Autor Thema: Weisheit nicht erst seit diesem Wiesentage  (Gelesen 1806 mal)

Martin Römer

  • Gast
Weisheit nicht erst seit diesem Wiesentage
« am: April 26, 2020, 20:41:12 »
Wer sähe heftige Gebärden einer Magd,
wo immerfort am Leib die Elendsstunden keimen?
Wer große Dinge tut, lässt jene ungesagt.
Wer wahrhaft leidet, leidet furchtbar im Geheimen.

Zerquetscht von Dranggewalten blüht der Narrenspaß.
Ich schrieb und schreibe keine larmoyanten Briefe.
Ich ward dem Lavastrom zu immer neuem Fraß.....
Ich habe freie Fahrt aus dieser weißen Tiefe.

Alsda hab ich das fette Huhnsubjekt in Sicht
und suche nach dem ersten Glück im Morgenrauche.
Ich muss das Herze mein hier doch mal preisen, nicht -
es treibt durch jedes Schreckensland gleich einem Hauche.



Erich Kykal

Re: Weisheit nicht erst seit diesem Wiesentage
« Antwort #1 am: April 27, 2020, 13:10:08 »
Hi Martin!

Finde ich sehr gut - und die Botschaft glaube ich sogar zu verstehen: Die Beschreibung einer - oder allgemein so vieler - gequälten Seele, unterdrückt, ausgenutzt und nach Gebrauch abgelegt wie abgetragene Hosen: Ungenannt undu nbeweint in der Geschicht, die von "Großen", den Benutzern, geschrieben wird.
All die unzähligen Willfährigen (weil erfolgreich Manipilierten) oder Missbrauchten, die diese "großen Taten" erst möglich machten - wer nennt sie je in den Büchern?

Liest man die Menschenhistorie, erkennt man irgendwann, was für Narren wir sind - der "Narrenspaß" unserer Geschichte erblüht in Machtintirgen, sinnlosem Blutvergießen, Kriegen: unzählige Jahrenzahlen von Herrschaften und "großen" Schlachten, als wäre dies das Wesentliche, das uns beschreibt ... - Wie jämmerlich, wenn man es mal objektiv überblickt!

Das LyrIch identifiziert sich mit all den Benutzten der Geschichte, wird selbst immer neu zum "Fraß im Lavastrom", leidet und leidet mit. Die weiße Tiefe, das unbeschriebene Blatt, das verbleibt, wenn alle Erinnerung sich ausgeglüht hat, und die Seele sich aus dem Fegefeuer ihrer Schuld zu Neuem erheben mag - nur um immer erneut in Irrtümer zu verfallen ...

Leider bleibt mir die Bedeutung (so ich mit S1 und 2 überhaupt richtig liege) von S3Z1 verschlossen: Wer/was ist das "Huhnsubjekt"?
Die anderen 3 Zeilen lassen anklingen, dass sich das LyrIch nicht entmutigen lässt - es trotzt allen Fährnissen und erhebt sich durch alle Schrecknisse und Leiden hindurch stets aufs Neu.

Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

  • Gast
Re: Weisheit nicht erst seit diesem Wiesentage
« Antwort #2 am: April 28, 2020, 03:27:16 »
Ja, es ist doch fein erquicklich, dass dieser Schnellschuss dir keine Schwierigkeiten bereitet.
Geknechtet und geschändet - man will es nicht immer so deutlich sagen...

Da hast du einen recht weiten Bogen gespannt ins Allgemeinphilosophische -
du wirst wohl wissen, dass Dinge wie lyrisches Ich nicht mehr relevant sind....
Auch der redliche Erdenbürger, der mit diesen Geflechten nichts zu tun haben will, kann zuschanden gehen.
Lady Anneliese hätte in ihrer Weisheit vielleicht noch eine Schippe draufgetan und entgegnet:
nur durch mich selbst gelang es, mich zu retten..... oder dergleichen....

Diese "prägnante" Formulierung, etwas in Sicht zu haben.... Ob das was Gutes heißen kann?
Je nun, nach 100 Überfällen muss akzeptiert werden, wenn ich auch mal zu einem Überfall heranschleiche.


Dir freundliche Nachtgrüße
M.