Autor Thema: Gekreuzigt  (Gelesen 3745 mal)

Seeräuber-Jenny

Gekreuzigt
« am: Oktober 20, 2011, 21:43:33 »
Hätt Sankt Andreas das geahnt,
er hätte sie bestimmt gewarnt
vor diesem Mann, der alles kann,
der auch agiert als Zimmermann.

Als solcher hat er seiner Braut
ein schweres schwarzes Kreuz gebaut,
hat ein paar Haken reingeschraubt
und ihr noch schnell nen Kuss geraubt.

Wand ihr ein dickes Seil aus Hanf
um Arm' und Bein', da half kein Kampf.
Wie Sankt Andre hängt sie nun fest,
ihr Zimmermann gibt ihr den Rest.
« Letzte Änderung: Oktober 21, 2011, 19:43:01 von Seeräuber-Jenny »
Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die
Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen.
Carl Schurz

Guenter Mehlhorn

Re:Gekreuzigt
« Antwort #1 am: Oktober 21, 2011, 09:50:27 »
Sag an, oh Weib, wo hängst Du nur?
Das ist ja gegen die Natur.
Da muss man sich die Haare raufen.
Normal ist doch der Scheiterhaufen!

(2. Zeile reparieren.)
L.G. Günter.
Reich ist, wer Zeit zum Vertrödeln hat.Mein 2. bis 22. Buch MENSCH MEIER könnt ihr kostenlos, auch als e-books, über meine eigene Homepage (siehe mein PROFIL) laden.Auf youtube 5 Videos unter: guentermehlhorn.
(GRAF von und zu KOKS von der GASANSTALT-BERLIN-BRANDENBURG-SACHSEN-POMMERN-SPITZBERGEN)

Seeräuber-Jenny

Re:Gekreuzigt
« Antwort #2 am: Oktober 21, 2011, 18:07:13 »
Ach Günter, nein, du denkst ganz stur
in eine einz'ge Richtung nur.
Auch ist's nicht gegen die Natur,
stellst du das Kreuz in Wald und Flur.

Danke für den Hinweis auf den Tippfehler.

Lieben Gruß
Seeräuber-Jenny
« Letzte Änderung: Oktober 21, 2011, 19:45:28 von Seeräuber-Jenny »
Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die
Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen.
Carl Schurz

cyparis

Re:Gekreuzigt
« Antwort #3 am: November 01, 2011, 18:37:12 »
Holla,


das ist kräftige Kost, so richtig à la Seeräuber-Jenny.
Na denn - weiterhin viel Vergnügen!


Liebe Grüße
von
cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Makaveli

  • Gast
Re:Gekreuzigt
« Antwort #4 am: November 02, 2011, 06:57:58 »
Eigentlich reagiere ich nicht auf Kommentare, bei Texten, nach deren lesen ich selber vorhabe zu kommentieren, weil ich sie gar nicht erst lese. Aber da man am letzten, in der Regel, wie hier eben auch, nicht vorbeikommt, besitze ich mal die "Frechheit", dir zu wiedersprechen Cyperia  ;)

Ich persönlich empfinde nämlich, das hier etwas in einer besonderen Art Leichtigkeit daher kommt, dass es am Ende einfach, eben gerade dadurch, trotzdem wieder zutiefst beeindruckend auf mich wirkt.
Denn es ist gut möglich, dass all das, was zu diesem Text und der dahinter steckenden Person geführt hat, ein ganz schwer verdaulicher Brocken ist.
Aber normalerweise, wenn Leute aus den Gründen schreiben würden, von den ich das Gefühl habe, sie könnten auch hinter diesem stecken.
Dann würden sie sich beklagen. Ich möchte das auch in keinster Weise in Frage stellen, dass man das tut, oder die, die es tun, um Gottes Willen. Ich möchte nur ausdrücken, dass ich irgendwie, durch diesen Text hindurch, einen Charakter schimmern sehe, der, in seinen Umrissen riesig auf mich wirkt.
Denn es sind wenige Worte.  Und vor allem: Sie klingen so wie selbstversändlich, ich habe nicht das Gefühl, die Person, die mir da etwas sagt, tut es nicht, im Glauben, die Wege, die sie ging, die müsste sie bereuen. Als wäre das Warnsignal, welches das Lyrische Ich (LI, sollte ich es öfter benutzen) als  sein Schicksal, das eben genau für ihn bestimmt ist, genauso wie der leidvolle Weg, der dazugehört, es zu werden, akzeptiert.
Ich könnte mich da natürlich irren, aber ich muss das so sagen, weil ich solche Menschen so ungeheuer wertvoll und als höchst eindrucksvoll empfinde, denn es ist  selten, dass an unseren Strassen, die eigentlich mehr und mehr in Abgründen enden, überhaupt noch Schilder stehen. 
Und von den ich so das Gefühl habe, wie hier, beim ersten Blick scheint es mir, als würde es die Menschen in die richtige Richtung weisen können, denn es hält sich gerne übersichtlich. Was Stärke erfordert, die beeindruckt.
Denn die Frage "Warum nur ich?", so berechtigt sie sein mag, wenn den Menschen schlimme Dinge wiederfahren. Ich glaube, dass nur Menschen, die auch für schlechte Dinge noch gute Gründe erkennen können , selbst dann, wenn sie ihnen selbst passieren. Nur dann wirklich  in der Lage sind, gewisse andere Menschen vor Unheil zu bewahren, in ihrer ganz besonderen Art und Weise.
Da steckt jetzt so viel selber erlebtes, Begründendes dahinter, dass mir immer mehr Gründe einfallen würden, die mich diesen Text bzw. den Menschen dahinter als beeindruckend empfinden lassen, dass das den Rahmen sprengen würde.
Aber eben nur, wenn ein Warnsignal nicht zu übersichtlich ist, um zu lange von der Strasse abzulenken, dabei so deutlich, dass man es nicht übersieht.
 Welches an den Menschen glaubt, der es erkennt, nicht an all die, die es nicht erkennen. Selbst dann noch, wenn es die ersten 9999/10000 sind, die an ihm vorbeifahren, unbehelligt,  vielleicht sogar noch spottend oder Kopf schüttelnd.
Selbst dann glauben glauben sie noch an die  Nummer 10000, als den Grund, den es zu warnen aufgestllt wurde.
Ich glaube, dass diese Menschen durchaus viele Menschen auf den richtigen Weg bringen, ohne das sie den Dank hinterher doch zu fordern, von dem  sie vorher bereits wussten, sie würden ihn nicht bekommen. Ich glaube, sie tun in unserer Gesellschaft sehr viel Gutes, oft genug, ohne das man Ende überhaupt noch jemand weiß, dass sie waren. Und warum.
Selbst die ihnen danken, sie werden sie zwar nicht vergessen, aber auch in den seltensten Fällen darüber reden wollen, wie sie wirklich waren.
Und mit jedem, der es so weniger von ihnen wird, gesehen in der Relation zur Zeit, in der sie leben, werden sie damit eigentlich um ein Vielfaches wertvoller.
Ich brauche da glaube ich auch gar nicht weiter hin zu dem Punkt, an dem ich endgültig wunderlich wirke, wo ich ja nicht mal ganz sicher sein kann, ob ich den Text richtig verstehe. Dann wirst du schon wissen, wofür ich deiner Person hier meine Bewunderung ausdrücke.
"Wellenbrecher" eben, so wie er:
http://www.youtube.com/watch?v=6aur0HPNX7I
Nur zwei Sachen noch:
Zwischen "schweres" und "schwarzes" müsste noch ein Komma, glaube ich.
Und aus irgend einem Grund frage ich mich, warum du an einem Hanfseil angebunden wirst, und nicht an der Kette, wie sie wohl üblicherweise als Metapher dient, wenn man zwangsweise an etwas gebunden ist bzw. wird.

Peace

cyparis

Re:Gekreuzigt
« Antwort #5 am: November 02, 2011, 20:38:59 »
Weil das Hanfseil, locker gewunden, kein Metall ich - denke ich.
Könnte auch Seide und/oder Samt sein.

Ehrlich gesagt:
Deinen ellenlangen Kommentar hebe ich mir für morgen auf.
Da muß ich Geduld aufbringen.


Das schmälert aber nicht das lockre Gedicht von Seeräuber-Jenny. :)

Lieben Abendgruß
von
cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Seeräuber-Jenny

Re:Gekreuzigt
« Antwort #6 am: November 05, 2011, 02:17:11 »
Hallo ihr Beiden,

es ist weniger ein leidvoller als ein lustvoller Weg, den die Protagonistin geht. Sie möchte sich ihrem Geliebten an das diagonale Andreaskreuz gebunden hingeben. Er erfüllt ihr ihren Wunsch und baut ihr das Kreuz als Ausdruck ihrer gemeinsamen Liebe, Lust und Leidenschaft.

Liebe Grüße
Seeräuber-Jenny

Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die
Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen.
Carl Schurz

cyparis

Re:Gekreuzigt
« Antwort #7 am: November 05, 2011, 07:36:29 »
Wie gesagt - weiterhin FF (Viel Vergnügen)! :D
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

a.c.larin

  • Gast
Re:Gekreuzigt
« Antwort #8 am: November 05, 2011, 09:20:43 »

ob in der gummijacke oder in schwesterntracht oder ans andreaskreuz gebunden:
jedem tierchen sein  plaisierchen!
da kann man der protagonistin ja nur noch "viel spaß" wünschen!  :D

lg, larin

Seeräuber-Jenny

Re:Gekreuzigt
« Antwort #9 am: November 05, 2011, 12:39:07 »
Aye, jedem Tierchen sein Pläsierchen! Wobei ich das bloße Gebundensein zu den harmloseren Vergnügungen zähle. Im Namen der Protagonistin bedanke ich mich. Ich bin mir sicher, dass sie viel Spaß haben wird.

Liebe Grüße
Seeräuber-Jenny
Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die
Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen.
Carl Schurz