Hi Martin!
Gern verstünde ich, wo dein sprunghafter Geist hin möchte mit diesen Versen, indes, ich scheitere wie üblich.
S1 - Ein Lob an dieses Lyrikforum. Mit dem "Prinzlein" meint der Autor möglicherweise sich selbst, aber das wird nicht klar ausgedrückt.
S2 - Eine Kritik an diesem Forum - offenbar gibt es doch Disharmonie, oder was ist mit dem "Schmutz" gmeint? Was ist mit der "Musik" gemeint? Was meint die "schlichte Herzensglut"? Welcher "wilde Ritt", dessen Unterbleiben das LyrIch anspricht, geht diesem so ab?
Was wird hier nun kritisiert? Das Fehlen von Mut, bestimmte Themen zu fassen, oder das Gegenteil? Die ersten und die letzten beiden Zeilen scheinen sich zu widersprechen.
S3 - Ist "dieses Wort von Religion und Rassen" ein negatives, oder veruchte jemand, zu missionieren? Das wird leider nicht näher definiert. Der Leser hat keine Ahnung, was mit dem "Steingrab eines Mädchens" gemeint sein könnte. Noch rätselhafter die nächsten Zeilen: wo "hat" das LyrIch die "Schweine aller Klassen", bevor es sich in der letzten Zeile scheinbar in selbstmitleidigem Größenwahn ergeht? Es klingt wie der neutorische Direktor einer Nervenheilanstalt für Schwerkriminelle ...
S4 - Das so oft zitierte "Geistlein": Gewissen? Rauschnatur? Der Dichter selbst? Sein alter ego? Worauf spielen die "blauen Wolken" an? Dass das Geistlein raucht? Bekifft ist?
Z2 scheint Selbstkritik zu sein. Ob das "sie" in Z3 sich auf die WEIT oben zitierten "Schweine" bezieht, bleibt kryptisch, und wofür soll jene "Natter" stehen, vor der "sie" gebannt stehen? Was die Schlusszeile aussagen soll, wage ich nicht mal ansatzweise auszulegen! Hat der Autor das Gefühl, schon zu oft über dieses Thema (welches auch immer ...) lamentiert zu haben?
Also wie immer: Wunderschöne Sprachhabung, lyrische Sprachmelodie, bombastische Bilder - leider mit so marginalem roten Faden, dass sie sich für den Leser praktisch zusammenhanglos aneinanderzureihen scheinen. In deinem lyrischen Universum scheinst du von so vielen Dinge als gegeben anzunehmen, dass der Leser sie wissen und erkennen müsste, dass du nie auf die Idee zu kommen scheinst, er könnte von deinen kumulierenden Aneinanderreihungen symbolhafter Bilder schlicht überfordert sein, weil ihm das Detailwissen um ihre Dechiffrierung einfach fehlt!
Ich habe keine Ahnung, was diese Bilder FÜR DICH aussagen - dir erscheint es aber offensichtlich so klar und deutlich zu sein, dass du gar nicht verstehst, wie man das NICHT verstehen kann. Als würdest du annehmen, ALLE Menschen würden wie selbstverständlich in deiner opulenten Bildersprache denken ...
Ich werde keine weiteren dieser erklärenden Kommentare mehr schreiben, denn mittlerweile habe ich mehrfach auszudrücken versucht, worauf ich hinaus will.
Soll ein Gedicht verständlich sein, muss der rote Faden deutlich sein, die Bilder verständlich und zusammenhängend eine Geschichte erzählen oder einen Gedanken erläutern oder untermalen. Bei dir hängt einfach zu viel in der Luft, wird als selbstverständlich verständlich angenommen, obwohl die Bilder oft so weit hergeholt erscheinen, dass ihr möglicher Kontext sich dem Leser gar nicht mehr erschließen KANN.
Was nützt dann eine Erklärung im Kommifaden, wenn so eine Erklärung gar nicht nötig sein sollte, wenn man es schafft, sich allgemein verständlich zu artikulieren?
So schön sich deine Gedichte also lesen - für mich bleiben sie inhaltlich betrachtet zerfahren, kaleidoskop-, ja stroboskophaft geradezu, zu extrem bildhaft verschlüsselt, um die erwünschte Aussage herauszufiltern.
Sorry.
LG, eKy