Autor Thema: Lolitus  (Gelesen 701 mal)

Erich Kykal

Lolitus
« am: Februar 19, 2026, 11:03:47 »
Zu früh verführt von Internet und Knete,
an einen Sugardaddy hin verhurt,
bekommt er Geld, damit er richtig spurt
bei jedem Filmchen, das man mit ihm drehte.

So lang er klein und glatt ist überm Pimmel,
darf er sich glücklich schätzen und begehrt,
- egal, wes Schockmoral sich drob empört -
'haucht' er auch Daddys Freunde in den Himmel.

Ein süßer Fratz, verludert und verdorben,
ihm macht kein Bürgerlicher mehr was vor!
Sie alle wünschen ihn zu sich empor
und wären für die Lust auf ihn gestorben.

Sein ganzer Selbstwert hängt an dem Begehren,
mit dem ihn diese Szene derb umwirbt,
bis irgendetwas still in ihm verstirbt,
das ihn ermahnen wollte und belehren.

Moral ist nur der Trug, der uns umfächelt,
den man erzählt, damit die Gier nicht kneift,
die einen Kerl hin und wieder streift,
wenn allzu mädchenhaft ein Knabe lächelt.
« Letzte Änderung: Februar 20, 2026, 14:42:56 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Lolitus
« Antwort #1 am: Februar 19, 2026, 14:36:30 »
Lieber Erich,

Im Titel anknüpfend an Nabokovs Roman gestaltest du das Leben eines Jungen, der, über das Internet verführt und verdorben, zum Opfer pädophiler Homosexueller und zum Darsteller in Kinderpornos wird. Der Junge wird früh desillusioniert über das scheinheilige Bürgertum und in seinem Vertrauen beschädigt, er kann auch keinen Selbstwert entwickeln außer dem flüchtigen und unguten, ein sexueller Stimulus für Kinderschänder zu sein.
Es ist wichtig, die Schwere dieser Verbrechen aus der weitgehenden Zerstörung eines unschuldigen Lebens zu begreifen. Immer noch kaufen sich die reichen Täter von Strafe frei.

Sehr gut gedichtet. Traurig und zornig gelesen.
LG g

Im vorletzten Vers fehlt eine Silbe (so hin und wieder)
« Letzte Änderung: Februar 19, 2026, 16:53:33 von gummibaum »

Copper

Re: Lolitus
« Antwort #2 am: Februar 19, 2026, 21:09:12 »
Hallo Erich,

ein Thema, das schon in seiner Vorstellung unerträglich ist. Durch deine gekonnte Lyrik wird das Schreckliche ganz deutlich sichtbar. Das Gedicht erweckt in mir, dem Lesenden, den Drang eingreifen zu müssen. Dies ist die besondere Tragik in Deinem Gedicht. Der Lesende fühlt sich machtlos dem Geschehen gegenüber. Er ist ein Betrachter der nicht eingreifen kann in dieses Milieu. Eine Gefühl von Wut und Abscheu habe ich gespürt und mit dem Ergebnis, was ist der Mensch doch für ein Ungeheuer spinne ich meine Gedanken weiter. Das machen gute Gedichte wohl aus. Sie gehen tief in die Seele, machen sich breit in der Gedankenwelt und hallen dort noch lange nach.

Danke fürs Lesen dürfen.

Viele Grüß, Copper

Erich Kykal

Re: Lolitus
« Antwort #3 am: Februar 20, 2026, 15:28:40 »
Hi Gum, Cop!

Gum, das mit der Silbe: Ich denke, es hängt davon ab, wie man 'Kerl' ausspricht: Knackig einsilbig in einem kurzen Bellen - oder mit eher rollendem 'r' und einem tief betont drangehängtem 'l'. Das mag nicht wirklich zweisilbig sein, aber es hört sich im Sprachfluss so an. Urteile selbst. Ich muss gestehen, ich bin im Zweifel, ob es mit oder ohne 'so' besser wäre.

Vielen Dank für den Zuspruch. Ob Jungen oder Mädchen - es ist das Alter, das die Tat verwerflich macht, ob in der verschworenen Pädophilenszene oder bei den Tanzknaben in Afghanistan. Die Taliban verbieten dieses 'Kulturgut' zwar (was sie in meinen Augen allerdings keineswegs menschlicher macht!), aber ich wette, die alteingesessenen Warlords und ihre Clans in den abgelegenen Bergdistrikten haben unter der Hand weiterhin ihre minderjährigen Favoriten - weil die Frau ja so ein schmutziges Wesen ist, kaum wertvoller als ein Stück Vieh, igitt und bäh!
Deshalb beten die Männer dort auch jedes Mal nach dem Beischlaf mit ihren Frauen spezielle Gebete, um sich spitiruell von dem Seelendreck zu 'reinigen', den das hinterlassen hat ...  (Echt, könnten eine 'Kultur' und ein falsch verstandener Glaube NOCH perverser sein!?)
Und bei uns hat gerade der Fortschritt dafür gesorgt, dass man es den weit verstreuten Tätern nicht schwerer, sondern sogar leichter gemacht hat, sich zu vernetzen und zu schützen, sowie ihre Bildchen und Filmchen gewinnbringend umzuverteilen!

Fakt nebenbei: Ich kannte als zehn- bis zwölfjähriger Bengel selbst so einen Typen, von dem man im ganzen Dorf damals schon heimlich 'wusste', dass er einen Hang zu Knaben hatte, aber niemand hat ihn damals angezeigt. Vielleicht, weil nur wir Knaben untereinander Bescheid wussten. Er fuhr immer mit seinem Geländemotorrad herum und hielt an, wenn er Buben ohne Erwachsene in der Nähe traf, die er gerne auf eine 'Spritztour' mitnahm. Einige meiner Bekannten, so alt wie ich, sind damals mit ihm gefahren, haben aber hinterher eisern geschwiegen, ob 'etwas' passiert sei, währenddessen oder bei späteren 'Verabredungen'. Auf dem Dorf hält man eben zusammen, koste es, was es wolle. Erst über 30 Jahre später hörte ich nebenbei, dass er verhaftet worden wäre - wegen Kindesmissbrauch, was sonst. Jahre, in denen er weitermachen konnte, mit jeder neuen Generation Jungs, und alle Jungen und haben letztlich das Maul gehalten, auch (oder vor allem) später als Männer. Am Ende angezeigt hat ihn eine empörte Mutter.
Mich hat er nie zum Mitfahren eingeladen, deshalb konnte ich nie sicher sein, ob die Gerüchte stimmten, und wenn alle schwiegen, wollte ich auch bei niemandem anecken. Kindern wurde damals ohnehin erst mal grundsätzlich nichts geglaubt. Ich war ihm wohl zu ... unförmig, weil auch damals schon leicht übergewichtig. Oder er wusste, dass ich gebildete Eltern von 'außerhalb' hatte, die vielleicht nicht schweigen würden, wenn ich was beichtete. Ich gehörte nicht wirklich zur Dorfgemeinschaft - und damals bedeutete das noch viel mehr als heutzutage.


LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.