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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der Tod in Venedig (Zu Ehren Thomas Mann)
« Letzter Beitrag von gummibaum am August 31, 2026, 22:25:01 »
Danke, lieber Erich,

für weitere Gedanken dazu. Mir fiel noch auf, das viel Nietzche (Die Geburt der Tragödie ...und Zaratustra) in dem Text steckt, und der distanzierte letzte Satz an den Schluss von Goethes Werther erinnert. Außerdem steckt viel von Thomas Mann in der Aschenbach-Figur.

LG g
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am August 31, 2026, 19:33:54 »
Hi Gum!

Vielen Dank für die vollmundigen Hommeurs!  :-*

Das Ende habe ich bewusst zweideutig gehalten: 'Man erklärt sich lauter sein Bemühen' - meint dies nun das Verhalten des Diktators, der trotz der Niederlage und aller aufgedeckten Gräuel von seinen Verehrern insgeheim verklärt wird - oder meint es das eigene Bemühen der Bürger, die sich einreden, immer nur das Beste gewollt zu haben und eigentlich die Guten zu sein? Denn genau das glauben die eingefleischten Nazis ja bis heute: Sie merken und begreifen gar nicht, was für herzkalte, brutale, soziopathische Arschlöcher sie sind!
Lieber argumentieren sie sich ihr intolerantes, sozialdarwinistisches, hassverseuchtes Weltbild als 'gesellschaftliche Notwendigkeit' zurecht, ohne zu merken, wie verbogen selbst ihre Logik ist, weil sie auf höchst selektiven und subjektiven Bildungsmängeln und bewussten Auslassungen basiert.

Für mich sind beide Deutungsmöglichkeiten dieser Conclusio gleich richtig und gültig für das Weltbild dieser hemdsärmeligen Vorgartenideologen ...

LG, eKy
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der Tod in Venedig (Zu Ehren Thomas Mann)
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am August 31, 2026, 19:22:41 »
Hi Gum!

Ich sah die Verfilmung zuerst und las erst Jahre später das Buch dazu, in dem der Protagoniest ein Dichter ist, kein Komponist. Warum sie ausgerechnet das für den Film verändert haben, ist mir rätselhaft.

Neulich ist der Schauspieler verstorben, der den jungen erwachenden Adonis verkörperte - den 'schönsten Jungen der Welt', wie der Regisseur ihn stolz nannte. Leider hat er dem Burschen außer kurzem Ruhm (vor allem in Japan, wo er zur Vorlage einiger Mangafiguren wurde) damit keinen Gefallen getan. Er litt lebenslang darunter, immer nur mit dieser einen Rolle identifiziert zu werden, auch als er längst ein erwachsener Schauspieler war. Er kam nie von diesem frühen Erfolg los ...

Mittlerweile gibt es die Geschichte auch als Graphic Novel, die sich exakt an die Vorgabe der Novelle hält. Dort finde ich die Figur des von Aschenbach gelungener dargestellt - im Film war mir der Schauspieler, der ihn verkörperte, irgendwie zu wenig asketisch wirkend, zu wenig zugeknöpft bis zum steifen Kragen, spielte allzu emotional und verletzlich.

Dennoch insgesamt eine gute Verfimung, die mich dazumals fasziniert hat. Als Mann das Buch schrieb, war Homosexualität eine Todsünde und ein Verurteilungsgrund vor Gericht, und auch zu Zeiten der Verfilmung galt sie immer noch als unzumutbares Tabu. Umso mutiger beide, Autor und Regisseur, sich dieser Thematik anzunehmen, obendrein mit einem Minderjährigen als Ziel dieser 'verderblichen' Sehnsucht.
Verständlicherweise gehen weder Buch noch Film über Andeutungen, Symbolismen und ein kleines wissendes Lächeln des Knaben hinaus, das den Aschenbach un seinen restlichen Verstand bringt.

Das Ende ist bildhaft: Während Aschenbach im Liegestuhl fiebert, muss er mit ansehen, wofür er gestorben ist: Für die hohle, leere Geste eines Unreifen, der im Grunde noch keine Ahnung davon hat, womit er gespielt hat, wohl eher aus Langeweile oder Eitelkeit: Nachdem er von seinem Spielkameraden zusammengeschlagen wurde, stellt sich der Geknickte in gekränktem Stolz in die Brandung und zeigt in klassischer Pose stehend ins Nichts hinaus, als wäre dort etwas von Bedeutung, das nur er sehen kann, wie um sich erneut eine geheimnisvolle, göttliche Aura zu verleihen, die sein gewalttätiger Kumpel garade so derb zerstört hat. Mit dieser sinnlosen, eitlen Geste vor Augen, die seine Illusion vom gottgleichen Knaben zum Einsturz bringt, fällt der Dichter ins Koma.

LG, eKy
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Das Blöken der Lämmer / Re: Kreativitätsfaden
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am August 31, 2026, 18:59:51 »
Hi Gum!

Nummer 3 mit der sterbenden Alten finde ich am gelungensten. alle anderen kränkeln etwas an der herbeigezogenen Künstlichkeit der Konstrukte, damit auch alle verlangten Wörter unterkommen.

Das ist zugleich auch das, was mich an dieser 'Spielerei' stört: Sie erschafft nur im seltensten Fall literarisch wertige Lyrik mit einer wirklich tiefen, profunden Aussage. Dein Gedicht Nr.3 beweist allerdings, dass es (mit etwas Glück bei der Auswahl der vorgegebenen Worte) durchaus mögloch ist. Chapeau!

die primäre Herausforderung für mich ware bei diesem System, TROTZ der zufälligen bis sabotierenden Wortpflicht gute, stimmige Gesichte abzuliefern - und zwar jedes Mal. Dank mancher in sich bereits extrem unlyrischen Vorgabewörtern leider ein Ding der Unmöglichkeit - wie deine obige Auswahl beweist ...

Interessiert gelesen.

LG, eKy
45
Das Blöken der Lämmer / Kreativitätsfaden
« Letzter Beitrag von gummibaum am August 31, 2026, 13:34:52 »
Ich bin andernorts noch immer an den Krativitätsfaden gefesselt, wo man unter Zeitdruck aus 5 vorgegebenen Wörtern ein Gedicht macht. Ein kleine Probe aus den letzten 4 Tagen:

lokomotive °° hüpfen °° stur °° hagebutte °° sandeln


Eine Dampf-Lokomotive,
war zwar eisern, doch nicht stur,
hüpfte mit der Perspektive
eines Ausflugs aus der Spur.

Aß statt Kohlen Hagebutten,
sandelte am weißen Strand,
plauderte am Dom mit Putten,
und durchräderte das Land.

Schließlich stieg sie in die Gleise,
fügte sich der Schienenspur.
Doch ihr Pfiff bei jeder Reise
atmete die Herzenskur…
 

Köpfe, beißen, dienen Lacktisch, karstig


Mir dienten Höhlen untertage
in karstigen Verstecken,
das Laserschwert, das Menschheitsplage
enthauptet, auszuhecken.

Noch immer beißen diese Köpfe,
die auf dem Lacktisch bluten.
Sie drückten fast die roten Knöpfe
vor wenigen Minuten.

Enorm, ihr Überlebenswille,
wer weiß, worauf er gründet.
Beruhigt sie, dass, kaum ist Stille,
ihr Doppelgänger zündet? …


krank, Raspel, beten, kästeln, südlich


Wie war ihr Leben einst verästelt
in Denken, Fühlen, rascher Tat.
nun faulte es wie eingekästelt
in einem Hinterhausquadrat.

Wie eine Raspel trug das Alter
ihr Leben immer weiter ab,
sie fühlte sich als kranker Falter,
und war zu jedem Flug zu schlapp.

Holt mich, ihr südlichen Gestade,
so betete sie manche Nacht,
ans weite Meer, gewährt die Gnade,
dass mich sein Rauschen selig macht.

Und endlich trat ihr Sohn ins Zimmer.
Er trug den dürren Leib hinaus
und bettete ihn dann für immer
ins Meer, als rauschhaft tiefes Haus …


Waldesrauschen, Reisezug, verzweifelt, irren, duften


Der Reisezug ist überfüllt,
es duftet stark nach Schweiß,
als ganz verzweifelt jemand brüllt:
„Es ist das falsche Gleis!“

Dann knallt es, und wir alle lauschen
aus den zerstörten Wagen
nur noch dem schönen Waldesrauschen
und eines Kuckucks Klagen.

Ein Jäger irrt durchs Sterben, weiß
den Grund für diese Wende:
„Das alte, stillgelegte Gleis
war vor dem Knall zu Ende.“


Apfelsine, Gewänder, schüren, richten, wacklig


Richtete in ferne Länder
Segel, wo man Fremdes spürt,
Kippa, Burka und Gewänder
trägt und Glaubenskriege schürt.

Selten fand ich Menschen frei –
Und wie ging es mir dabei?

Wacklig wurden Geist und Zähne,
Apfelsinen halfen nicht.
Dass ich doch Skorbut erwähne,
passt vorzüglich ins Gedicht …










 


 
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« Letzter Beitrag von gummibaum am August 31, 2026, 13:10:31 »
Lieber Erich,

ein monumentales Werk, das mich an deine "Bilder aus dem Dreißigjährigen Kriege" oder Dürers "Apokalyptische Reiter" erinnert. Hier vereint eine Person alle vier. Wie in vielen deiner Gedichte, die das Wort "Krieg" enthalten, wird das Wegschauen der Menschen als Wegbereiter für das Wirken solche Naturen zurecht mitverantwortlich gemacht. Ich schaue zur Zeit nach Kaliningrad, einst Königsberg, und mit Kant noch anders.

Chapeau!
LG g
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Re: Der Tod in Venedig (Zu Ehren Thomas Mann)
« Letzter Beitrag von gummibaum am August 30, 2026, 23:36:14 »
Lieber Erich,

ein sehr schönes Gedicht über Aschenbach und seine Triebsublimierung in strenger Lebensweise und einer Dichtung, die einseitig Geist und die Moral betont und dafür geadelt wird. Das geht so lange gut, bis die Ideen ausbleiben, er Abwechslung sucht und verreist. Nun meldet sich Eros und schickt das Schöne, und als er anbeißt, kommt Dionysos und bringt den Rausch mit und -weil nicht sein kann, was nicht sein darf - den Todestrieb. (Der Dichter ist isst ersatzweise verseuchte Erdbeeren und stirbt an Cholera.)
Ich habe die Novelle nach 50 Jahren nochmal gelesen und muss sagen, du hast alles bestens verdichtet und sprachlich kongenial gestaltet.

LG und Chapeau g
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Wiesengeflüster / Re: Sarkastische Kommentare
« Letzter Beitrag von hans beislschmidt am August 30, 2026, 08:36:03 »
Oder ist das Mord

Bei Sterbehilfe denken wir an unheilbar Kranke mit Schmerzen. Aber inzwischen geht es viel weiter. In den Niederlanden werden auch psychisch Kranke und Kinder schon auf Wunsch getötet. In Kanada bieten Ärzte sogar bei Hüftbruch Suizid an.
Alleingelassen von Kassen, die Pflegegrade und Hilfe verweigern.

#moralische_Grenzen
Suizid als Lösung fürs klamme Gesundheits-system.
Die Alten, die zur Belastung werden. Legales Töten auch ohne eigenen Wunsch.
Die Verschiebung von Werten in der Gesellschaft.

Kaum jemand aber denkt an Suizid vor dem Hintergrund der Gier von Familienangehörigen. Ich selbst war entsetzt über mancherlei Überlegungen der sogenannten Angehörigen. Wie schnell gerät so ein kranker, alter Mensch, vollgestopft mit Medikamenten in den Einfluß wohlmeinender Ratschläge.
Sobald es um Finanzierungslücken geht, ist kein Thema , kein menschliches Dasein sicher vor Einsparugen und Tod.

Mit Grinse Gesichtern lächeln Senioren in die Kamera und machen Werbung für selbstbestimmtes Sterben und Mitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) e. V. Als ginge es lediglich um den Spruch "der letzte macht das Licht aus". Alles ganz easy, fehlt nur noch das Belohnsystem wie bei den Treuepunkten bei Edeka.
Das Riesengeschäft mit dem humanen Tod hat zahlreiche Vereine und Portale entstehen lassen, wobei würdevoll und selbstbestimmt stets eine problemlose Form des Ablebens vorgaukeln. Ob assistiert, passiv oder "selbst ist der Mensch" - die Grauzone der Legalität verwischt sich mit Geschäftsgebaren und Anwendungsgebieten. Humania Hurra mit praktischen Planungs-Tips, damit nichts dem Zufall überlassen bleibt.

Was ist der #Hintergrund dieses Erfolgsmodells?

Neben Einsparungen im Gesundheitsbereich ist es vor allem eine philosophische Frage.
Wo früher das Feld Sterben von Kirche und Religion besetzt wurde, braucht der selbstbestimmte Atheist von heute die volle Kontrolle auch über den Tod hinaus, wobei es nicht mehr um die Frage geht -- was kommt danach, sondern wie geht das "hinüber", als wäre dies die ultimative Ratio des Phänomens des "Ablebens".

Will sagen: -- wenn es schon keinen Gott gibt, möchte "ICH" die Zügel bis zum Schluss in der Hand halten, mit dem Argument:-- "ich wurde ja auch nicht gefragt, wie ich auf die Welt gekommen bin, also muss ich diesen Fehler nicht noch mal machen".
Ist das verwerflich?

Für die Bestie Mensch scheint nichts unmöglich und die Grausamkeit bewegt sich zeitgleich mit dem Grad der Technologisierung. Eben diese sorgt für die Abkopplung der angeborenen Eigenschaften von Liebe und Barmherzigkeit. Das hat schon Schopenhauer erkannt und stellt es mit solchen Auswüchsen wie Elon Musk unter Beweis. Sie haben es bildlich gesehen satt NUR Mensch sein.


Dazu ein Gedicht von 2023

Liquidation

Bitte Oma schluck die Pille!
Man sagt danach geht es ganz flott.
Es ist doch unser aller Wille
und sicher der vom lieben Gott.

Dein Häuschen, das wir renoviert -
das neue Bad und Küchenschrank -
drauf haben wir doch spekuliert,
ansonsten schnappt sich das die Bank.

Nun schluck schon endlich dieses Ding
und mach am End bloß keinen Zoff -
wozu brauchst du noch diesen Ring?
Wer denkt das gibt es nicht? - Satire off.
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Drum Ehrlichkeit und Edelweiß / Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« Letzter Beitrag von Erich Kykal am August 29, 2026, 09:08:18 »
Viel zu spät erkannt als Todesbote
greift er nach den Zügeln aller Macht,
haltlos ihm als Opfer dargebracht,
einem Paragon der eisernen Gebote.

Ordnen, sagt er, wolle er die Wirrnis,
die die Menschheit ungewollt befällt,
wenn sie zuviel Wahl in Händen hält -
eines neuen Bildes fester Firnis.

Auf der Magnitude seiner Welle
reitet er zu viert dahin als einer,
der die Welt erobern kann wie keiner,
niemand sonst an seiner edlen Stelle.

Keiner mag sein wahres Antlitz schauen:
Krieg und Hunger, Pestilenz und Tod!
Terror färbt die Wände wieder rot,
es regiert erneut das kalte Grauen!

In ein neues Schlachten treibt er alles,
was mit Lügen hinter sich er baute,
opfert kalt das heiß ihm Anvertraute
vor der Unausweichlichkeit des Falles.

Nach des Wahnes ausgekühltem Glühen,
wenn die Reste bloß Ruinen sind,
spielt man wieder Vater, Mutter, Kind,
und erklärt sich lauter sein Bemühen.
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Wiesengeflüster / Re: Sarkastische Kommentare
« Letzter Beitrag von hans beislschmidt am August 26, 2026, 09:07:04 »
Die Fratze des Neo-Feudalismus

Die Fratze des Neo-Feudalismus: Freiheit für das Kapital, Festungshaft für den Bürger
Wir müssen aufhören, von einer „sozialen Marktwirtschaft“ zu stammeln. Das, was wir hier erleben, ist ein perverses Nullsummenspiel. Es passt hinten und vorne nicht mehr zusammen.

Auf der einen Seite thront ein entfesselter, globaler Neoliberalismus. Er ist wie ein metastasierender Tumor: Er kennt keine Grenzen, keine Moral, keine Heimat und erst recht keine Regeln. Er frisst alles, was ihm in den Weg kommt – von der Pflegekraft im Krankenhaus bis zur Gebärmutter einer Leihmutter. Für das große Geld ist die Welt flach, grenzenlos und völlig moralfrei. Ein einziger, gigantischer Spielplatz der Beliebigkeit.

Und auf der anderen Seite? Steht eine Bevölkerung, die unter einer Lawine von Regularien, Verboten und bürokratischem Kontrollwahn buchstäblich erstickt.

Wir erleben ein absurdes Paradoxon:
Der Staat hat die Kontrolle über die globalen Märkte komplett verloren – und kompensiert diese Ohnmacht, indem er seine eigenen Bürger im Inland umso brutaler schikaniert.

Weil der Staat die globalen Tech-Riesen nicht besteuern kann, jagt er eben den Handwerker wegen eines fehlenden Belegs. Weil er den globalen Menschenhandel im Gewand der Leihmutterschaft nicht stoppen kann (oder will), zwingt er die hiesige Mutter, für jede Kleinigkeit dreizehn Anträge in dreifacher Ausfertigung auszufüllen.

Die Kapitulation des Staates vor dem Geldbeutel
Das ist die totale Asymmetrie der Moderne:

Der normale Bürger lebt in einer lückenlos überwachten Festung. Jeder Schritt ist reglementiert, jede Abweichung wird sanktioniert. Uns wird vorgeschrieben, wie wir zu heizen, zu sprechen und zu leben haben. Wir werden erzogen, gegängelt und stranguliert.

Der globale Akteur lacht über diese Festungsmauern. Er fliegt einfach mit dem Helikopter drüber hinweg. Für ihn ist der Staat kein Gesetzgeber mehr, sondern nur noch ein lästiger Bittsteller oder – schlimmer noch – ein Dienstleister, der die Infrastruktur für seine Geschäfte bereitstellt.

Diese Schere ist sozialer Sprengstoff. Sie zerstört das grundlegende Versprechen der Demokratie: dass vor dem Gesetz alle gleich sind.

Wenn der eine wegen eines falsch ausgefüllten Formulars ruiniert wird, während der andere sich im Ausland legal ein Kind kauft und damit die Gesetze des eigenen Landes mit einem arroganten Lächeln aushebelt, dann ist das kein Rechtsstaat mehr. Dann ist das ein neofeudales Protektorat, in dem das Recht des Stärkeren – beziehungsweise des Reicheren – gilt.

Das bittere Fazit
Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert. Wir strangulieren die Leistungsträger und die Schwachen im eigenen Land mit einem beispiellosen Regulierungswahn, während wir gleichzeitig vor der absoluten Gesetzlosigkeit des globalen Marktes kapitulieren.

Wir regulieren das Klein-Klein kaputt, weil wir zu feige sind, uns mit den großen Playern anzulegen.

Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Eine Gesellschaft, die den Markt über die Menschenwürde stellt und gleichzeitig ihre Bürger wie unmündige Kinder behandelt, verliert beides – ihre Freiheit und ihre Seele. Es wird Zeit, dass wir aufhören, uns diesen Irrsinn als „Fortschritt“ verkaufen zu lassen.
 Freiheit für das Kapital, Festungshaft für den Bürger
Wir müssen aufhören, von einer „sozialen Marktwirtschaft“ zu stammeln. Das, was wir hier erleben, ist ein perverses Nullsummenspiel. Es passt hinten und vorne nicht mehr zusammen.

Auf der einen Seite thront ein entfesselter, globaler Neoliberalismus. Er ist wie ein metastasierender Tumor: Er kennt keine Grenzen, keine Moral, keine Heimat und erst recht keine Regeln. Er frisst alles, was ihm in den Weg kommt – von der Pflegekraft im Krankenhaus bis zur Gebärmutter einer Leihmutter. Für das große Geld ist die Welt flach, grenzenlos und völlig moralfrei. Ein einziger, gigantischer Spielplatz der Beliebigkeit.

Und auf der anderen Seite? Steht eine Bevölkerung, die unter einer Lawine von Regularien, Verboten und bürokratischem Kontrollwahn buchstäblich erstickt.

Wir erleben ein absurdes Paradoxon:
Der Staat hat die Kontrolle über die globalen Märkte komplett verloren – und kompensiert diese Ohnmacht, indem er seine eigenen Bürger im Inland umso brutaler schikaniert.

Weil der Staat die globalen Tech-Riesen nicht besteuern kann, jagt er eben den Handwerker wegen eines fehlenden Belegs. Weil er den globalen Menschenhandel im Gewand der Leihmutterschaft nicht stoppen kann (oder will), zwingt er die hiesige Mutter, für jede Kleinigkeit dreizehn Anträge in dreifacher Ausfertigung auszufüllen.

Die Kapitulation des Staates vor dem Geldbeutel
Das ist die totale Asymmetrie der Moderne:

Der normale Bürger lebt in einer lückenlos überwachten Festung. Jeder Schritt ist reglementiert, jede Abweichung wird sanktioniert. Uns wird vorgeschrieben, wie wir zu heizen, zu sprechen und zu leben haben. Wir werden erzogen, gegängelt und stranguliert.

Der globale Akteur lacht über diese Festungsmauern. Er fliegt einfach mit dem Helikopter drüber hinweg. Für ihn ist der Staat kein Gesetzgeber mehr, sondern nur noch ein lästiger Bittsteller oder – schlimmer noch – ein Dienstleister, der die Infrastruktur für seine Geschäfte bereitstellt.

Diese Schere ist sozialer Sprengstoff. Sie zerstört das grundlegende Versprechen der Demokratie: dass vor dem Gesetz alle gleich sind.

Wenn der eine wegen eines falsch ausgefüllten Formulars ruiniert wird, während der andere sich im Ausland legal ein Kind kauft und damit die Gesetze des eigenen Landes mit einem arroganten Lächeln aushebelt, dann ist das kein Rechtsstaat mehr. Dann ist das ein neofeudales Protektorat, in dem das Recht des Stärkeren – beziehungsweise des Reicheren – gilt.

Das bittere Fazit
Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert. Wir strangulieren die Leistungsträger und die Schwachen im eigenen Land mit einem beispiellosen Regulierungswahn, während wir gleichzeitig vor der absoluten Gesetzlosigkeit des globalen Marktes kapitulieren.

Wir regulieren das Klein-Klein kaputt, weil wir zu feige sind, uns mit den großen Playern anzulegen.

Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Eine Gesellschaft, die den Markt über die Menschenwürde stellt und gleichzeitig ihre Bürger wie unmündige Kinder behandelt, verliert beides – ihre Freiheit und ihre Seele. Es wird Zeit, dass wir aufhören, uns diesen Irrsinn als „Fortschritt“ verkaufen zu lassen.
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