Autor Thema: Die Wahrheit hinter der Lüge von der Schönheit  (Gelesen 480 mal)

Erich Kykal

Die Wahrheit hinter der Lüge von der Schönheit
« am: November 28, 2025, 16:07:47 »
Er, der ringende Künstler, ästhetisch, ordnend -
er, der Außergewöhnliche, sich lebenslang heimlich
versehnend nach dem Segen der Mittelmäßigkeit,
die ihm endlich selige Selbstvergessenheit erlaubt.
Denn ist die Vollkommenheit des Schönen nicht daselbst
das perfekte Mittelmaß, die Mitte von allem,
der innerste Kreis, die allumfassende Ausgeglichenheit
aller Sinne und allen Wollens? Ach, erträumte Normalität -
sie bleibt ihm verwehrt, treibt sein berufener Geist
auf dieser getriebenen Suche nach Makellosigkeit
doch immerzu ab nach jenen Pfaden, die sich
dem Chaos neigen, blinder Begierde und verworfener Moral.
Es ist dem Genie zu eigen, dass es hinter die Masken blickt,
hinter die leugnende Ordnung des Geistes,
die Zivilisation und Gesetz erst möglich machen,
da die Menschen sich ihres Triebs benehmen,
um einander wohlgesonnen zu funktionieren.
Er ist im Verschweigen seiner wahren Motive
der ewig Fragende, der die Larven hintertreibt,
die Verlogenheit jener, die fanatisch glauben
und blind vertrauen, vor allem sich selbst.
Er, der ringende Künstler, der nicht aufhören kann,
er selbst zu sein, wie er glaubt, lauter und wahr -
wahr nur in all seiner eigenen Subjektivität,
gefangen in seiner eigenen Lüge, die ihn verführt,
mehr zu sein als das ihm Zugemessene,
mehr gelten zu wollen als jene, die ihm applaudieren.
Er ist der größte aller Lügner, dieser Künstler,
da er im Schweiße seines Dranges und all seines
unterdrückten Begehrens herbeizukonstruieren versucht,
was wahre Schönheit im Auge jedweden Betrachters
frei verschenken will, bar aller Argumente der Philosophie
und der schönen Künste.
Schönheit ist Aufruhr, ist Rebellion, ist Risiko, Sünde und Gefahr.
Schönheit ist das Verbotene, das verlockt und verführt.
Schönheit ist in allem, was uns berührt und verändert.
Und dieser dumme Künstler, so blind und so verstört,
darin so hinangehoben und hinabgeworfen zugleich -
bin ich.
« Letzte Änderung: Dezember 03, 2025, 19:40:05 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.