In Frankfurt wurde Grete Goß
als Nachbarskind mit Goethe groß.
Was ihm verhieß des Gretchens Mund,
barg wohl bewahrt des Mädchens Grund.
Gar oft hört er das Mädchen lachen
und Spaß in Vaters Lädchen machen.
Er konnte sich am Mädchen weiden,
kein Blick die schlanken Wädchen meiden.
Wie schön er auch die Wädchen fand,
ums Mädchen Lyrikfädchen wand,
es half nichts, dass er Lieder machte,
weil ihm nicht mal ihr Mieder lachte.
„O werde“, fleht er, „Gretchen mein,
wie sehr ich nach dir Mädchen grein.
Schenk deine Lieb im Ros‘tal mir,
dann setze ich ein Denkmal dir.“
Doch Gretchen ließ in Sachsenhausen
viel lieber ihre Haxen sausen.
Er folgte ihr zum Rosenhügel
und griff schon an den Hosenriegel.
Das Gretchen aber wehrte sich,
bis Wolf, der arg Versehrte, wich.
„Oh, Wolf“, sprach sie, „die Musen bitt ich
um Hilf, in meinem Busen mittig
lebt einer, dem als Reine ich
gehör: mein lieber Heinerich.
Lass du‘s mit andern Mädchen krachen!
Nur Faust darf das mit Gretchen machen!“