Autor Thema: Spazierengehen  (Gelesen 2825 mal)

Erich Kykal

Spazierengehen
« am: Dezember 12, 2011, 22:24:09 »
Spazierengehen! Ach, ihr kleinen Füße!
So vieler Jahre Schreiten hat euch alt
und schwer gemacht, und alle Süße
besonnter Tage meiner Kindheit kalt.

Spazierengehen! Mit der Mutter Wärme
um meine hochgereckte, schmale Hand.
Die Enten auf dem Teich, die Schwalbenschwärme
und große runde Augen, wie gebannt.

Spazierengehen! Bäume wie Titanen,
und Licht im Schatten wandert über Gras.
So viele Menschen, groß und wie in Fahnen
so bunt gekleidet und in Übermaß.

Spazierengehen! Und die Hunde jagen
den Stöcken nach mit eifrigem Gebell.
Ich höre meinen Vater etwas sagen.
Die Mutter flüstert, liebevoll und schnell.

Spazierengehen! Magische Momente,
entgraben einer Zeit, die mir verging.
Ach, wären's Orte, die ich wiederkennte,
und nicht Gedanke nur, an dem ich hing.
« Letzte Änderung: Dezember 14, 2011, 13:50:58 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Guenter Mehlhorn

Re:Spazierengehen
« Antwort #1 am: Dezember 13, 2011, 19:36:39 »
Hallo Erich.

Von diesen Wunschträumen,
die ich mal eine Zeit lang realisiert habe,
hat mich leider, nicht ein einziger froh gemacht.

Schaue vorwärts, nie zurück,
neuer Mut ist Lebensglück.

Das wussten schon die alten Griechen.
Aber wir sind ja inzwischen viiiiel klüger geworden!?

Lg. Günter.
Reich ist, wer Zeit zum Vertrödeln hat.Mein 2. bis 22. Buch MENSCH MEIER könnt ihr kostenlos, auch als e-books, über meine eigene Homepage (siehe mein PROFIL) laden.Auf youtube 5 Videos unter: guentermehlhorn.
(GRAF von und zu KOKS von der GASANSTALT-BERLIN-BRANDENBURG-SACHSEN-POMMERN-SPITZBERGEN)

Erich Kykal

Re:Spazierengehen
« Antwort #2 am: Dezember 13, 2011, 21:57:51 »
Hi, Günter!

Drum schrieb ich ja: Ach, wären's Orte, die ich wiederkennte! - Man erkennt sie nicht wieder, nicht so, wie sie in Erinnerungen leben! Es fehlt immer etwas - das Kind, das du warst, das diesen Ort ganz anders erlebt, wahrgenommen hat. Reinhard Mey hat dazu ein wunderbares Lied geschrieben: Der Refrain lautet wie folgt -
So sinnlos, wie die Zeiger der Uhren
anzuhalten und zurückzudrehn,
so sinnlos ist es auch, auf den Spuren
lang vergangner Tage zu gehn.

Und übrigens: Klüger als die alten Griechen sind wir (wenigen hier) auf alle Fälle! Wohlstand, moderne Pharmazie und Versicherungen stimmen versöhnlicher und toleranter. Götter haben wir überwunden, und wir schmeißen nicht gänzlich perfekte Babies nicht mehr von Klippen! Gedichte ja auch nicht... ;)

Danke für deinen Beitrag!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Spazierengehen
« Antwort #3 am: Dezember 20, 2011, 09:52:56 »
Lieber Erich Kykal -


je älter ich werde, desto intensiver sehne ich mich nach solchen Momenten der Kindheit zurück und sonderbarerweise tauchen immer mehr Erinnerungen auf, die mich sehr wehmütig und sehnsüchtig machen.

Wie schön hast Du das wieder bedichtet!
Hab Dank!


Liebe Grüße
von
cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
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