Autor Thema: Feuer oder Dunkelheit?  (Gelesen 2108 mal)

Meishere

  • Gast
Feuer oder Dunkelheit?
« am: September 01, 2014, 17:57:41 »
Ja, ihr wisst es mich zu quälen,
daher zwingt ihr mich zu wählen.
Frage meiner Sterblichkeit:
Feuer oder Dunkelheit?

Wähle ich die dunklen Pfade,
lass ich euch das helle Licht,
dass ihr es gleich einer Made
fresst, verderbt auf ewiglich.

Stürze ich stattdessen mutig
mich hinein ins Flammenmeer,
endet dieser Kampf wohl blutig,
gibt es keine Wiederkehr.

Und so wähl ich heute nicht,
auch wenn Hass ist was ihr speit,
sondern stehle mir das Licht,
lauf brennend in die Dunkelheit.
« Letzte Änderung: September 02, 2014, 12:21:01 von Meishere »

Erich Kykal

Re:Feuer oder Dunkelheit?
« Antwort #1 am: September 02, 2014, 11:34:39 »
Hi, Mei!


Ja, ihr wisst es mich zu quälen, Das geht so nur mit "Ja, ihr versteht es, .." oder "Ja, ihr wisst mich zu quälen"
daher zwingt ihr mich zu wählen.
Für mich Sinn der Sterblichkeit: Hier sollte natürlicherweise das "mich" betont sein. Alternative: "Frage meiner Sterblichkeit:" oder "Prüfung meiner.."
Feuer oder Dunkelheit?

Wähle ich die dunklen Pfade,
lass ich euch das helle Licht,
dass ihr es, gleich einer Made, Kommata in dieser Zeile überflüssig.
fresst, verderbt auf ewiglich. Entweder: "und ewiglich verderbt" oder "verderbt auf ewig".

Stürze ich stattdessen mutig
mich hinein ins Flammenmeer,
endet dieser Kampf wohl blutig,
gibt es keine Wiederkehr.

Und so wähle ich heut nicht, Besser: "und so wähl ich heute nicht,"
auch wenn Hass ist was ihr speit,
sondern nehme mir das Licht, Das "sondern" nach dem Einschubgliedsatz wirkt seltsam, auch der Konsonantenprall mit dem Folgewort ist unschön. Altern.: "werfe mich ins nächste Licht -"
lauf brennend in die Dunkelheit. Unbetonter Auftakt in einem Gedicht mit sonst betonten. Alternative: "brenne in der Dunkelheit."


Interessanter Ansatz typisch menschlichen Schwarz/weiß-Denkens  ;). Aber wer ist mit "ihr" gemeint? Wer wird da vom LyrIch angesprochen? Feuer und Dunkelheit? Das Gute und das Böse? Das könnte mittels eines entsprechend aufklärenden Titels erklärt werden, sodass der Leser darüber nicht mehr extra nachgrübeln muss...

Gern gelesen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Meishere

  • Gast
Re:Feuer oder Dunkelheit?
« Antwort #2 am: September 02, 2014, 12:20:33 »
Ich danke dir, eKy, für die umfassende Bearbeitung :)
Einige Vorschläge habe ich übernommen, dazu gleich mehr.

Zunächst: Ich habe den Anspruch, dass der Leser bei meinen Texten das Werk in letzter Instanz vollendet.
Das ist es, was Lyrik für mich ausmacht.
Was bringt dem Leser das Wissen, wer "ihr" für mich ist?
Viel wichtiger ist es doch, wenn der Leser selbst ein "ihr" findet. So hoffe ich auch verschiedene Situationen mit einem Gedicht erfassen zu können.
Daher auch der Titel, der nichts weiter tut, als die Frage des Gedichtes nocheinmal ganz nach oben zu stellen ;)

Und lurz zu den Vorschlägen, die ich nicht übernahm:
S1 V1: Ich denke, du hast vielleicht recht. Für mich hört es sich jedoch nicht falsch an, so dass es mich nicht ausreichend stört, um einen Kompromis zu suchen :p
Vielleicht gilt hier die beliebte Ausrede der "künstlerischen Freiheit"?

S2V4: Es mag sehr veraltet sein, aber die Formulierung "auf ewiglich" habe ich schon ein paar mal gelesen. Sie gefällt mir auch sehr gut, da ist es wieder mein Sturrkopf, der sich gegen Änderung sträubt!

S4V3: Den Konsonantenprall kann ich nachvollziehen. Ich werde nocheinmal überlegen.
Statt "nehme" könnte ich mir "stehle" vorstellen. Dann ergibt sih auch eine hübsche Alliteration ;)
Ich glaube, ich weiß auch, was du am "sondern" seltsam findest, aber hier muss es dieser Sinn sein.
Zwar seltsam, grammatikalisch aber in Ordnung, oder?

S4V4: Hier sage ich nur: Das war beabsichtigt :)

Alle anderen Hinweise habe ich gerne übernommen.
Besonders über S1V3 freue ich mich sehr.
Ich danke dir!
(Gestattest du mir, auch an anderer Stelle die Änderungen zu übernehmen? -> anderes Forum, Blog)

Hier also überarbeitet:

Ja, ihr wisst es mich zu quälen,
daher zwingt ihr mich zu wählen.
Frage meiner Sterblichkeit:
Feuer oder Dunkelheit?

Wähle ich die dunklen Pfade,
lass ich euch das helle Licht,
dass ihr es gleich einer Made
fresst, verderbt auf ewiglich.

Stürze ich stattdessen mutig
mich hinein ins Flammenmeer,
endet dieser Kampf wohl blutig,
gibt es keine Wiederkehr.

Und so wähl ich heute nicht,
auch wenn Hass ist was ihr speit,
sondern stehle mir das Licht,
lauf brennend in die Dunkelheit.



LG,
Meishere

gummibaum

Re:Feuer oder Dunkelheit?
« Antwort #3 am: September 02, 2014, 14:05:43 »
Hallo Meishere,

ein sehr interessanter Ansatz, der vielleicht genauer durchdacht werden muss, als hier geschehen. Schon das "zwingt" lässt kaum noch die Freiheit, die sich das LI am Ende gewährt. Ich will nicht durch das ganze Gedicht (das mir gefällt) korrigieren. Nur ein Vorschlag  für die erste Strophe.


Ihr versteht es, mich zu quälen.
Daher drängt ihr mich zu wählen
eine Art der Sterblichkeit -
Feuer oder Dunkelheit.

LG gummibaum

Meishere

  • Gast
Re:Feuer oder Dunkelheit?
« Antwort #4 am: September 02, 2014, 17:14:19 »
Hallo gummibaum,

ich danke auch dir :)

Es freut mich, dass du hier einen Gedanken aufgreifst, den ich selbst schon beim Schreiben verfolgte.
Ich muss dir eigentlich zustimmen. Es ist viel mehr der Versuch zum Zwang gemeint. "Drängen" beschreibt das für mich aber nicht 100% treffend.
Der Gedanke war das Wehren gegen den Zwang bzw. das Ändern eines bis dahin als nicht änderbar angesehenen Zustands.
Vielleicht ist S1V2 dafür tatsächlich zu endgültig formuliert.

Dein Strophenvorschlag entspricht in der Form nicht wirklich meinem Stil. Daher kann ich ihn auch nicht übernehmen.
Aber er gefällt mir dennoch wirklich gut.
Ich wäre froh, wenn mir solche Ideen kämen ;)

LG,
Meishere