Autor Thema: Die letzte Brücke (für Wolfgang)  (Gelesen 402 mal)

Erich Kykal

Die letzte Brücke (für Wolfgang)
« am: Oktober 26, 2025, 15:07:07 »
Die letzte Brücke ist geborsten,
die mich noch an die Menschheit band,
mit halben und mit vollen Horsten,
von denen keiner mich verstand.

Der letzte Freund hat mich verlassen,
allein zu dauern in der Welt.
Er zog es vor, mich nun zu hassen,
und hat sich gegen mich gestellt.

Zu unterschiedlich das Bedeuten
von dem, was uns die Nähe galt,
der Worte, die ihn rascher reuten.

Zu tief mein Glaube an sein Dauern,
zu zart sein Wesen und zu kalt -
es blieben letztlich nur die Mauern.

Zu zag zuletzt, sich auszustreiten,
ein Wort zu wagen, das befreit,
ließ vierzig Jahre er entgleiten
an Freundschaft und Gelegenheit.

Tat schmollend ab, was ich gegolten
in seinem Herzen, klamm und klein.
Ich hatte ihn zu hart gescholten,
und unser letztes Wort war sein.

Ich konnte es nicht prophezeihen,
dass mich ein Freund so leicht verwirft,
obwohl er es schon einmal machte.

Die innre Größe, zu verzeihen,
die hinter Oberflächen schürft,
war nichts, was seine Welt bewachte.

Vielleicht auch gab es niemals eine
Verbundenheit, wie ich sie fühlte -
'durch dick und dünn', so war die meine,
derweil sein Herz an mir erkühlte.

Vorbei die Jahre, die ich glaubte
an einen wahren, echten Freund,
der auch ein ernstes Wort erlaubte,
trotz Hader tief mit mir vereint.

Die letzte Brücke ist gebrochen,
die mich mit einem Licht verband.
Komm, Dunkelheit, in mich gekrochen
und tilge meinen Unverstand.
« Letzte Änderung: Oktober 26, 2025, 15:10:48 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.