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Wiesengeflüster / Re: Sarkastische Kommentare
« Letzter Beitrag von hans beislschmidt am Juli 30, 2026, 10:20:42 »
Wenn der Krieg unwichtig wird

Hallervorden, der sich seit Jahren für den Frieden engagiert und für Diplomatie im Ukrainekrieg plädiert, stellt sich nun offen in den Dienst der größten Kriegstreiberpartei überhaupt.

Wie passt das zusammen?

Das alles nur, um die AfD zu verhindern, die sich auch gegen den Krieg positioniert hat?
Das alles nur, um Beschneidungen der freien Kunst zu verhindern, wobei gerade die CDU Vorreiter der ausufernden Cancel Culture Bewegung ist?

Mit dieser Farce hat es Hallervorden geschafft sein ganzes Engagement der letzten Jahre in Zweifel zu ziehen.
Oder aber er hat tatsächlich etwas zuviel "Honig im Kopf".
.
https://www.n-tv.de/leute/Dieter-Hallervorden-warnt-vor-der-AfD-id31136323.html
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Wo Enzian und Freiheit ist / Re: Sonnenuntergang
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Juli 29, 2026, 09:04:59 »
Ach, Kunze hat so viele höchstlyrische, wortgewaltige Texte! Seine Neudeutungen eigentlich gewohnter Phrasen in anderem Sinnzusammenhang sind legendär.

Was mich an ihm anzieht, sind weniger seine - durchaus guten - Liebeslieder, sondern vielmehr seine sozialkritischen und philosophischen Texte, die ganz auf meiner poetischen Linie liegen. In teilweise genialen Klang gebunden ein absolutes Muss für jeden, der deutsche Liedermacher schätzt!
Warum er bei uns im Süden der Deutschsprachigkeit nie so bekannt wurde wie zB ein Reinhard Mey, ist mir absolut unverständlich.

LG, eKy
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Die Zeit
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Juli 29, 2026, 08:46:59 »
Die Zeit erhält, doch macht uns müde auch,
die wir an ihren kalten Zitzen hangen,
uns an der Milch des Lebens zu erfrischen.
Das Alternde verspürt den klammen Hauch,
das stete, allzeit unerfüllte Bangen
um eine Ewigkeit an göttlicheren Tischen.

Die Zeit erhöht, doch macht uns kleiner auch,
die wir in ihren Vorhangfalten wohnen,
bis frischer Wind uns aus dem Leben weht.
Der Mensch verbrennt, und als ein kalter Rauch
entsteigt er endlich seinen falschen Thronen
in jene Brise, die sich nicht im Kreise dreht.

Die Zeit vergeht, und doch kann sie nicht sterben,
wie wir es tun, die ihr vergeblich dienen,
gereift am Wissen, dass wir nie obsiegen.
Sie wird, was wir im Tod entlassen, erben,
und wir, die jung so unbesiegbar schienen,
entgleiten alt und müd dem Drang, bei ihr zu liegen.



(Inspiriert von Curd Beselos)
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Geburtstagskinder / Re: Erich zum Geburtstag 2022
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Juli 29, 2026, 08:46:18 »
Die Zeit erhält, doch macht uns müde auch,
die wir an ihren kalten Zitzen hangen,
uns an der Milch des Lebens zu erfrischen.
Das Alternde verspürt den klammen Hauch,
das stete, allzeit unerfüllte Bangen
um eine Ewigkeit an göttlicheren Tischen.

Die Zeit erhöht, doch macht uns kleiner auch,
die wir in ihren Vorhangfalten wohnen,
bis frischer Wind uns aus dem Leben weht.
Der Mensch verbrennt, und als ein kalter Rauch
entsteigt er endlich seinen falschen Thronen
in jene Brise, die sich nicht im Kreise dreht.

Die Zeit vergeht, und doch kann sie nicht sterben,
wie wir es tun, die ihr vergeblich dienen,
gereift am Wissen, dass wir nie obsiegen.
Sie wird, was wir im Tod entlassen, erben,
und wir, die jung so unbesiegbar schienen,
entgleiten alt und müd dem Drang, bei ihr zu liegen.
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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Das eine Licht
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Juli 29, 2026, 08:25:09 »
Hi Curd!

Hoffentlich nicht nur die Antwort, sondern auch das obige Gedicht!

Vielen Dank für deinen Kommi hier. Die sind selten geworden in diesem Forum - nur Gummibaum schaut noch ab und zu herein, ich aber nie mehr hinaus. Das immer wieder auflodernde schnöde Hickhack in anderen, weniger reglementierten Foren widert mich an. Leider scheint keiner mein zartes Bemühen, andere Autoren von Qualität wieder hier 'anzusiedeln', zu würdigen ...

Ich hoffe, du bist bei guter Gesundheit!

LG, eKy
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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Für meine ostfriesische Schnecke
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am Juli 29, 2026, 08:19:06 »
Hallo, lieber Curd!

Sieh an, du lebst noch! Wie schön! Und die Variationen zum Thema 'Holdes Weib' gehen dir auch nie aus - mein höchster Respekt sei dir dafür gewiss!

Rund und perlig quellen dir die edel verschmolzenen Wortgirlanden zur Feier der ewig Schönen und Begehrenswerten aus der Feder!

Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy
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Zwischen Rosen und Romantik / Für meine ostfriesische Schnecke
« Letzter Beitrag von Curd Belesos am Juli 28, 2026, 18:05:13 »

Es schwang ein Ton durch meinen Leib in Terz
nach deinem Kuss auf dem Perron in Emden;
er rauschte wild, gleich einem süßen Schmerz
in Wellen fort und wollte gar nicht enden
bis ich verstand, du raubtest mir mein Herz
und hältst es heut noch liebevoll in Händen.

Ein andres Weib als dich, wünsch ich mir nicht,
lass ich mich doch sehr gern von dir verführen,
denn du machst mir die Tage hell und licht,
und lässt mich Lust bei deinem Anblick spüren,
bis sich in mir die Sehnsucht Bahnen bricht,
dir zärtlich Leib und Seele zu berühren.

Küsst du mich dann, so schmelze ich dahin
und wünsche sehr, wir lägen eng umschlungen,
schenkt es mir doch den höchsten Lustgewinn,
wenn all mein Sein vom Wohlgefühl durchdrungen
mich schweben lässt mit frohem Herz und Sinn,
weil uns der Sprung in Amors Reich gelungen.

© Curd Belesos 04.Juli 2026
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Zwischen Rosen und Romantik / Re: Das eine Licht
« Letzter Beitrag von Curd Belesos am Juli 28, 2026, 17:59:00 »
Moin Erich,
nein, es sind keine unlauteren Mittel derer du dich bedient hast, es ist für mich ehrenwert und zeugt von einer über den Tod hinausgehenden Vertrautheit. Es freut mich deine Antwort zu lesen.
Gruß aus dem Südbrookmerland
Curd
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: An Franz Emanuel August Geibel
« Letzter Beitrag von Curd Belesos am Juli 28, 2026, 17:50:51 »
Oh, danke, gummibaum, als Lübecker wollte ich dem ehemals geliebten Sohn der Stadt meine Anerkennung für sein Schaffen aussprechen.
Einen lieben Gruß sende ich dir aus dem Land meiner Friesenschnecke.  8)
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Wiesengeflüster / Re: Sarkastische Kommentare
« Letzter Beitrag von hans beislschmidt am Juli 27, 2026, 18:21:39 »
Wir sind am Arsch

Nicht der Sozialstaat verschwindet – sondern die Gesellschaft, die ihn getragen hat

Das Gespräch zwischen Jens Berger und Christian Leye beschreibt den schleichenden Abbau des Sozialstaates, die Umverteilung zugunsten von Vermögen und die gewaltigen Summen, die inzwischen für Aufrüstung bereitgestellt werden. Das ist alles richtig. Und doch greift diese Analyse aus meiner Sicht zu kurz. Denn sie beschreibt die Symptome. Die eigentliche Krankheit liegt tiefer.

Wir diskutieren seit Jahren über Renten, Bürgergeld, Pflege, Krankenhäuser oder Verteidigungsausgaben, als handele es sich um voneinander unabhängige politische Entscheidungen. Tatsächlich gehören sie alle zu einem viel größeren Zusammenhang. Deutschland erlebt seit über dreißig Jahren keinen bloßen Umbau des Sozialstaates. Deutschland erlebt den Umbau seiner Gesellschaft.

Das begann nicht mit Friedrich Merz. Auch nicht mit Olaf Scholz oder Angela Merkel. Selbst Gerhard Schröder war nicht der Anfang, sondern lediglich ein Beschleuniger. Die Begründungen wechselten im Laufe der Jahre ständig. Mal hieß es Globalisierung, dann Wettbewerbsfähigkeit, anschließend Schuldenbremse und heute Zeitenwende. Die Schlagworte änderten sich. Der politische Grundkurs erstaunlich wenig. Immer lautete die Botschaft: Der Staat müsse sich zurücknehmen, der Bürger mehr Eigenverantwortung übernehmen, der Markt könne vieles besser regeln als die öffentliche Hand.

Doch während wir uns an diesen Debatten abarbeiteten, fand eine viel größere Veränderung statt. Unser Blick richtete sich fast ausschließlich auf Milliardäre und Multimillionäre. Wir empörten uns über Superreiche und übersahen dabei die eigentliche Entwicklung: Deutschland ist Schritt für Schritt zu einer Vermögensgesellschaft geworden.

Nicht jeder besitzt Millionen. Aber Millionen Menschen besitzen heute etwas. Das Einfamilienhaus der Eltern, das vor fünfzig Jahren gebaut wurde. Die Eigentumswohnung. Das kleine Wertpapierdepot. Unternehmensanteile. Ein ETF-Sparplan. Vermögen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde und nun vererbt wird. Wer mit einem schuldenfreien Haus, einer Eigentumswohnung oder einem Depot ins Leben startet, beginnt unter anderen Bedingungen als jemand, der sich alles erst erarbeiten muss. Es geht dabei nicht um Neid. Es geht um eine nüchterne Feststellung: Besitz verändert Lebenslagen – und Lebenslagen verändern politische Interessen.

Vielleicht haben wir genau deshalb den eigentlichen Wandel übersehen. Der Sozialstaat lebte nie nur von Steuern und Sozialabgaben. Er lebte von einem gemeinsamen Interesse. Der Unternehmer nutzte dieselben Straßen wie der Schlosser. Der Professor schickte seine Kinder auf öffentliche Schulen. Der Behördenleiter lag im selben Krankenhaus wie der Industriearbeiter. Man teilte dieselben öffentlichen Räume und hatte deshalb ein gemeinsames Interesse daran, dass sie funktionierten.

Heute beginnt sich diese Gemeinsamkeit aufzulösen. Sie beginnt mit zwei Wartezimmern in einer Arztpraxis. Eines für Privatpatienten, eines für gesetzlich Versicherte. Das wirkt harmlos. Ist es aber nicht. Denn dieses kleine Schild an der Tür steht sinnbildlich für eine Entwicklung, die weit darüber hinausgeht. Private Krankenversicherung. Privatschulen. Private Altersvorsorge. Private Pflege. Private Sicherheitsdienste. Wer es sich leisten kann, organisiert immer mehr Bereiche seines Lebens außerhalb der öffentlichen Systeme.

Damit verändert sich nicht nur die Lebenswirklichkeit. Es verändert sich auch der politische Blick auf den Staat. Wer auf öffentliche Schulen nicht mehr angewiesen ist, kämpft seltener für ihre Qualität. Wer nie ein kommunales Krankenhaus betritt, erlebt dessen Mängel nicht mehr am eigenen Leib. Wer seine Altersvorsorge aus Immobilien, Kapitalanlagen oder Unternehmensanteilen bezieht, blickt anders auf die gesetzliche Rente als derjenige, für den sie die einzige Absicherung im Alter ist.

Vielleicht ist das der eigentliche Sprengsatz unserer Zeit. Nicht die Ungleichheit allein. Sondern der Verlust gemeinsamer Erfahrungsräume. Eine Demokratie lebt davon, dass ihre Bürger dieselben Institutionen nutzen und deshalb ein gemeinsames Interesse an ihrer Qualität haben. Lösen sich diese gemeinsamen Räume auf, beginnt auch der gesellschaftliche Zusammenhalt zu bröckeln.

Und während sich diese Entwicklung vollzieht, erzählt man uns gleichzeitig, Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz würden eine neue Ära des Wohlstands einläuten. Maschinen übernehmen Arbeit. Software steigert die Produktivität. Algorithmen erledigen Aufgaben, für die früher Menschen gebraucht wurden. Dennoch lautet die politische Botschaft ausgerechnet jetzt: Wir sollen länger arbeiten, später in Rente gehen und mehr privat vorsorgen. Da drängt sich eine einfache Frage auf: Wem kommt dieser enorme Produktivitätszuwachs eigentlich zugute? Der Gesellschaft insgesamt – oder vor allem denjenigen, die bereits über Kapital und Vermögen verfügen?

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch die milliardenschweren Verteidigungsausgaben in einem anderen Licht. Natürlich braucht ein Staat Sicherheit. Aber Sicherheit besteht nicht nur aus Waffen. Sicherheit besteht auch aus funktionierenden Schulen, Krankenhäusern, Renten und einer Infrastruktur, die ihren Namen verdient. Öffentliche Milliarden verschwinden nicht. Sie werden zu Aufträgen, Umsätzen, Gewinnen und Renditen. Auch das gehört zur wirtschaftlichen Realität. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wofür der Staat Geld ausgibt. Sondern welche Gesellschaft er mit diesen Prioritäten hervorbringt.

Vielleicht besteht der größte Irrtum unserer Zeit darin zu glauben, wir führten eine Debatte über Sozialpolitik. In Wahrheit führen wir eine Debatte über den Charakter unserer Republik. Nicht der Sozialstaat verschwindet zuerst. Es verschwindet langsam die Gesellschaft, die ihn einmal getragen hat. Und wenn wir das nicht erkennen, werden wir weiter über jede einzelne Reform streiten, ohne zu bemerken, dass sich das Fundament unter unseren Füßen längst verändert hat.

Ich wollte man könne die Zeit in die 90ger zurückdrehen.
Es macht keine Freude mehr diesen Niedergang zu erleben.
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