl attraktiv fand und mit ihr ein Flirtspielchen vor der Tür der Massagepraxis veranstaltete. Er hielt den Türgriff fest und versperrte ihr den Weg. Wollen Sie oder ich, ich oder Sie, Sie oder ich? Wie ein verwundetes Tier stöhnte sie auf: „Oh, nä! Ich steh  nicht auf Ihren Humor.““ Sind Sie aber nervös,“ höhnte er. „Passen Sie auf,“ blaffte sie,“ mein Hund ist tot. Gehen Sie rein oder gehen Sie raus oder soll ich Ihnen Beine machen ?“. Ungläubig sah er sie an und ließ den Türgriff los, ungerührt ging sie an ihm vorbei.
Im Wartezimmer saß er ihr gegenüber. starrte sie an. Durch eine Sonnenbrille. “Wollen Sie Ihre Jacke nicht aufhängen,“ fragte er bestimmend. Feindselig traf ihn ihr Blick und hielt ihn fest, spiegelte den gezügelten Impuls, diesem impertinenten Menschen die Brille von der Nase zu schlagen. Sie war einundsechzig. So schnauzte sie stattdessen: „Lassen Sie mich in Ruhe, Mann. Ich habe keine Langeweile wie Sie!“
Da senkte er den Blick und begann, an seinen Fingernägeln zu knibbeln. Sie sah über ihn hinweg, nicht, ohne ihn aus den Augenwinkeln im Blick zu haben. Wütend, wie ein angeschossenes Tier auf dem Angriffssprung.  Vielleicht, weil sie ihm so ähnlich war, hatte sie immer in ihrem Dackel lesen können. Komm mir nicht zu nahe, Mann!
Abrupt stand der Mann auf, verließ kopfschüttelnd das Zimmer und wartete auf seine Behandlung an der Rezeption.

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