Autor Thema: Müd  (Gelesen 2614 mal)

cyparis

Müd
« am: August 17, 2011, 02:50:50 »
Müd



Wie bin ich müd!
Ein Streit hat mich viel Kraft gekostet.
Wie bin ich müd ...
Die Knochen greisenhaft verrostet..
Wie Deines Gatten kranker Leib,
der will und kann am Rain des Dostes;

und dort die blinde Elfenmaid,
eifernd, geifernd, voller Neid ...

ich sah sie einst im hellen Kleid.


Wie dunkelt Stoff!
Das wird zum Leid...
Weil dort die Stunden-Träne troff
lang vor der Zeit? Es wird sich weisen,
wie Deine Tage, Stunden gleißen,
fährst Du nicht in die Blendung.
Du weißt es:
Jedem zeigt sich seine Sendung.
Ist sie Besinnung?
Wird sie Wendung?

Wer glaubt an ewiges Geschick?
Es führt kein Jugendweg zurück
in Deine frischgerührten Farben.
Wir, die wir Kinder sind, wir müssen darben.

Gibt es ein mutterloses Glück?





16.08.2011
(c)
« Letzte Änderung: August 20, 2011, 21:24:07 von cyparis »
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Müd
« Antwort #1 am: August 17, 2011, 12:07:20 »
Hi, Anne!

Wie immer tief und voller Angang, weich lyrisch fließend, mit leiser Trauer und leisem Weh um verlorenes Glück, und doch so voller Dankbarkeit für alles, was gelebt werden durfte! Schön!

Detail: "wie deine Tage, STUNDEN gleißen" - Hier müsste nach meinem Dafürhalten ebenfalls ein Plural stehen.

Ansonsten nix zu meckern - ein typischer "Cyparis"! Sehr gern gelesen!


LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Müd
« Antwort #2 am: August 20, 2011, 21:26:29 »
Lieber Erich!



Danke für den scharfen Blick!
In diesem Gedicht flossen zwei Empfindungen zusammen.
Ausnahmesweise wollte ich keine allzu deutlich werden lassen.


Hab Dank für das "typisch" -  das ist ein wahrhaftes Kompliment!


Liebe Grüße
auch an die Begleiter!


Deine
cyparis
Der Schönheit treu ergeben
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