Autor Thema: Goethe und das Internet  (Gelesen 723 mal)

Rocco

Goethe und das Internet
« am: Juli 23, 2021, 23:04:10 »
Als Herr Sinnig neuer Direktor war, ging er durch das Theater. Dabei traf er auch Martha, die Kassiererin.

"Sinnig, mein Name. Ich bin der Direktor und wer sind Sie?"

"Grüssle, die Martha-daaadaaa! Oda abba: Marter. Wen Se' gerne hättn."



"Wie ist Ihre Überzeugung?", fragte Herr Sinnig den neuen Stadtrat, Herrn Zecke.
"Momentan? Ich bin in Urlaub!"



"In meiner politischen Laufbahn sind mir regelmäßig vier Zuhörer-Typen begegnet", sagte, zu Herrn Sinnig, Stadtrat Zecke.

"Sicher könnte ich die erraten. Aber ich will dir nicht die Laune vermiesen!"

"Also, das wären: Neunmalkluge, Talente, Dilettanten und dann Genies! Dilettanten bemerke gleich durch haltlose Meinungen, Talente durch haltbare und Genies..."

"...sowohl durch haltbare Meinungen, als auch durch tiefe!", ergänzte Herr Sinnig triumphierend.

"Nah dran. Geniale Zuhörer halten Lippen eisern verschlossen."



Nachdem ein Antrag, des Stadtrats Zecke, erneut, im Gemeinderat, abgelehnt worden ist, sagte Herr Sinnig:
"Deine Verbisseneit zeigt, dass Menschen lernfähig sind..."
Noch bevor Herr Sinnig ausgeredet hatte, unterbrach ihn der Herr Stadtrat:
"Danke, Lob hätte ich nicht erwartet."
Herr Sinnig lachte: "Zwar wiederholst du dieselben Fehler, aber aus immer anderen
Gründen."



"Gemeinplätze", sagte Herr Sinnig, "sind beliebte Demagogen-Treffpunkte."



Herr Zecke blickte einer Dame hinterher:  "Mann, hat die einen dicken Arsch!"

Herr Sinnig nickte: "Ist mir bekannt."

"Wie?!"

"Er war schon unter meinem Vorgänger der Hausmeister."



"Ich muss einen Vortrag halten, über das Internet. Meine Zuhörer sind Investoren. Hast du nicht ein Zitat von Goethe?"

Herr Zecke sah Herrn Sinnig fragend an.

"Aber Goethe hatte kein Internet."

"Du bist doch ein Dichter!"



Herr Aber galt bei Herrn Sinnig als sehr "weibischer" Mann.

Einmal wollte er Jesus spielen. Nackt.

"Keinesfalls!", sagte Herr Sinnig.

"Nur wegen meiner Nacktheit?!"

Herr Sinnig nickte.

"Spießer!"

Herr Sinnig schüttelte den Kopf:

"Unser Publikum erwartet einen Mann. Und dann kommen Sie."



Herr Sinnig hatte ein Gedächtnis wie ein Sieb. Nachdem sich ein Herr mit ihm über eine Stunde unterhalten hatte, fragte er Martha: "Wie hieß der Herr?"

"Pimpflmosmeier. En Nam zum Vergess. Die kann isch mir besondas gut merke."



Theodor Albrecht (1922 bis 2010) gründet mit seinem Bruder "Aldi".

Als die Supermarktkette wächst, will ein Reporter wissen:

"Geld ist doch nicht alles im Leben?!"

"Sicherlich nicht, aber es beruhigt. Das Finanzamt, falsche Freunde und Räuber."

"Erst in Rage werde ich grob -
aber gelte als der Hitzkopf?!"

Yusuf Ben Goldstein, aus Rocco Mondrians Komödie: Yusuf Ben Goldstein, ein aufrechter Deutscher

Erich Kykal

Re: Goethe und das Internet
« Antwort #1 am: Juli 24, 2021, 10:10:13 »
Hi Rocco!

Erst die Peanuts:

3. "Geschichte", Z3 - "... bemerke ich gleich ...".
Z4 - "Tiefe".
Z5 - "... halten die Lippen ...".

4. "Geschichte", Z1 - Nur ein Komma hier, vor "sagte".
Z5 - Wozu bekommt das letzte Wort "Gründen" eine Extrazeile?


Erneut eine kleine, aber feine Sammlung von erdachten Anekdoten, Bonmots und satirischen Witzen! Mein Liebling ist - natürlich - der Spruch bezüglich der Gemeinplätze, auf denen sich sehr gemeine Menschen treffen ...  ;) ;D, gefolgt von der Urlaubsmeinungslosigkeit von Herrn Zecke. Auf Platz drei das verlangte, wenn nötig auch frei erdichtete "echte" Internet-Goethe--Bedarfs-Zitat!
Letzteres hat gleich zwei Ebenen und zeigt die sich im Grunde nur selbst vorführende "Bauernschläue" von Politikern: Was nicht passt, wird passend gemacht, ohne Ahnen, wie lächerlich er sich vor dem Bildungsbürgertum damit machte, wenn er denn tatsächlich mit einem "echten" Goethezitat zum Thema Internet käme! Zugleich weist es auf die Amoral solcher Personen des Scheins hin, die im Bedarfsfall sofort zu Betrug und Fälschung einladen, um ihre Illusion von gutem Stil und Niveau zu stützen, wenn es ein Publikum zu beeindrucken gilt.

Gern gelesen!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.