Autor Thema: Sarkastische Kommentare  (Gelesen 60237 mal)

hans beislschmidt

Re: Sarkastische Kommentare
« Antwort #135 am: August 14, 2026, 15:00:11 »
Rezension in einfacher Sprache

Frau von der Leyen ist die EU (europäische Union) Präsidentin. Sie sagt, dass Europa seinen Sozialstaat (Hilfe für die Armen im Land) abbauen müsse, um einen Kriegsstaat aufzubauen.
Sie sagt auch, dass die Antwort der Mächtigen darin besteht, sich auf einen dauerhaften Ausnahmezustand und sogar auf einen Kriegszustand einzustellen.

Aber bekannte Friedensforscher sagen, dass es ohne Frieden unmöglich sein wird die Klimakrise oder die wirtschaftliche Krise abzuwenden.
Auch der Widerstand bei jungen Menschen, die sich gegen eine Wehrpflicht aussprechen, ist deutlich geworden. Die Jungen wollen sich nicht an diesen Konflikten beteiligen.

Trotzdem ist Kriegsminister Pistorius der beliebteste Politiker in Deutschland.
Trotzdem wählen die meisten älteren Wähler die Kriegs-Parteien. Hat man denen ins Hirn geschissen?

Das Buch von Fabian Scheidler ist im Herder Verlag erschienen und wer lesen kann, kann es ruhig kaufen. Es kostet 22 Euro
.
https://www.nachdenkseiten.de/?p=154833&fbclid=IwdGRzaATo-KVjbGNrBOjx33Bkb2YFZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQMMzUwNjg1NTMxNzI4AAEe8ROvz1Fu65miCQtBFn3vCogxKLd5xGY3gGQ56Le_qRZ0SNT8xW96Q1QI6xI_aem_K6mBX1ny_TXVEFURMg1tXA
"Lyrik braucht Straßendreck unter den Fingernägeln" (Thomas Kling)

hans beislschmidt

Re: Sarkastische Kommentare
« Antwort #136 am: August 18, 2026, 14:27:53 »
Die westliche Siegesillusion
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Vielleicht sollten wir endlich aufhören, uns selbst etwas vorzumachen: Die größte Gefahr für die Ukraine könnte inzwischen nicht darin liegen, dass der Westen zu wenig Waffen liefert, sondern darin, dass er sich seit Jahren weigert, die Möglichkeit eines ukrainischen Nicht-Sieges überhaupt ernsthaft zu denken.

Seit Beginn des Krieges wird uns immer wieder die nächste Wende angekündigt. Erst sollten es die Sanktionen richten, dann die Panzer, dann die Artillerie, dann die Raketen und jetzt Drohnen und künstliche Intelligenz. Russland steht angeblich kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, die russische Armee blutet aus, Putin werde irgendwann keine andere Wahl haben, als sich zu ergeben oder zu Bedingungen des Westens zu verhandeln. Man muss sich diese Erzählung einmal nüchtern ansehen: Wir warten seit Jahren auf den großen Zusammenbruch Russlands – und erklären jedes neue Waffenpaket zum möglichen Durchbruch.

Vielleicht ist das keine Strategie mehr. Vielleicht ist es inzwischen eine Glaubensfrage.

Denn wenn man überzeugt ist, dass Russland kurz vor der Niederlage steht, wird jeder Ruf nach Verhandlungen plötzlich zum Problem. Warum mit dem Gegner reden, wenn er doch bald zusammenbrechen soll? Warum Kompromisse eingehen, wenn die nächste Waffe den Krieg entscheiden könnte? Also wird weitergeliefert, weitereskaliert und weitergewartet.

Nur: Was, wenn der große Zusammenbruch nicht kommt?

Genau diese Frage wird im Westen viel zu selten gestellt. Stattdessen wird die Wirklichkeit so lange zurechtgerückt, bis sie wieder zur eigenen Erzählung passt. Ein ukrainischer Angriff wird zum strategischen Erfolg, eine neue Technologie zur Wunderwaffe, ein russischer Rückschlag zum Zeichen des bevorstehenden Zusammenbruchs. Und wenn der Durchbruch wieder ausbleibt, braucht es eben noch mehr Waffen.

Denn während der Westen über den möglichen ukrainischen Sieg diskutiert, wird die Ukraine weiter zerstört.

Menschen sterben. Menschen verlassen das Land. Infrastruktur verschwindet. Die wirtschaftliche Basis schrumpft. Und mit jedem weiteren Kriegsjahr verändert sich die Ukraine. Das ist keine abstrakte Statistik. Das ist das Land, das wir angeblich verteidigen wollen.

Und jetzt kommt der eigentlich provokante Gedanke: Was wäre, wenn unsere Siegesillusion selbst dazu beiträgt, dass die Ukraine am Ende schlechter dasteht?

Denn wer einen Sieg erwartet, wartet. Wer wartet, verhandelt nicht. Wer nicht verhandelt, setzt auf den nächsten militärischen Durchbruch. Und wer diesen Durchbruch nicht bekommt, fordert die nächste Waffenlieferung.

So kann man einen Krieg sehr lange verlängern.

Natürlich hat Russland diesen Krieg begonnen. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Aber die Feststellung, wer einen Krieg begonnen hat, beantwortet noch lange nicht die Frage, wie man ihn beendet. Und sie beantwortet schon gar nicht die Frage, ob jeder weitere Kriegstag automatisch im Interesse der Ukraine liegt.

Vielleicht ist genau das die westliche Siegesillusion: Nicht der Glaube, dass die Ukraine gewinnen kann. Sondern der Glaube, dass man nur lange genug auf diesen Sieg warten muss.
"Lyrik braucht Straßendreck unter den Fingernägeln" (Thomas Kling)

hans beislschmidt

Re: Sarkastische Kommentare
« Antwort #137 am: August 26, 2026, 09:07:04 »
Die Fratze des Neo-Feudalismus

Die Fratze des Neo-Feudalismus: Freiheit für das Kapital, Festungshaft für den Bürger
Wir müssen aufhören, von einer „sozialen Marktwirtschaft“ zu stammeln. Das, was wir hier erleben, ist ein perverses Nullsummenspiel. Es passt hinten und vorne nicht mehr zusammen.

Auf der einen Seite thront ein entfesselter, globaler Neoliberalismus. Er ist wie ein metastasierender Tumor: Er kennt keine Grenzen, keine Moral, keine Heimat und erst recht keine Regeln. Er frisst alles, was ihm in den Weg kommt – von der Pflegekraft im Krankenhaus bis zur Gebärmutter einer Leihmutter. Für das große Geld ist die Welt flach, grenzenlos und völlig moralfrei. Ein einziger, gigantischer Spielplatz der Beliebigkeit.

Und auf der anderen Seite? Steht eine Bevölkerung, die unter einer Lawine von Regularien, Verboten und bürokratischem Kontrollwahn buchstäblich erstickt.

Wir erleben ein absurdes Paradoxon:
Der Staat hat die Kontrolle über die globalen Märkte komplett verloren – und kompensiert diese Ohnmacht, indem er seine eigenen Bürger im Inland umso brutaler schikaniert.

Weil der Staat die globalen Tech-Riesen nicht besteuern kann, jagt er eben den Handwerker wegen eines fehlenden Belegs. Weil er den globalen Menschenhandel im Gewand der Leihmutterschaft nicht stoppen kann (oder will), zwingt er die hiesige Mutter, für jede Kleinigkeit dreizehn Anträge in dreifacher Ausfertigung auszufüllen.

Die Kapitulation des Staates vor dem Geldbeutel
Das ist die totale Asymmetrie der Moderne:

Der normale Bürger lebt in einer lückenlos überwachten Festung. Jeder Schritt ist reglementiert, jede Abweichung wird sanktioniert. Uns wird vorgeschrieben, wie wir zu heizen, zu sprechen und zu leben haben. Wir werden erzogen, gegängelt und stranguliert.

Der globale Akteur lacht über diese Festungsmauern. Er fliegt einfach mit dem Helikopter drüber hinweg. Für ihn ist der Staat kein Gesetzgeber mehr, sondern nur noch ein lästiger Bittsteller oder – schlimmer noch – ein Dienstleister, der die Infrastruktur für seine Geschäfte bereitstellt.

Diese Schere ist sozialer Sprengstoff. Sie zerstört das grundlegende Versprechen der Demokratie: dass vor dem Gesetz alle gleich sind.

Wenn der eine wegen eines falsch ausgefüllten Formulars ruiniert wird, während der andere sich im Ausland legal ein Kind kauft und damit die Gesetze des eigenen Landes mit einem arroganten Lächeln aushebelt, dann ist das kein Rechtsstaat mehr. Dann ist das ein neofeudales Protektorat, in dem das Recht des Stärkeren – beziehungsweise des Reicheren – gilt.

Das bittere Fazit
Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert. Wir strangulieren die Leistungsträger und die Schwachen im eigenen Land mit einem beispiellosen Regulierungswahn, während wir gleichzeitig vor der absoluten Gesetzlosigkeit des globalen Marktes kapitulieren.

Wir regulieren das Klein-Klein kaputt, weil wir zu feige sind, uns mit den großen Playern anzulegen.

Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Eine Gesellschaft, die den Markt über die Menschenwürde stellt und gleichzeitig ihre Bürger wie unmündige Kinder behandelt, verliert beides – ihre Freiheit und ihre Seele. Es wird Zeit, dass wir aufhören, uns diesen Irrsinn als „Fortschritt“ verkaufen zu lassen.
 Freiheit für das Kapital, Festungshaft für den Bürger
Wir müssen aufhören, von einer „sozialen Marktwirtschaft“ zu stammeln. Das, was wir hier erleben, ist ein perverses Nullsummenspiel. Es passt hinten und vorne nicht mehr zusammen.

Auf der einen Seite thront ein entfesselter, globaler Neoliberalismus. Er ist wie ein metastasierender Tumor: Er kennt keine Grenzen, keine Moral, keine Heimat und erst recht keine Regeln. Er frisst alles, was ihm in den Weg kommt – von der Pflegekraft im Krankenhaus bis zur Gebärmutter einer Leihmutter. Für das große Geld ist die Welt flach, grenzenlos und völlig moralfrei. Ein einziger, gigantischer Spielplatz der Beliebigkeit.

Und auf der anderen Seite? Steht eine Bevölkerung, die unter einer Lawine von Regularien, Verboten und bürokratischem Kontrollwahn buchstäblich erstickt.

Wir erleben ein absurdes Paradoxon:
Der Staat hat die Kontrolle über die globalen Märkte komplett verloren – und kompensiert diese Ohnmacht, indem er seine eigenen Bürger im Inland umso brutaler schikaniert.

Weil der Staat die globalen Tech-Riesen nicht besteuern kann, jagt er eben den Handwerker wegen eines fehlenden Belegs. Weil er den globalen Menschenhandel im Gewand der Leihmutterschaft nicht stoppen kann (oder will), zwingt er die hiesige Mutter, für jede Kleinigkeit dreizehn Anträge in dreifacher Ausfertigung auszufüllen.

Die Kapitulation des Staates vor dem Geldbeutel
Das ist die totale Asymmetrie der Moderne:

Der normale Bürger lebt in einer lückenlos überwachten Festung. Jeder Schritt ist reglementiert, jede Abweichung wird sanktioniert. Uns wird vorgeschrieben, wie wir zu heizen, zu sprechen und zu leben haben. Wir werden erzogen, gegängelt und stranguliert.

Der globale Akteur lacht über diese Festungsmauern. Er fliegt einfach mit dem Helikopter drüber hinweg. Für ihn ist der Staat kein Gesetzgeber mehr, sondern nur noch ein lästiger Bittsteller oder – schlimmer noch – ein Dienstleister, der die Infrastruktur für seine Geschäfte bereitstellt.

Diese Schere ist sozialer Sprengstoff. Sie zerstört das grundlegende Versprechen der Demokratie: dass vor dem Gesetz alle gleich sind.

Wenn der eine wegen eines falsch ausgefüllten Formulars ruiniert wird, während der andere sich im Ausland legal ein Kind kauft und damit die Gesetze des eigenen Landes mit einem arroganten Lächeln aushebelt, dann ist das kein Rechtsstaat mehr. Dann ist das ein neofeudales Protektorat, in dem das Recht des Stärkeren – beziehungsweise des Reicheren – gilt.

Das bittere Fazit
Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert. Wir strangulieren die Leistungsträger und die Schwachen im eigenen Land mit einem beispiellosen Regulierungswahn, während wir gleichzeitig vor der absoluten Gesetzlosigkeit des globalen Marktes kapitulieren.

Wir regulieren das Klein-Klein kaputt, weil wir zu feige sind, uns mit den großen Playern anzulegen.

Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Eine Gesellschaft, die den Markt über die Menschenwürde stellt und gleichzeitig ihre Bürger wie unmündige Kinder behandelt, verliert beides – ihre Freiheit und ihre Seele. Es wird Zeit, dass wir aufhören, uns diesen Irrsinn als „Fortschritt“ verkaufen zu lassen.
"Lyrik braucht Straßendreck unter den Fingernägeln" (Thomas Kling)