Tja, das ist die Frage aller Fragen in jenen Ländern, wo man das noch kann, ohne dass es längst gänzlich abgeschafft wurde oder zu einer hohlen Theateraufführuing verkommen ist, die zuweilen nicht einmal mehr so tut, als wäre sie nicht von oben reglementiert und inszeniert. Wen also soll man wählen?
Meines Erachtens sollte die korrekte Antwort lauten: Niemanden, den euch eine Partei vorschlägt. Irgendeine. Denn um erstmal innerparteilich überhaupt in solch eine Position potentieller Macht zu gelangen, muss jeder Kandidat sich bereits die Hände schmutzig gemacht haben, sonst wäre er gar nicht dort, wo er nun ist. Nur rücksichtslose Ellbogentypen gelangen dorthin. Solche, die lächelnd über politische Leichen gehen, ohne sich auch nur ansatzweise zu fragen, ob ihr Tun moralisch gerechtfertigt wäre. Solche, die nicht über Bestechung, üble Nachrede oder inszenierten Rufmord erhaben sind, um ihr Ziel rücksichtslos zu verfolgen. Solche, die mit der Verve ihrer 'gerechten Sache' zig hunderte Millionen bis Milliarden an Geldern - je nach Größe ihres Landes - für ihre manipulativen Wahlkämpfe verbraten, ohne ob solcher Beträge auch nur mit der Wimper zu zucken. Wollen wir wirklich von solchen Personen vertreten und regiert werden?
Trump ist so gesehen ein Segen: Er spielt das Spiel der Mächtigen so dermaßen unfähig, schlecht und offenlundig einfältig, dass mittlerweile jeder erkennen kann, wie das System 'Macht' funktioniert: Absolut gewissenlos, egomanisch und soziopathisch. Alles andere ist Show, vom jovialen Lächeln in die Menge mit winkenden Händen oder dem obligatorischen Kinderküssen, bis hin zur öffentlich betont höflichen und zivilisierten Fassade bei diplomatischen 'Gesprächen' unter politisch Fremden oder Gegnern.
Die Kunst der Poitik hat das fundierte Argument vergessen - es wird nur noch mit rufmörderisch überwältigendem Dreck nach den anderen geworfen, egal ob wahr oder nicht, irgendwas bleibt ja immer hängen, und einzig darum geht es: Diskreditieren der anderen, anstatt sich selbst aufrichtig zu profilieren. Stattdessen aufgeblasene Selbstdarstellung mit allen Mitteln. Haben frühere vorgeblich demokratische Staatenlenker dies noch mit mehr oder minder vollendeter Schauspielkunst zelebriert, so wird seit Trump oder Putin, Erdogan oder dem chinesischen Fuzzi, dessen lächerlichen Namen ich mir nie merken kann, selbst für den Dümmsten immer klarer, worum es im Grunde geht und immer nur gegangen ist: Macht. Für Gewinn und/oder um ihrer selbst willen. Eiskalt bis sadistisch ausgeübt ohne Furcht vor den Konsequenzen, welche die Fesseln der Gesetze den 'Normalsterblichen' auferlegen.
Setzten frühere 'Staatsdiener' diese Macht zumindest noch vordergründig wohltätig und zivilisiert im Sinne der Staatsräson ein, so lassen die nunmehrigen Grenzautokraten ihre Masken immer deutlicher fallen, so als spielten diese Larven ohnehin keine Rolle mehr, nun, da sie das System, das sie ausnutzten, um ihre Stellungen zu erreichen, ohnehhin schon allzu nachhaltig diskreditiert und beschädigt haben. Russland hat den Weg von der Pseudodemokratie hin zur neuen Dikatur praktisch vollendet, China gab nie vor demokratisch zu sein, die Türkei ist praktisch das Gangland eines einzigen Familienclans, und Amerika ist eindeutig auf dem Weg in die - noch notdürftig verhüllte - Autokratie. Die totalitäre Staatsform ist im Aufwind, als schiene die Welt nur auf einen neuen Sonnenkönig zu warten, einen anbetungswürdigen 'starken Mann', der wieder alles ins Lot bringt, den Ausgebeuteten Gerechtigkeit widerfahren lässt und allen Blinden das Augenlicht zurückgibt! Eh klar. Wie naiv kann man sein?
Tja, wenn also grundsätzlich alle, die eine 'politische Ausbildung' durchlaufen und danach eine veritable Parteikarriere gemacht haben, also per se keine Leute sind, denen man vertrauen könnte, wenn soll man dann denn wählen? Das hoffentlich kleinste Übel von der ganzen Bande?
Mein Vorschlag: Schafft Politik ganz ab. Verbietet alle Parteien und Vereine, die 'Überzeugungsarbeit' in ihrem Sinne leisten (Ja, dann konsequenterweise auch alle Religionen! Die sollte ohnehin reine Privatsache sein, so lange ihre Riten nicht illegal werden). Das allein spart schon mal einen Großteil aller Staatsausgaben. Dann sucht eine kompetente Person nach Zufallsgenerator, die zwar beruflich erfolgreich ist, von Kollegen, Freunden und Familie aber als integer, fair und unbestechlich beschrieben wird, und zwar schon VOR ihrer Berufung - und macht diese dann zum Präsident mit allumfassender Befugnis, egal ob er/sie will oder nicht. Sogar umso mehr, wenn er/sie es nicht will! Zahlt einfach genug, bis sie ja sagt.
Nach dem gleichen Prinzip sucht seine/ihre künftigen Minister aller Resorts aus - und dann lasst sie alle machen. Wählt eine Jury von zeitlich begrenzt berufenen Tribunen, die der Regierung prüfend auf die Finger schauen, und eine ebensolche Kommission gebildeter Kompetenter, die alle Ausgaben und Projekte auf Wirschaftlichkeit oder Sinnhaftigkeit prüft. Und fertig.
Dieser Apparat bleibt dann im Dienst, so lange die Beteiligten noch berufstätig sind, denn welchen Sinn hätte es, nach Jahren endlich ausgelernte und vollauf funktionstüchtige Staatenlenker auf dem Gipfel ihrer Erfahrungskurve einfach austzutauschen, bloß weil vier bis acht Jahre verstrichen sind?
Abberufen werden diese Regierenden nur durch Pensionierung, Krankheit oder geistige Zersetzung, beginnende Hybris, oder durch kriminelles Verhalten, aufgedeckt durch Tribune oder Wirtschaftsprüfer. Kein Geklüngel mehr, kein Parteidiktat, keine Doktrin oder 'politische Idee', die letztendlich doch nur wieder zum Vehikel von internem Missbrauch und Korruption degradiert wird. Stattdessen eine lebenslang 'angestellte' und entsprechend kompetenzüberwachte Regierung integrer Personen mit Verantwortungsgefühl und wohlgeeichtem moralischem Kompass, die nicht aufgrund egomanisch manipulierter Aufstiege und selbstmotivierter Politkarrieren in diese Positionen gelangten, sondern dank ihrer eigenen reinen charakterlichen Integrität, beruflichen wie sozialen Fähigkeit, sowie ihrem selbst verdienten guten Ruf von ihrem Land dafür ausgewählt wurden.
Könnte wirklich funktionieren - wäre da nicht die verlässliche Kurzsichtigkeit und Gewohnheitsschwäche des Faktors Masse Mensch mit ihrem unsinnigen Beharrungsvermögen auf der einfach so behaupteten Vertrauenswürdigkeit scheinbar 'bewährter Seilschaften' der Macht, und wäre da nicht der nie versiegende, nie hinterfragte Vertrauensvorschuss eines Gemeinschaftssinns, der dümmer ist als drei Meter Feldweg, weil die Intelligenz einer Menge mit der steigenden Zahl ihrer teilhabenden Individuen zwangsläufig eklatant sinkt, womit wir wieder bei Parteimitgliedern oder -wählern wären, denen man alles mögliche vormachen oder einreden kann.
So denn, gehet hin und werdet vielleicht irgendwann klüger. Ich werd's nicht mehr erleben ...