Hey gum!
Das ist überaus beklemmend... ich muss an Theodor Kramers Gedicht "Wer läutet draußen an der Tür?" denken (google findbar), eine ebenso beklemmende lyrische Beschreibung aus dunklen Nazi-Tagen, gerade aus der Zeit der anbrechenden Verdüsterung nach der Machtübernahme in Österreich.
Da Du das Lied als Traum (als Alptraum) einordnest und einem Kind in den Mund liegst, ist in Deinem Fall vermutlich nicht primär ein allgemein politischer oder sozialer Aspekt gemeint, vielmehr beschreiben die Zeilen die Zukunftsangst eines Kindes, welches glaubt (oder schlimmer noch: durch frühere Erfahrungen gelernt hat), dass auch die liebende Mutter das Kind nicht beschützen kann und wird, wenn das Schlimme geschieht.
Und wieder wirft mich das assoziative Gedächtnis in die Nazi-Zeit und ich muss an Elisabeth Langgässer denken, die ihre uneheliche Tochter Cordelia (aus der Verbindung mit dem jüdischstämmigen Hermann Heller) an die Nazischergen hergegeben hat - verzweifelt aber auch voller Sorge um ihre anderen Kinder, die sie so zu schützen hoffte. Cordelia hat das tausendjährige Reich in Auschwitz überlebt, ist nach Schweden und später Israel ausgewandert und die Zeit später in einem autobiographischen Werk, Gebranntes Kind sucht das Feuer, verarbeitet, welches aktuell in deutscher Übersetzung erschienen ist.
LG!
S.