Autor Thema: Von der Schönheit hässlicher Tage  (Gelesen 1876 mal)

Erich Kykal

Von der Schönheit hässlicher Tage
« am: Oktober 09, 2019, 16:24:32 »
In feuchte Nebelschleier ist der Wald gewandet,
ein Nieselregen kühlt die graue Atmosphäre.
Die Farben dunkeln schon, als ob es Abend wäre,
der alle Bäume wie mit Schattigem umrandet.

Ein kaltes Ziehen überstreift die müden Blätter
wie Grabesatem aus dem Winter aller Tage.
Es fühlt sich an, als ob die Welt dem Licht entsage
und dumpf sich füge ihrem ungeschlachten Wetter.

Nur aus den Stubenfenstern fällt ein sachtes Glühen
wie eine lichte Botschaft in die nassen Stunden,
dass man sich treulich um den Feuerschein gefunden
und warm gehalten hat durch eines Tages Mühen.
« Letzte Änderung: Oktober 12, 2019, 11:43:58 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Eleonore

  • Gast
Re: Von der Schönheit hässlicher Tage
« Antwort #1 am: Oktober 12, 2019, 21:06:18 »
Lieber Erich,

mit Deinen Gedichten geht es mir ein wenig wie mit alten Gebäuden und Brücken.

Diese erzählen Geschichten einer vergangenen Zeit, als es in der Welt noch langsamer zuging und nicht alles aus den Fugen geraten war.
Wenn ich neuere Bauwerke sehe, die in Eile und um schnellstmöglichst für irgendeinen gewinnbringenden Zweck hochgezogen werden, gruselt mir vor Kälte
und davor, dass etwas unwiderbringlich verloren geht.

Es ist nicht nur die Achtsamkeit in Deinen Gedichten und der feine Schreibstil,
es ist auch eine ganz eigene Art die Dinge zu betrachten - fast scheint mir,
Du schautest "langsamer" als viele andere.

lG Eleonore

Erich Kykal

Re: Von der Schönheit hässlicher Tage
« Antwort #2 am: Oktober 12, 2019, 21:56:43 »
Hi Eleonore!

Das macht einerseits das Alter - je weiser an Jahren, desto mehr verlangsamt sich alles.

Andererseits mein einsiedlerischer Lebensstil - ich lebe sehr entschleunigt, lese meist, verbringe meine außerberufliche Zeit in Stille und so gut wie ohne Sozialkontakte.

Die Welt da draußen war mir immer zu schnell und zu laut, zu überzeugt und zu überzeugen wollend - heftige Emotionen anderer bereiten mir fast körperlichen Schmerz, vor allem, wenn dumme Ansichten damit vertreten und befördert werden.

Als ich jung war, konnte ich das wegstecken, aber mit den Jahren bin ich immer eremitärer geworden - ein hermetisches Leben.

Inzwischen halte ich andere Menschen nur noch in homöopathischen Dosen aus, denn in meinem Beruf als Lehrer habe ich mehr als ausreichend davon um die Ohren, oft genug von der lauten, fordernden, unreifen Sorte.  ;)

Sogar das Dichten selbst ist mir ein weiterer Weg, Druck abzubauen, Seelenhygiene zu betreiben oder eine Art Selbsthypnose zu inneren Beruhigung.

All das mag deinen Eindruck erklären.

LG, eKy
« Letzte Änderung: Oktober 13, 2019, 13:37:41 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Eleonore

  • Gast
Re: Von der Schönheit hässlicher Tage
« Antwort #3 am: Oktober 13, 2019, 13:19:01 »
Danke für Dein Erzählen, Erich.

Ich kann das sehr gut nachvollziehen und werde auch mit zunehmenden Alter
immer entschiedener, womit und mit wem ich meine Zeit teile.

In der Arbeitswelt ist man_frau ja oft schon Menschen ausgesetzt,
um die man normalerweise einen großen Bogen macht.
Und auch die geforderten Ansprüche haben immens zugenommen -
insbesondere auch im sozialen Bereich bzw. in den Schulen haben die zu Betreuenden mit Herausforderungen aufzuwarten, die sehr komplex sind. (haha - was für ein geschraubter Satz für eine Scheißzumutung ).

Schön, dass Du im Dichten soviel Ausgleich finden kannst.

Bei mir ist es eher das Malen, bei dem ich "die Sau richtig rauslassen kann" und so wieder ins Gleichgewicht komme.

lG Eleonore
« Letzte Änderung: Oktober 13, 2019, 13:21:47 von Eleonore »

Erich Kykal

Re: Von der Schönheit hässlicher Tage
« Antwort #4 am: Oktober 13, 2019, 13:39:40 »
Hi Eleonore!

Nein, keine "Scheißzumutung" - ich liebe gehobene Sprache und komplexe Satzführung!  :)

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.