Autor Thema: Das Weihnachtsgefühl  (Gelesen 54 mal)

Agneta

Das Weihnachtsgefühl
« am: Juli 28, 2020, 13:49:15 »
Das Weihnachtsgefühl

Wir kennen es alle. Dieses Aufgeregtsein, diese wohlige Anspannung vor dem ganz großen Tag. Dem Tag, der voller Licht und Wärme sein wird, wie in Kindertagen.
Ich hatte es noch, das Weihnachtsgefühl, als meine Tochter klein und ich längst erwachsen war. Ich hatte es noch, als meine Eltern von Weihnachten bis Silvester zu uns kamen. Jedes Jahr. Ich wollte meinem Kind und ihnen Tage voller Licht und Wärme schenken, ruhige, friedliche Tage. Besondere Tage.
Die Nächte vorher konnte ich nicht schlafen. Sah ihn vor meinem inneren Auge oben um die Ecke biegen, den Scorpio meines Vaters, den er direkt nach der Begrüßung immer erst von Mückendreck befreien musste, bevor er ins Haus kam. Diese Aufregung, dieses wohlige Angespanntsein - das Weihnachtsgefühl.
Ja, damals hatte ich es noch und ich steckte die ganze Familie damit an. Sogar der Hund rannte stetig zur Haustür, weil er wusste, es würde etwas kommen. Etwas Besonderes. Bald.
Seitdem meine Eltern verstorben sind, habe ich es nie mehr so empfunden.
Meine Tochter schwelgte irgendwann wieder im Weihnachtsgefühl, als ihr Söhnchen geboren wurde. Für mich jedoch war es nicht mehr dasselbe. Wir trugen plötzlich ulkige Nikolausmützen und sangen Jingle Bells.  Ich habe mitgemacht und nichts gesagt.
Meine Eltern schenkten mir Momente. Ich schenkte sie meiner Tochter und nun meinem Enkel. Das Licht und die Wärme bleiben. Aber es ist ihr Weihnachtsgefühl, nicht meines.
Heute aber ist Sommer. Keine Spur von Weihnachten. Die Sonne brennt bereits um acht Uhr morgens auf den Balkon und ich recke mich im Bett. Ein Kribbeln durchläuft mich, eine wohlige Aufregung. Ich blicke zur Tür, als würde etwas Besonderes geschehen.
Heute werden wir den Dackelmischling in der Eifel abholen, der bis gestern noch in der Tötungsstation in Ungarn saß. Er ist schon unterwegs, irgendwo auf der Autobahn. Ich habe diese Nacht kaum geschlafen. Wir holen sie ab, die kleine Lotti, alle gemeinsam, als Familie.
Licht und Wärme breiten sich in meinem Schlafzimmer aus, setzen sich auf die Bettkante. Ganz nah. Das Weihnachtsgefühl durchströmt mich. Es ist wieder da. Mitten im Hochsommer.


Erich Kykal

Re: Das Weihnachtsgefühl
« Antwort #1 am: Juli 28, 2020, 23:47:56 »
Hi Agneta!

Ein weiteres langes Glück sei dir mit diesem neuen Tierfreund, mit dieser Seele vergönnt! Ich wünsche es dir von Herzen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

Re: Das Weihnachtsgefühl
« Antwort #2 am: Juli 29, 2020, 23:06:31 »
Danke, lieber Erich, Aber Lotti kommt nicht mehr... heul...LG vpn Agneta

Erich Kykal

Re: Das Weihnachtsgefühl
« Antwort #3 am: Juli 30, 2020, 10:24:58 »
Hi Agneta!

Oh je! Was ist denn geschehen?
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

AlteLyrikerin

Re: Das Weihnachtsgefühl
« Antwort #4 am: Juli 30, 2020, 12:17:07 »
Liebe Agneta,


Deine Beschreibung des "Weihnachtsgefühls" hat mich sehr berührt und betrübt hat mich, dass Du es verloren hast. Mit Dir freute ich mich beim Lesen auf das neue Hündchen (obwohl ich persönlich keine Beziehung zu Tieren habe; ich war immer eifersüchtig auf den Hund, den mein Vater scheinbar mehr liebte als uns Kinder).
Hoffentlich findest Du noch einen kleinen Hund, den Du lieb haben kannst. Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.

Agneta

Re: Das Weihnachtsgefühl
« Antwort #5 am: August 01, 2020, 08:43:57 »
Lieber Erich, liebe AL, vielen Dank für eure empathischen Zeilen.
Ich habe eine Fortsetzung geschrieben. Die Ohnmacht. Danke euch und lG von Agneta