Autor Thema: Sonettversuch des Raben  (Gelesen 1951 mal)

charis

  • Gast
Sonettversuch des Raben
« am: September 18, 2014, 13:22:01 »
Am Schluss des weiten Tales Fichten träumen
auf ihrem Thron, in dichten, dunklen Reihen,
vom letzten Licht empfangend hohe Weihen,
gekrönt von fein gewebten Nebelsäumen.

Aus Fernen kehrt zurück der alte Rabe.
Sein Fügelschlag lässt Lüfte seltsam klingen.
Mein banges Herz beginnt vertraut zu schwingen,
als wäre dieses Tönen meine Gabe

und löste wirre Fragen, vage Schmerzen.
Ich leg mich ohne Furcht auf seine Schwingen,
verbinde mich mit seinem dunklen Herzen.

Im Höhersteigen schwindet mein Verzagen:
Nichts gilt es zu erringen, nichts zu zwingen.
Des Raben Freiheit liegt im steten Wagen.

cyparis

Re:Sonettversuch des Raben
« Antwort #1 am: September 18, 2014, 18:00:14 »
Liebe charis,


laß mir bitte Zeit für einen Kommentar (v.a. zum Titel), ich bin gesundheitlich angeschlagen.
Nur eins:
Ich liebe Raben!!!
Vor allem die Kolkraben.


Vorläufig herzlichen Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Sonettversuch des Raben
« Antwort #2 am: September 18, 2014, 18:45:47 »
Hi, charis!

Und ich liebe Sonette! Deins ist gut geschrieben, hat so gut wie alles, was das klassische Sonett verlangt: Unbetonte Auftakte, weibliche Kadenzen, umfassende Reime in den Quartetten, nur drei Reime in den Terzetten, die letzten beiden Zeilen reimen sich nicht.

Was fehlt - aber das ist auch das einzige und ich erwähne es nur der Vollständigkeit halber, weil diese "klassischen" Regeln zum Teil heute ohnehin schon als zu rigide gelten und oft gar nicht mehr angewendet werden (auch von mir nicht) - ist die Reimwiederholung im 2. Quartett: Es sollte - bleibt man "klassisch" - dieselben Reime haben wie das erste, höchsten umgedreht, also entweder ABBA - ABBA oder ABBA-BAAB.

Eigentlich hab ich nix zu meckern, deshalb die kleine Vorlesung... ;) :D

Sehr gern gelesen!

LG, eKy
« Letzte Änderung: September 21, 2014, 10:06:06 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

charis

  • Gast
Re:Sonettversuch des Raben
« Antwort #3 am: September 21, 2014, 09:53:43 »
Liebe eKy,
Auch an dieser Stelle vielen Dank!
DEIN Lob freut mich natürlich ganz besonders.
Es ist mein allererster Sonettversuch überhaupt.
Das Sonett ist schon eine harte Nuss für mich,
und deshalb hab ich mich wirklich wie ein Schulmädchen,
vor den Zensuren gefürchtet :).
Lieben Gruß
charis