Autor Thema: Sie lieben!  (Gelesen 2709 mal)

charis

  • Gast
Sie lieben!
« am: September 18, 2014, 13:17:25 »
Sanft spielt der Wind auf Weidenzweigen
ein Abschiedslied in Moll.
Der Himmel weint ob diesem Geigen,
so schwer und sehnsuchtsvoll.

Im zarten Licht die Blätter stieben
von kühler Brise sanft berührt,
von Morgentau geküsst. - Sie lieben!
Vergänglich Schönes uns betört:

Ein Flammenmeer gemalt auf Lüfte.
Es fällt auf regentrunkne Wiesen,
verströmt dort satte Erdendüfte
und lässt die Sinne überfließen.
« Letzte Änderung: September 22, 2014, 20:58:18 von charis »

cyparis

Re:Sie lieben!
« Antwort #1 am: September 18, 2014, 17:47:45 »
Hallo, charis -


ein sehr gelungenes Wehmtsjahreszeitengedicht, wirklich.

Lediglich das etwas ungeschickte "vergänglich" (zudem ohne Aapostroph) stört meinen Lesegenuß.
Ich komme später darauf zurück, jetzt zwingt mich der Schmerz in eine Pause.


Herzlichen Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Sie lieben!
« Antwort #2 am: September 18, 2014, 19:00:05 »
Hi, charis!

Sehr schön geschrieben, stilistisch, sprachmelodisch, inhaltlich wohlgelungen.
Ein paar Vorschläge und Peanuts:


Sanft spielt der Wind auf Weidenzweigen Der erste Auftakt ist betont in einem Gedicht mit ansonsten unbetonten Auftakten. Gewollt? Sonst: "Der Wind spielt sanft auf Weidenzweigen"
ein Abschiedslied in Moll. Nur drei Heber. Das ginge schon, da auch Z3 nur dreihebig ist, aber dieser Wechsel geschieht nur in S1 - die anderen Strophen takten alle mit immer vier Hebern - das stört den Rhytmus im Gesamten. Vorschlag: "ein leises (wehes) Abschiedslied in Moll."
Der Himmel weint ob diesem Geigen, Leichter verständlich und flüssiger lesbar: "...mit diesem Geigen,"
so schwer und sehnsuchtsvoll. Nur drei Heber. Vorschlag: "so seltsam (selten) schwer und sehnsuchtsvoll."

Im zarten Licht die Blätter stieben
von kühler Brise sanft berührt,
vom Morgentau geküsst. - Sie lieben! Der "m-M"-Prall ließe sich vermeiden: "von Morgentau..."
Vergänglich Schönheit uns betört: Verkürzung UND Inversion - das klingt schon geschraubt. Vorschlag: "Vergängliches, das uns betört:"

Ein Flammenmeer gemalt auf Lüfte. Komma vor "gemalt".
Es fällt auf regentrunkne Wiesen,
verströmt dort satte Erdendüfte, Das "satte" klingt hier sehr dominant und hart. Altern.: "starke", "klare", "tiefe",... Kein Komma am Zeilenende.
und lässt die Sinne überfließen.


Sehr gut gedichtet und entsprechend gerne gelesen! Nimm, was dir brauchbar erscheint von meinen Vorschlägen.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

charis

  • Gast
Re:Sie lieben!
« Antwort #3 am: September 18, 2014, 22:06:09 »
Hallo, charis -


ein sehr gelungenes Wehmtsjahreszeitengedicht, wirklich.

Lediglich das etwas ungeschickte "vergänglich" (zudem ohne Aapostroph) stört meinen Lesegenuß.
Ich komme später darauf zurück, jetzt zwingt mich der Schmerz in eine Pause.


Herzlichen Gruß
von
Cyparis



Herzlichen Dank, Cyparis!
Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes! Gute Besserung!
Es war nicht als Wehmutsgedicht gedacht, ganz im Gegenteil! Es ging mir mehr um die Auflösung der Schwermut; in sich selbst sozusagen.
Apostrophe mache ich nie, weil es für mich das Bild stört, rein persönlicher Geschmack, ich mag diese Striche zwischen Worten einfach nicht.:)
Ich bin gespannt wie du diesen Vergänglich-Geschichte löst!
Es ist wirklich sehr spannend für mich, die Meister am Werk zu sehen.
Lieben Gruß!
charis



charis

  • Gast
Re:Sie lieben!
« Antwort #4 am: September 18, 2014, 23:00:08 »
Vielen Dank, liebe eKy!

Ich freu mich sehr, dass du soviel Zeit und Mühle geopfert hast, meine Verse zu kommentieren und natürlich ganz besonders über dein Lob! Mehr dazu ein ander Mal, ich muss jetzt ins Bett!
Das gilt auch für "Sonettversuch des Raben"
Vorerst einen speziellen Ösi-Danke-Rätsel-Gruß!  :)

Dem Herbstphönix

So reich mir die Hand! Endlich ziehen die Schwalben!
Du wandelst die Reste des Sommers zu Asche,
und schenkst mir Vergessen im Klapotetzspiel -
im Klick-klack verliert sich die Schwere im Wind...

Du schärfst mir die Sinne mit Enzianblau.
Wenn Blüte an Blüte in Liebe verwoben
durch Endlichkeit gleiten und himmelwärts streben,
fängst Licht du in Prismen, verbrennst mich zu Leben.

Lieben Gruß!
charis


Erich Kykal

Re:Sie lieben!
« Antwort #5 am: September 19, 2014, 08:38:44 »
Hi, charis!

Danke für den Gruß, bloß wo das Rätsel ist, erschließt sich mir nicht. Ein schönes Herbstgedicht - solltest du als eigenen Faden einstellen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

charis

  • Gast
Re:Sie lieben!
« Antwort #6 am: September 21, 2014, 09:29:36 »
Vielen Dank, lieber eKy
für deine Hilfe und Anregungen!
Es würde mich freuen, wenn du noch Lust und Zeit hättest, mir ein paar technische Fragen zu beantworten:
Geht "vergänglich Schönes"?
Wenn ich "sanft" vor "spielt" setze, verliert es für mein Gefühl an Betonung? Geht das so als unbetonter Auftakt durch, oder ist es im Jambus absolut unmöglich? Nur so aus Lerninteresse, ich möchte es so oder so nicht ändern.
Lieben Gruß!
charis
P.S. Das Rätsel war: Ob du das Lokalkolorit in "Herstphönix" erkannt hast? :)

Zitat
Sie Lieben!

Sanft spielt der Wind auf Weidenzweigen
ein leises Abschiedslied in Moll.
Der Himmel weint mit diesem Geigen,
so seltsam schwer und sehnsuchtsvoll.

Im zarten Licht die Blätter stieben
von kühler Brise sanft berührt,
von Morgentau geküsst. - Sie lieben!
Vergänglich Schönes uns betört:

Ein Flammenmeer, gemalt auf Lüfte.
Es fällt auf regentrunkne Wiesen,
verströmt dort satte Erdendüfte,
und lässt die Sinne überfließen.

Erich Kykal

Re:Sie lieben!
« Antwort #7 am: September 21, 2014, 10:17:33 »
Hi, Charis!

Ich finde "vergänglich Schönes" sogar in doppelter Hinsicht besser: Es liest sich flüssiger, und "vergänglich" ist hier, anders als bei Verwendung von "Schönheit" dazu, KEINE sprachlich unschöne Verkürzung!

"Der Wind spielt sanft in Weidenzweigen" - so würde ich beginnen. Es ist eindeutig unbetonter Auftakt (wie der Rest des Gedichtes). Bei "Sanft spielt..." ist es eher ein betonter, zumindest aber indifferent.


Im Herbstphönix-Gedicht fehlt in S2Z2 ein Subjekt: "Wenn wir, Blüte an Blüte in Liebe verwoben, // durch Endlichkeit gleiten..." So stimmt natürlich das Metrum nicht mehr. Das solltest du aber unbedingt korrigieren, bzw. Umschreiben. Sätze ohne Subjekt gehen mal gar nicht. ;)

Bezüglich "Lokalkolorit" - ehrlich gesagt weiß ich nicht, worauf du hinaus willst. Das Gedicht enthält keinerlei Hinweise auf irgendwelche Örtlichkeiten. ???
Ich mutmaße, dass du mir mitteilen willst, dass du ebenfalls aus Österreich kommst, vielleicht durch die Erwähnung dieses "Klapotetz-Spiels". Wie gesagt, eine Vermutung, denn ich selbst kenne das Spiel nicht. Es klingt nur irgendwie "österreichisch"...


LG, eKy
« Letzte Änderung: September 21, 2014, 10:21:23 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Sie lieben!
« Antwort #8 am: September 22, 2014, 14:22:42 »
Ich habe gerade a.a.O. Gummibaums Anregung entdeckt:
"Vergänglich Schönes....".

Sehr gute Anregung!
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

charis

  • Gast
Re:Sie lieben!
« Antwort #9 am: September 22, 2014, 21:04:23 »
Danke, lieber eKy,
Eigentlich sollten die Blüten das Subjekt sein.
Doch, das Gedicht enthält einen sehr speziellen Hinweis!  :)
Lieben Gruß
charis

charis

  • Gast
Re:Sie lieben!
« Antwort #10 am: September 22, 2014, 21:05:47 »
Schon geschehen, Cyparis!
Lieben Gruß
charis