Autor Thema: Unrecht!  (Gelesen 2296 mal)

Erich Kykal

Unrecht!
« am: Februar 03, 2013, 10:34:09 »
Tief gebeugt geht er vorbei
an den schweren Toren.
Schritte zählt er eins und zwei,
lautlos und verloren.
Strenge Wächter stehen dort
an erhöhten Stellen,
führen ein gar raues Wort,
und die Hunde bellen.

Jetzt brüllt man in sein Gesicht,
gibt ihm kalt Befehle,
doch er fühlt ihr Wehtun nicht,
spürt nicht seine Seele.
Lebenslänglich, sagte man,
hätte man befunden.
Grade fing sein Leben an,
als man ihn gebunden.

In der nackten Kammer liegt
er nun auf dem Lager.
Dass die Wahrheit immer siegt,
gilt nicht für Versager.
Dies soll nun jahrein, jahraus
seine Bettstatt werden?
Diese Wände sein Zuhaus
und sein Fluch auf Erden?

Tags darauf fand man ihn dort
ohne Blut und Leben.
Niemand gab ein gutes Wort,
oder ein Vergeben.
Jahre später wurde klar:
Ihn traf kein Verschulden.
Was ihm unerträglich war,
muss so mancher dulden!
« Letzte Änderung: August 16, 2020, 18:44:27 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Zu Unrecht!
« Antwort #1 am: Februar 10, 2013, 06:58:44 »
Ja, lieber Erich -

in der Geschichte wimmelt es von Justizirrtümern!
Du hast einen ungewöhnlichn Rhythmus in Deinem Gedicht, das ist sicher gewollt, befremdet mich jedoch ein wenig.

Mach Dir nichts draus, wenn ich hier nicht himmelhoch jauchze.

Lieben Sonntagsgruß
von
cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Zu Unrecht!
« Antwort #2 am: Februar 10, 2013, 09:05:18 »
Hi, Cypi!

Der Rhythmus ist immer 4-3-4-3-4-3-4-3. Keine Ahnung, ob das Dingens einen eigenen Namen hat.

Das Gedicht entstand einige Zeit nachdem ich eine Doku über Justizirrtümer gesehen hatte. Es ist eine Frechheit, was da oft abläuft!

Aktuell ist ja der Fall des jugendlichen Afroamerikaners, der über 30 Jahre unschuldig (wegen Vergewaltigung einer Dreijährigen) eingesperrt war und erst durch einen privat finanzierten Gentest freikam, allerdings selbst das erst nach Jahren der Behördenmühle.

In der Doku ging es um einen Lehrer, der von einer Kollegin wegen Vergewaltigung angezeigt und nur aufgrund dieser Aussage verurteilt wurde. Weil er immer seine Unschuld beteuerte und sich der psychologischen "Betreuung" (die immer zuerst ein Schuldeingeständnis von ihm verlangte) verweigerte, bekam er keinerlei Haftvergünstigungen. Als "Sexverbrecher" wurde er zusätzlich von den Mithäftlingen gemobbt und bedroht. Jahre später stelle sich anhand anderer Fälle heraus, dass die Dame geistig verwirrt und eine notorische Lügnerin war. Er wurde entlassen, bekam als "Unschuldiger" aber keinerlei staatliche Unterstützung oder Reintegrationshilfe (die ist nur für "geläuterte" Verbrecher!). Stattdessen musste er nochmals bei Gericht erscheinen. Er wurde zwar freigesprochen, musste seine Entschädigung aber einklagen. Er starb an Herzinfarkt, ehe es dazu kam. Die letzten Jahre verbrachte er als Hartz-IV-Empfänger, verlassen von Kollegen, Gattin und Freunden, die ihn, als er verurteilt worden war, im Stich gelassen hatten. Das Stigma seiner Verurteilung wurde er nie los - nicht mal eine erneute Anstellung als Lehrer bekam er, weil der Staat seine Haft nie aus seiner Akte getilgt hatte.


Ein restlos zerstörtes Leben - ein Indizienurteil - in beiden Fällen, weil es den Richtern in beiden Fällen offenbar wichtiger war, einen "Täter" zu schnappen, als die Rechte eines möglicherweise Unschuldigen zu schützen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.